Gemeinsame Normdatei (GND)

Wir aktualisieren Einträge zu Personen sowie Sachschlagwörter der Ethnologien in der Gemeinsamen Normdatei (GND) und relationieren sie umfassend.

Was ist die GND?

Die Gemeinsame Normdatei ist ein normiertes Verzeichnis von Personen, Körperschaften, Kongressen, Geografika, Sachschlagwörtern sowie Werktiteln. Normierung bedeutet hier, dass solche Entitäten eindeutig identifizierbar werden, beispielsweise durch die kontrollierte Schreibweise von Namen und Schlagwörtern.

Die GND ist als ein genuin bibliothekarisches Instrument entstanden, die normierten Begriffe werden bislang hauptsächlich für die Katalogisierung von Literatur in Bibliotheken genutzt. Ein kontrolliertes Vokabular ist hierbei essentiell für eine zukünftige automatisierte Sacherschließung – das heißt, die Beschreibung auf der Basis von Inhalten – für (digitale) Texte. 

In zunehmenden Maße wird die GND auch in Archiven, Museen, verschiedenen Projektkontexten und im Webbereich vergewendet. Sie soll sich zu einem umfassender genutzten Instrument der einheitlichen Beschreibung und damit der Verknüpfbarkeit von Inhalten entwickeln. Zum Beispiel wird bereits an einer systematischen Verbindung zwischen der GND und Wikipedia gearbeitet. Die GND ist an der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt angesiedelt, an der Bearbeitung und Pflege sind jedoch zahlreiche weitere Bibliotheken und Bibliotheksverbünde beteiligt.

Vorteile für die Forschung

Eine um fehlende und aktualisierte ethnologische Termini ergänzte GND stellt ein präziseres und zugleich konsistentes Begriffsrepertoire für eine höhere Erschließungsqualität für Literatur, Forschungsdaten und Nachlässe zur Verfügung. Wissenschaftler*innen können die darin enthaltenden Begrifflichkeiten zu Verschlagwortung ihrer eigenen Aufsätze nutzen.

Die damit geschaffenen zusätzlichen Sucheinstiege samt integrierten Synonymverweisungen führen zu besseren Rechercheergebnissen. Gleichzeitig werden die Sicht- und Auffindbarkeit von Publikationen erhöht. Entwicklungen im Bereich des Text- und Data-Mining und etwaige semantische Vernetzungen benötigen ebenfalls ein derartiges Vokabular. Auf dieser Grundlage können beispielsweise verteilte Datenbestände zukünftig besser auffindbar sein und miteinander verknüpft werden. Personen können darüber hinaus eindeutig referenziert und Namen durch biografische Daten ergänzt werden.

Aktueller Stand

Neben bibliothekarischen Regelwerken hat in der Vergangenheit vor allem das Publikationsaufkommen – also die in Veröffentlichungen vorhandenen Inhalte und Begriffe – darüber bestimmt, welche Begriffe in der Normdatei als Schlagwortliste angelegt worden sind. Dies führte bislang zu fehlenden Begriffen, auch umfassende Verknüpfungen zwischen Begriffen waren kaum möglich. Aus Sicht der ethnologischen Fächer mangelte es an Ressourcen zur kontinuierlichen Pflege und Anreicherung der Datei. Zugleich fehlte vielen Beteiligten ein ethnologischer Fachhintergrund. Die GND ist aus diesem Grund nicht vollständig und zeichnet sich nicht durch eine umfassende Thesaurusstruktur aus.

Mit Blick auf die Sachbegriffe ist ein wiederkehrendes Problem das grundsätzliche Spannungsverhältnis zwischen einer angestrebten Universalsprache (die möglichst allgemeinverständlich sein soll) gegenüber der Perspektivität und der Historizität von Wissen und Begriffen. Daneben existieren einige spezielle Probleme und Leerstellen für den Wortbestand der GND, der für die ethnologische Forschung besonders relevant ist. Dazu gehört etwa, dass wichtige Fachtermini und Methodenbegriffe der modernen Ethnologie in der GND entweder ganz fehlen oder in veralteten, auch problematischen Formen vorhanden sind. Dazu gehört auch die Frage nach Fremd- und Selbstbezeichnungen von Gruppen. Überdies fehlen Verknüpfungen zwischen Begriffen, die für den Aufbau einer dichten Netzwerkstruktur notwendig sind. Auch fachrelevante Personen sind mitunter nicht verzeichnet oder die Datensätze sind zu informationsarm. Eine Verbesserung kann vor allem dort nur im Austausch mit Fachvertreter*innen erreicht werden, wo fachlich spezifische Kategorien und Klassifikationen angesprochen sind. Nur so kann die GND künftig zu einem akzeptierten Werkzeug der ethnologischen Forschung werden.

Projektziele

Hauptziel ist entsprechend, fehlende oder veraltete Begriffe sowie Personendatensätze zu verändern und zu ergänzen. Daneben soll eine umfassende Verknüpfung von Sachbegriffen erfolgen, die mit Rückgriff auf Synonyme, verwandte Begriffe, hierarchische Verweisungen ein möglichst dichtes Netz an Schlagwörtern schaffen soll. Da viele Begrifflichkeiten in der Forschung nicht einheitlich verwendet werden und vielfach umstritten sind, ist eine intensive Kooperation mit fachwissenschaftlichen Communitys notwendig. Dabei sollen auch fachwissenschaftliche Bedarfe eruiert und in die Erweiterung der GND integriert werden. Daneben sieht das Projekt die Erstellung einer Handreichung für Wissenschaftler*innen vor. Diese soll grundlegende Konzepte erläutern und Hilfestellung bei der Recherche in der GND liefern. Für Bibliothekar*innen, die ethnologische Bestände betreuen, ist zudem ein Webinar geplant. Zur Unterstützung der bibliothekarischen Arbeit könnten zukünftig darüber hinaus ein umfassendes Mapping verschiedener Thesauri erstellt sowie Crosskonkordanzen herausgearbeitet werden. Des Weiteren ist die Ergänzung der Regensburger Verbundklassifikation (RVK) um GND-basierte Registerbegriffe geplant. Damit sollen Zuordnungen zu Systemstellen leichter und präziser werden.

Ansprechen

Moritz Strickert, M.A.

moritz.strickert[at]ub.hu-berlin.de

Telefon: +49 30 2093-99250