Rape and Revenge

CfP für den interdisziplinärer Workshop "Rape and Revenge. Rache-Kulturen und sexualisierte Gewalt in intermedialer Perspektive" an der Universität Hamburg, 10.-12. März 2022; Frist 31. August 2021

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Zusammenfassung

Beschreibung

"Rape and Revenge. Rache-Kulturen und sexualisierte Gewalt in intermedialer Perspektive"

Interdisziplinärer Workshop
10-12. März 2022, Universität Hamburg digital/in Präsenz

CfP: 31. August 2021


Forschungen zu sexualisierter Gewalt sowie zu geschlechtsspezifischen Diskriminierungserfahrungen sind seit der #MeToo-Debatte verstärkt in das öffentliche Interesse gerückt. Wir möchten an diese Diskussionen anknüpfen und sie um einen Aspekt ergänzen, und zwar um das Phänomen „Rape and Revenge".

Die aus den feministischen Filmwissenschaften stammende Formel „Rape and Revenge" (deutsch: „Vergewaltigung und Rache") versucht verschiedene faktische und fiktionale Ereignisse fassbar und analysierbar zu machen: Zum einen bezeichnet sie Formen der Selbstjustiz, eine spezifische soziale Handlung, in denen Opfer sexualisierter Gewalt Rache an ihren:seinen Vergewaltiger:innen ausüben oder aber sich Partner:innen, Familienmitglieder oder Freund:innen (stellvertretend) an den Vergewaltiger:innen rächen.

In diesen Rachezyklen geht es meist um eine symmetrische Vergeltung auf der Basis eines reziproken Äquivalenzprinzips. Das Konzept der Rache kann aber auch als Ausdruck der Kritik an einer unbefriedigenden Sanktionierungspraxis in geltenden Rechtsystemen dienen (Stichwort: Rape Culture). Zugleich lässt sich in imaginierten Racheszenarien auch eine Coping-Strategie im Umgang mit traumatisierenden Gewalterfahrungen erkennen. Damit wird nicht nur ein (geschlechts-)spezifisches Verantwortungs- und Rechtsbewusstsein sichtbar, sondern zugleich treten Geschlechtervorstellungen und -ordnungen sowie Vorstellungen von Sexualitäten auf kondensierte Art und Weise in den Fokus.

Rache im Anschluss an eine erlittene Vergewaltigung ist ein Thema, das seit der Antike in verschiedenen hochkulturellen Diskursen kursiert, zunächst insbesondere in der Literatur (Lyrik, Drama, Prosa), Graphic Novels (Animes), Bildende Kunst, Film (auch Pornografie), Musik, wie überhaupt als medienvermittelte Repräsentationen in der Populärkultur. Kultfilme wie der indische Film „Bandit Queen" (1994), die US-amerikanische Produktionen „Thelma und Louise" (1991), „Promising Young Women" (2021) oder „Violation" (2021) und der französische Film „Revenge" (2017) zeigen, dass das Thema auch interkulturell verhandelt wird und nicht an Aktualität eingebüßt hat.

Aber auch vergangene und gegenwärtige empirische Beispiele wie die in den Medien viel diskutierten Fälle von Marianne Bachmeier, die 1981 den Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss, oder von Valérie Bacot im Jahr 2021, die ihren Vergewaltiger und Ehemann erschoss, verweisen auf ethnografische und soziale Dimensionen des Phänomens.

In einer interdisziplinären Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Rape and Revenge" möchten wir im Rahmen des Workshops verschiedene Beispiele und Fragestellungen diskutieren.


Leitfragen:

  • In welchen fiktionalen und empirischen Ausdrucksformen lässt sich das Phänomen „Rape und Revenge" finden (Literatur, Kunst, Recht, (Pop-)Kultur, soziale Praxis u.a.)?
  • An welchen ästhetischen Prinzipien und/oder sozialen und kulturellen Bedingungen orientieren sich diese Ausdrucksformen?
  • Welche kulturtheoretischen Ansätze und ethnografischen Methoden können als Analyseperspektiven und -instrumente genutzt werden, um die Phänomene zu beschreiben und sie theoriegeleitet zu interpretieren?
  • Welche Potenziale und Grenzen hat die wissenschaftlich-fundierte Analyse dieser Phänomene, sowohl historisch als auch gegenwartsorientiert?
  • Was können die Phänomene über gesellschaftliche Wissensordnungen aussagen? Wie rahmen sie soziales Handeln in Gesellschaften? Und in welchem Verhältnis stehen sie zum Themenkomplex „Rape Culture"?

Der Workshop richtet sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler:innen (Bachelor- und Masterstudierende, Promovierende) als auch an Post-Docs und Habilitierende unterschiedlicher Disziplinen und Arbeitsweisen, die das Themenfeld gemeinsam mit uns kartieren wollen.

Wir haben Fördermittel von der Stabsstelle Gleichstellung der Universität Hamburg (Gleichstellungsfonds 2021) eingeworben, sodass wir mögliche Honorar-, Reise- und Übernachtungskosten im üblichen Rahmen erstatten können. Im Anschluss an den Workshop ist eine Publikation der Beiträge geplant.

Aufgrund der unsicheren Corona-Lage planen wir den Workshop zum jetzigen Zeitpunkt sowohl in Präsenz als auch digital. Genaue Informationen folgen zeitnah. Der Workshop wird zweisprachig angelegt sein (Deutsch und Englisch).

Bitte senden Sie ein Abstract (ca. 1/2 DIN A4-Seite, deutsch oder englisch) und Kurzinfos zu Ihrer Person (bio- und bibliographische Angaben) bis zum 31. August 2021 bitte an: christine.kuenzel(at)uni-hamburg.de UND manuel.bolz(at)uni-hamburg.de.

Kontakt

Nähere Informationen

christine.kuenzel[ at ]uni-hamburg.de | manuel.bolz[ at ]uni-hamburg.de