Summary
- Topic Conference | Meeting — Tagung DGEKW Kommission Geschlechterforschung und Queere Anthropologie
- When to (Europe/Berlin / UTC200)
- Where Mainz — Germany
- URL https://feminist-witnessing.uni-mainz.de/#programm
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Description
Die 20. Tagung der DGEKW Kommission Geschlechterforschung und Queere Anthropologie
Zeug*innenschaft als feministische Praxis der Transformation
07.10.–09.10.2027, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Wir erleben eine Zeit tiefgreifender und oftmals verunsichernder Veränderungen. Kriege, Genozide, erzwungene Vertreibung, Re-Patriarchalisierung, grassierender Rassismus und Gewalt, der Aufstieg autoritärer Politik, zunehmende Ungleichheiten und Ausbeutung, die Klimakrise und andere Herausforderungen verändern Gesellschaften und erzeugen Unsicherheiten im Alltag. Die rasante Ausbreitung digitaler Medien und künstlicher Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Realitäten dargestellt, vermittelt und umkämpft werden, und bringt neue Auseinandersetzungen um Legitimität, Authentizität, Sichtbarkeit, Verantwortung und Macht hervor. Diese Entwicklungen legen bestehende Hierarchien offen und bringen zugleich neue Konstellationen von Vulnerabilität und Widerstand sowie überraschende Formen der Solidarität und des World-Making hervor. Vor diesem Hintergrund wenden wir uns der Zeug*innenschaft als feministischer Praxis der Transformation zu und fragen danach, was es bedeutet, die Unsicherheiten der Gegenwart zu bezeugen und bestimmte Zukünfte wahrscheinlicher werden zu lassen.
Wie Koensler und Näser-Lather (2023) uns in Erinnerung rufen, sollte das Konzept der Zeug*in nicht auf die Vorstellung einer „wahrheitsgetreuen Beobachterin“ beschränkt werden; Zeug*innenschaft ist immer partiell und verkörpert. Anstatt Zeug*innenschaft als einen einzelnen Akt des Beobachtens, Dokumentierens oder Zeugnisablegens zu verstehen, begreift diese Tagung sie als eine relationale, situierte und generative Praxis (Chua 2021, Oliver 2001). Zeug*innenschaft spielt in rechtlichen und medialen Kontexten eine ambivalente und komplexe Rolle. Rechtliche Institutionen überwachen die Grenzen dessen, wer befugt ist zu sprechen – häufig entlang stark vergeschlechtlichter, rassifizierter und klassenspezifischer Linien. Zugleich können sie durch Praxen des Bezeugens, Advocacy und den Aufbau von Allianzen verändert werden (Greenberg 2025).
Wissenschaftler*innen haben auf die ethisch-politischen (Redfield 2006), affektiven und verkörperten (Razsa 2014) sowie verteilten (Arnold-de Simine und Ch’ng 2023) Dimensionen der Zeug*innenschaft aufmerksam gemacht, ebenso wie auf die Art und Weise, in der Zeug*innenschaft durch Medientechnologien (Grinberg 2021; Ibrahim 2021), Datenpraktiken (Gray 2019) und institutionelle Rahmenbedingungen (Douglas Jones 2021) geprägt wird. In Zeiten der Krise scheinen neue Formen des medialen Bezeugens aufzublühen.
Im Anschluss an die Einladung von Binder und Hess (2026), das Vokabular der „Krise“ als einen Raum-Zeit-Komplex der Möglichkeit neu zu fassen, interessieren wir uns sowohl für das „Bezeugen als moralischen Optimismus“ (McGranahan 2020) als auch für dessen Ambivalenzen und Grenzen. Zeug*innenschaft trägt ein besonderes moralisches, epistemologisches und institutionelles Gewicht, das auf spezifische Weise verteilt werden kann (Fay 2023). Zeug*innenschaft als feministische Praxis der Transformation zu verstehen, bedeutet zu fragen, wie dieses Gewicht bislang verteilt wurde – und wie es anders verteilt werden könnte. Zeug*innenschaft kann eine flüchtige bzw. sich entziehende feministische Praxis sein, die darauf abzielt, neue Räume für FLINTA* zu schaffen, die in Anthropologie und Feminismus verankert sind, und zugleich deren Prämissen infrage stellt (Hodžić 2019). Sie kann unser alltägliches Verständnis des Selbst erweitern (Fassin 2008), institutionelle Trennungen transformieren und neue Öffentlichkeiten hervorbringen (Chua 2018), zugleich aber möglicherweise auch die Trennung zwischen den Spezies vertiefen (Dave 2014) oder eine Politik des Zorns verstärken (Maskovsky und Bjork James 2020).
Aufbauend auf ethnologischen und anthropologischen Debatten über Zeug*innenschaft als feministische Praxis lädt die Tagung zu Beiträgen ein, die sich mit einem breiten Spektrum an Themen auseinandersetzen, darunter unter anderem:
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Feministische Zeug*innenschaft in umkämpften Wirklichkeiten: Wie kann feministische Zeug*innenschaft situierte Umgangsweisen mit umkämpften Wirklichkeiten ermöglichen? Welche Formen von Wissen, Verantwortung, Solidarität und welche ethischen Spannungen entstehen dabei? Wie kann Zeug*innenschaft Allianzen zwischen feministischen, queeren, antirassistischen, dekolonialen, kommunistischen, jüdisch-palästinensischen, migrantischen Solidaritäts- und anderen Bewegungen für soziale Gerechtigkeit aufbauen, verkomplizieren oder aufbrechen?
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Die Politik und Regulierung von Zeug*innenschaft: Wer ist dazu befugt, Zeugnis abzulegen, wo und unter welchen Bedingungen? Wie prägen sozio-rechtliche, institutionelle und technologische Rahmenbedingungen die Frage, wessen Zeugnisse als glaubwürdig anerkannt werden und wessen Stimmen marginalisiert oder unsichtbar gemacht werden? Wie kann Zeug*innenschaft ungleiche Verhältnisse reproduzieren oder marginalisierten Gruppen die extraktive Anforderung auferlegen, ihr Leiden zu erzählen?
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Temporalitäten der Zeug*innenschaft: Wie verbindet Zeug*innenschaft umkämpfte Vergangenheiten, unsichere Gegenwarten und mögliche Zukünfte? Wie kann sie neue Deutungen der Vergangenheit hervorbringen – beispielsweise kritische Lesarten sozialistischer Vergangenheiten jenseits der Perspektive des „Endes der Geschichte“ – und andere Zukünfte eröffnen?
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Verkörperte Zeug*innenschaft: Wie können Fürsorge, Mutterschaft, Freundschaft und andere intime Praktiken als Formen des Bezeugens von sozialen Beziehungen und Interdependenz fungieren? Inwiefern können Körper zu Orten der Zeug*innenschaft werden, und wie werden verkörperte Spuren, Affekte, Gesten und Vulnerabilitäten als Zeugnisse anerkannt – oder zurückgewiesen?
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Rechtsextreme Formen der Zeug*innenschaft: Wie mobilisieren rechtsextreme Akteur*innen persönliche Zeugnisse, Alltagserfahrungen und Ansprüche auf Authentizität als Belege für Krise, Niedergang oder Bedrohung und erzeugen dadurch Viktimisierung und exkludierende Öffentlichkeiten (Bodén 2020)? Wie können solche Formen der Zeug*innenschaft infrage gestellt und herausgefordert werden?
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Mehr-als-menschliche Zeug*innenschaft: Wie können Objekte, Landschaften, Infrastrukturen und nicht-menschliche Lebewesen als feministische Zeug*innen fungieren? Was kann mehr-als-menschliche Zeug*innenschaft zu feministischen Ethiken und Praktiken beitragen?
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Transformationen ethnografischer Zeug*innenschaft: Wie verändern sich anthropologische Praktiken der Zeug*innenschaft als Reaktion auf gegenwärtige Bedingungen? Was unterscheidet ethnografische Zeug*innenschaft von anderen Formen der Wissensproduktion, und welche Formen von Ethik ergeben sich aus der Position der Kulturanthropolog*in als Zeug*in? Wie verändern multimodale, sinnliche, digitale und partizipative Methoden ethnografische Zeug*innenschaft?
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Mediale Zeug*innenschaft: Wie prägen unterschiedliche Medien, was bezeugt werden kann und wie Zeug*innenschaft produziert, zirkuliert und rezipiert wird? Welche neuen Formen der Zeug*innenschaft entstehen durch soziale Medien, digitale Plattformen und KI? Wie verändert KI die Produktion, Zirkulation, Verifizierung und Anfechtung von Zeug*innenaussagen?
Einreichungsrichtlinien
Wir freuen uns über Einreichungen für Einzelvorträge, Panels und multimodale Beiträge.
Einzelvorträge werden von den Organisator*innen der Tagung zu Panels zusammengestellt. Bitte reichen Sie Folgendes ein:
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einen Titel und ein Abstract (maximal 300 Wörter)
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eine kurze biografische Notiz (maximal 100 Wörter)
Panels können bis zu vier Vorträge sowie eine Moderation und eine Kommentator*in umfassen; diese Rollen können von verschiedenen Personen übernommen oder miteinander kombiniert werden. Bitte reichen Sie Folgendes ein:
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einen Paneltitel und eine Panelbeschreibung (maximal 250 Wörter)
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ein Abstract für jeden Vortrag (maximal 300 Wörter pro Abstract)
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eine kurze biografische Notiz für jede*n Panelteilnehmer*in (maximal 100 Wörter pro Person)
Multimodale Beiträge können eine große Bandbreite an Formen annehmen, darunter Musik, Tanz, bildende Kunst, Fotografie, Film, Video, Live-Performance, Poetry Slam, Storytelling, Klanglandschaften, interaktive digitale Arbeiten, Rituale, Gesten, sinnlich-körperbasierte Praktiken sowie kollaborative oder partizipative Formate. Bitte reichen Sie Folgendes ein:
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den Titel und eine Beschreibung des geplanten Beitrags, einschließlich einer Erläuterung, wie dieser an das Tagungsthema der Zeug*innenschaft anknüpft (maximal 1.000 Wörter)
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die Beschreibung der technischen und räumlichen Anforderungen, einschließlich benötigter audiovisueller Ausstattung, Materialien, Bedingungen für die Installation sowie der ungefähren Abmessungen des Beitrags. Bitte geben Sie an, welche Ausstattung und Materialien von den Beitragenden selbst bereitgestellt werden. Diese Angaben werden nicht auf die Begrenzung von 1.000 Wörtern angerechnet.
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die kurze biografische Notiz für jede*n Beitragende*n (maximal 100 Wörter pro Person)
Die eingereichten Vorschläge werden anhand ihrer Qualität und ihrer Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema bewertet.
Bitte reichen Sie Ihren Vorschlag bis zum 26. Dezember 2026 über das Converia-Einreichungsportal ein.
Die Bewerber*innen werden bis Ende Februar 2027 über das Ergebnis informiert.
Kontakt: feministwitnessing[ at ]uni-mainz.de
Call for Applications (DE) Call for Applications (EN)
Kontakt
Das Organisationsteam steht Ihnen bei Fragen rund um die Tagung gerne zur Verfügung. Sie erreichen uns jederzeit unter feministwitnessing[ at ]uni-mainz.de.
Das Organisationsteam: Čarna Brković, Dafina Gashi, Marlene Hempel, Alina Jašina-Schäfer, Elena Kerdikoshvili, Klara Nagel, Roman Olshevskiy
Studentische Hilfskraft: Nova Frankenberg
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