Forschungsanträge

FDM im Rahmen der Antragstellung – Anforderungen, Finanzierung, Datenmanagementpläne

Anforderungen

Forschungsförderinstitutionen verlangen bei der Antragstellung regelmäßig Auskünfte über den Umgang mit Forschungsdaten und -materialien während und nach Ende eines Projekts. Allgemein wird erwartet, dass die Ergebnisse aus mit öffentlichem Geld geförderter Forschung so offen wie möglich zur weiteren Nutzung zur Verfügung gestellt werden. "As open as possible, as closed as necessary" ist häufig das zu Grunde gelegte Prinzip, das der Logik von FAIR (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) folgt.

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Mit den überarbeiteten "Leitlinen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Kodex" (2019) hat die DFG die Zugänglichmachung von Forschungsdaten prominenter gesetzt als zuvor (insbesondere in der Leitlinie 13). Angaben, die im Antrag zum Umgang mit Forschungsdaten gemacht werden müssen, waren bisher eher unverbindlich. Derzeit bereitet die DFG Präzisierungen, Checklisten und Ähnliches vor, die verbindliche Erwartungen formulieren und fachspezifisch adäquate Ausführungen zu einem Kriterium der Begutachtung machen. Eine Verpflichtung zur Zugänglichmachung von Forschungsdaten soll es weiterhin nicht geben.

Hinweise für Antragsteller*innen

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Bei BMBF-Förderung hängen die Anforderungen an das Datenmanagement und die Datenarchivierung derzeit von der Förderlinie ab. Der 'Aktionsplan Forschungsdaten' verweist auf weitere Aktivitäten des BMBF in diesem Bereich.

Volkswagenstiftung
Die VW-Stiftung erwartet die Einreichung eines Datenmanagementplans mit der Antragstellung bei 'datenintensiven Forschungsanträgen'.

Europäische Kommission
Forschungsdatenmanagement ist im Rahmen von Open Science Teil der Forschungspolitik der EU. Seit dem Programm Horizon 2020 ist die Veröffentlichung von Forschungsdaten obligatorisch, in begründeten Fällen besteht die Möglichkeit des 'Opt-out'. Die Gründe müssen in einem Datenmanagementplan (DMP) dargelegt werden. Für den Antrag genügt in der Regel ein kurzes Konzept zum Umgang mit Forschungsdaten, ein ausführlicher DMP muss gewöhnlich nach sechs Monaten Förderung eingereicht werden.

Hinweise für ERC-Grants im Rahmen von Horizon Europe unter dem Stichwort 'Open Science'
Guidelines in Horizon 2020
Online Manual zum Datenmanagement in Horizon 2020, die Richtlinien befinden sich derzeit in der Überarbeitung für das Programm Horizon Europe

Der Österreichischer Wissenschaftsfonds (FWF) erwartet offene Forschungsdaten, andernfalls eine Begründung im Datenmanagmentplan, ähnlich auch der Schweizerische Nationalfonds (SNF).

Fachlicher Rahmen

Gerade weil Material aus ethnografischer Forschung oft nicht frei im Netz verfügbar gemacht werden oder ggf. auch nicht zur Nachnutzung geeignet sein kann, sind für Antragstellende die Positionspapiere der Fachgesellschaften zum Umgang mit Forschungsdaten eine wichtige Referenz für die Formulierung entsprechender Angaben. Sie bilden die derzeit geltenden fachlichen Standards ab. Für Anträge an die DFG setzt zudem eine Handreichung des DFG-Fachkollegiums 106 Sozial- und Kulturanthropologie, Außereuropäische Kulturen, Judaistik und Religionswissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen Rahmen.

Handreichung des Fachkollegiums 106 zum Umgang mit Forschungsdaten (pdf) 

Mittel beantragen

Bei der DFG oder auch bei Anträgen an das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) kann die Finanzierung der Kosten für das Datenmanagement mit beantragt werden. Auch bei Anträgen an die Europäische Kommission können die Kosten mit ins Budget gerechnet werden. Derzeit ist uns keine Möglichkeit bekannt, mit einem Zusatzantrag zu einem späteren Zeitpunkt Mittel zu beantragen.

Wenn Sie darüber nachdenken, Forschungsmaterialien dauerhaft zu archivieren, empfehlen wir, möglichst frühzeitig zum Beispiel mit dem Forschungsdatenzentrum Qualiservice Kontakt aufzunehmen, um notwendige Schritte und eine Kostenkalkulation abzustimmen.

Datenmanagement-plan

Forschungsförderer verlangen bei der Antragstellung zunehmend auch die Einreichung eines sog. Datenmanagementplans (DMP), insbesondere dann, wenn finanzielle Mittel für die Datenarchivierung beantragt werden. Bei dieser formalisierten Planung geht es darum, alle Tätigkeiten im Umgang mit Forschungsmaterialien zu beschreiben und die rechtlich wie ethisch angemessene Umsetzung zu skizzieren.

Die Erstellung eines DMP kann sich an allgemeinen Richtlinien orientieren, wird aber letztlich immer von der konkreten Forschung abhängen. Auch wenn In der ethnografischen Forschung im Antragsprozess und zu Beginn einer Forschung meist nur begrenzte Angaben gemacht werden können, sollte ein DMP Aussagen zu folgenden Aspekten und Arbeitsschritten enthalten. Daran können Sie sich auch orientieren, wenn Sie keinen ausführlichen DMP einreichen (müssen), aber Angaben zum Umgang mit Forschungsdaten erforderlich sind :

I Administrativer Hintergrund
z. B. Projekttitel und knappe Inhaltsbeschreibung, Laufzeit, ggf. Förderinstitution und Förderkennzeichen, Projektbeteiligte, Kontaktdaten, ggf. Hinweise auf fachspezifische Richtlinien und Empfehlungen

II (Geplante) Materialgenerierung und -bearbeitung
Datenarten (z.B. Interviewtranskripte, Fotos, Feldnotizen, Beobachtungsprotokolle), Materialumfang, Methoden und Schritte zur Auswertung

III Rechtliche und ethische Aspekte und Erfordernisse
soweit absehbar: Einwilligungen, datenschutzrechtliche Vorkehrungen, Anonymisierung, ggf. Gutachten von Ethikkommissionen und behördliche Genehmigungen, ggf. fachinterne Verfahren zur Forschungsethik, ggf. Angaben zum Urheberrecht

IV Datenspeicherung
Orte der Speicherung und Backup, technische Unterstützung der Datenverwaltung (z.B. universitätseigene Plattformen und Repositorien), Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten während der Projektlaufzeit

V Archivierung und Nachnutzung
Überlegungen, ob und wo Materialien dauerhaft archiviert werden sollen (z. B. in Repositorien, einem Datenarchiv), ggf. Auswahl geeigneter Materialien, Sperrfristen, Zugangsbeschränkungen, Nachnutzungspotenziale – oder begründende Hinweise, warum die Bereitstellung von Material zur Nachnutzung voraussichtlich nicht möglich sein wird

VI Verantwortlichkeiten und Ressourcen
Angaben zu verantwortlichen Personen, ggf. Kalkulation der Kosten (in der Regel in Absprache mit einem Datenarchiv)

Jenseits der Antragstellung kann ein DMP helfen, den Umgang mit Daten und Material in Projekten – und nach Projektende – zu strukturieren und zu organisieren, z. B. um einzelne Schritte für alle Projektbeteiligten nachvollziehbar zu halten und Verantwortlichkeiten festzulegen. Das kann besonders dann relevant werden, wenn der Umgang mit Forschungsmaterial zwischen unterschiedlichen Partnern, mit womöglicher unterschiedlicher Förderung ausgehandelt werden muss.

Gedacht ist in diesem Sinne an ein dynamisches Dokument, das dem Forschungsprozess folgend angepasst und fortlaufend ergänzt werden kann. Denn gerade mit Blick auf Datenschutz und Forschungsethik können sich im Lauf der Forschung Fragen ergeben, die konkrete Antworten auch auf der Ebene von Datenmanagement erfordern, etwa: Wer im Projekt soll Zugriff auf sensibles Material haben? Zu welchem Zeitpunkt sind Schritte zur Anonymisierung sinnvoll? Wie kann sensibles Material sicher gespeichert, aber auch übertragen werden, z.B. über nationale Grenzen hinweg?

Empfehlungen und Muster aus verschiedenen Kontexten

Checkliste DMP des Verbund Forschungsdaten Bildung

Muster eines DMP für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), erstellt vom Computer- und Medienservice der HU Berlin

Muster eines DMP für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), erstellt vom Computer- und Medienservice der HU Berlin

Online Formulare für Datenmanagementpläne

Der vom britischen Digital Curation Center verantworte Service DMPonline stellt Templates für DMP zur Verfügung, die sich an den spezifischen Anforderungen von Forschungsförderern orientieren, etwa der European Commission (Horizon 2020) oder des European Research Council (ERC).

Das von der DFG geförderte Projekt RDMO (Research Data Management Organizer) ist ein stärker auf den deutschsprachigen Raum bezogenes Pilotprojekt zur Unterstützung der Datenorganisation in allen Phasen eines Forschungsprojekts mit einem dynamischen DMP. Zur Nutzung des Prototyps ist eine Anmeldung erforderlich.