"Tabubrüche in der Populärmusik"

Call for Papers für die Tagung „Tabubrüche in der Populärmusik – Spielarten eines kulturellen Mechanismus?“, die vom 21. – 22.01.2027 in Freiburg im Breisgau stattfindet. Einreichungsfrist: 31.05.2026.

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  • Topic Call For Papers"Tabubrüche in der Populärmusik"
  • When to (Europe/Berlin / UTC100)
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Call for Papers:

Tagung „Tabubrüche in der Populärmusik – Spielarten eines kulturellen Mechanismus?“

21. und 22. Januar 2027 in Freiburg

Deadline für Einreichungen: 31.05.2026 

Kann man heute überhaupt noch provozieren oder sind nicht sämtliche denkbaren Tabus längst gebrochen? Sind überhaupt noch Steigerungen möglich? Die Kontroversen rund um Rammstein-Frontman Till Lindemann oder den selbsternannten „Volks-Rock'n'Roller" Andreas Gabalier zeigen auch in jüngerer Zeit, dass das Ende der Provokationsgeschichte noch nicht erreicht ist.

Provokationen, das Spiel mit Grenzüberschreitungen und der vermeintliche oder tatsächliche Bruch von Tabus, begleiten die Geschichte der Populärmusik seit Elvis' aufreizendem Hüftschwung über die Liverpooler Pilzköpfe bis hin zu Schock- und Gruselinszenierungen in der Hardrock- und Heavy-Szene. In der jüngere Vergangenheit fallen etwa selbstbewusste Zurschaustellungen von deviantem Verhalten im Gangsta-Rap ins Auge.

So klassisch die Sujets der Provokation weiterhin sind (Aggression und Gewalt, Blasphemie, Misogynie, Misandrie, Kriminalität, Sexualisierung oder politischer Extremismus), so unterschiedlich und zeitgebunden sind die Varianten und Formen dieser Provokationen. Skandale sind historisch und gesellschaftlich situiert, denn sie benötigen nicht nur eine Provokation, sondern auch jemanden, der sich provozieren lässt. Jedoch: Was in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch für elterliches oder mediales Entsetzen sorgte, kann heute kaum noch erregen und ist vielmehr Teil der popkulturellen Folklore geworden (Elvis). Zugleich können der Gebrauch bestimmter Formulierungen oder Begriffe, die noch vor wenigen Jahren nicht einmal der Erwähnung wert gewesen wären, heute Shitstorms auslösen (so etwa N-, I-, Z- und andere Wörter).

Sowohl die Zeitgebundenheit der unterschiedlichen Tabubrüche als auch ihre marktförmige Ver­wertungslogik sind mittlerweile gut beschrieben worden. In der Forschung wurden spezifische Konstellationen der Erregung als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse interpretiert, ihre zeit-, themen- und milieuspezifische Charakteristik herausgearbeitet und der Skandal als Kristallisations­punkt diskursiver Verdichtungen gelesen. 

Die geplante Tagung möchte an diese Arbeiten anschließen und gerade wegen der rasant sich entwickelnden digitalen Aufmerksamkeitsökonomien das Feld neu vermessen und auf einen aktuellen Stand bringen: Provokationsgeschichte als Kulturgeschichte. Wir wünschen uns sowohl jüngere zeithistorische (21. Jahrhundert) wie gegenwärtige Beispielstudien, die eng am konkreten Fall den Tabubruch kulturwissenschaftlich als Symptom je zeitspezifischer Diskurs- und Konfliktlagen lesen und umfassend kontextualisieren. Sowohl die Produktions- wie die Rezeptionsseite sollen dabei gleichermaßen Beachtung finden und so zu einem breiten Verständnis des Tabubruchs bei­tragen. 

Was die Gegenstände und Genres angeht, so ist die Tagung denkbar offen angelegt: die thema­tisierten Provokationen können ethischer, religiöser, politischer oder ästhetischer Natur sein, sie können sich in der Populärmusik unterschiedlicher Couleur abspielen und alle denkbaren medialen Kanäle betreffen, zumal viele Skandale gerade im intermedialen Zusammenspiel ihre Wucht gewinnen.

 

Einreichung

Einreichungen werden bis zum 31. Mai 2026 erbeten an (bitte an beide gleichzeitig schicken):
timo.heimerdinger [ at ] ekw.uni-freiburg.de und michael.fischer [ at ] zpkm.uni-freiburg.de

Wir bitten, dem Themenvorschlag (maximal eine Seite Umfang), der auch die Quellenbasis des Beitrags nennen soll, einen kurzen CV beizufügen. Einsendungen von Nachwuchs-wissenschaftler:innen sind ausdrücklich erwünscht. Der Vortrag soll auf eine maximale Länge von 30 Minuten konzipiert sein.

 

Tagung

Die Tagung findet am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. Januar 2027 im Zentrum für Populäre Kultur und Musik in Freiburg im Breisgau statt. Die Hotelkosten für die Referierenden werden über­nommen, Personen ohne feste berufliche Anbindung (insbesondere Nachwuchs-wissenschaftler:innen) können individuell und formlos zusätzlich eine Reisekostenunterstützung anfragen.

Veranstalter: Institut für Empirische Kulturwissenschaft / Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg, Prof. Dr. Timo Heimerdinger, Prof. Dr. Dr. Michael Fischer

Tagungsort: Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Rosastraße 17–19, D-79098 Freiburg i. Br.

 

Literatur:

Behrendt, Michael. 2019. Provokation!: Songs, die für Zündstoff sorgten. Darmstadt.

Flath, Beate et al. (Hg.). 2022. Druckwellen. Eskalationskulturen und Kultureskalationen in Pop,  Gesellschaft und Politik. Bielefeld: transcript (= Transdisziplinäre Popkulturstudien, 1).

Kepplinger, Mathias. 2018. Medien und Skandale (Medienwissen kompakt) https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-21394-7.

Kuck, Kristin und Vanessa Kanz (Hg.). 2025. Tabus und Tabubrüche als Symptome gesellschaftlicher Verhältnisse. Wiesbaden: Springer VS.

Meier, Andreas. 2009. Tabubrüche in der Musik. Über den Zusammenhang zwischen gezielten Tabu­brüchen und dem Käuferverhalten in der Musikindustrie. Münster: Telos Verlag.

Oertel, K. 1990. „Third Reich'n Roll". Deutschland in der amerikanischen Pop-Musik. In: F. Kram­pikowski (Hrsg.), Amerikanisches Deutschlandbild und deutsches Amerikabild in Medien und Er­ziehung (S. 231–252). Baltmannsweiler: Pädag. Verlag Burgbücherei Schneider.

Petersen, Christer. 2022. Kunst der Provokation: Eine Einführung in die Skandalforschung (essentials). Wiesbaden: Springer VS.

Pörksen, Bernhard. 2018. Die große Gereiztheit: Wege aus der kollektiven Erregung. München: Hanser.

Wisotzki, K., & Falke, S. R. (Hg.). 2012. Böse Macht Musik. Zur Ästhetik des Bösen in der Musik. Bielefeld: transcript (= Kultur- und Medientheorie).

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Prof. Dr. Timo Heimerdinger, Prof. Dr. Dr. Michael Fischer

timo.heimerdinger[ at ]ekw.uni-freiburg.de , michael.fischer[ at ]zpkm.uni-freiburg.de