AB HERBST! Gesprächsreihe des Netzwerks „Koloniale Kontexte“ zur gesellschaftlichen Verantwortung von Archiven, Museen, Sammlungen und Bibliotheken
Wer bewahrt, wer entscheidet?
Gesellschaftliche Verantwortung (nicht nur) im Umgang mit kolonialem Wissen
Das materielle Erbe der Kolonialzeit ist unübersehbar Teil unserer Gegenwart. In Museen werden bis heute Objekte ausgestellt, die während der Kolonialzeit nach Europa kamen. Bibliotheken bewahren historische Kolonialliteratur und machen sie weiterhin zugänglich. In Archiven lagern Dokumente, die koloniale Herrschaft, ihre Verwaltung sowie den Widerstand dagegen dokumentieren. Große Fotobestände aus der Kolonialzeit prägen bis heute unsere Vorstellungen von ehemals kolonialisierten Ländern. Viele dieser Materialien werden digitalisiert, online zugänglich gemacht und zunehmend auch mit KI ausgewertet. Mehr Zugänglichkeit schafft neue Möglichkeiten der Teilhabe, verlangt von Gedächtnisinstitutionen aber auch neue Verantwortung: Wie lässt sich Missbrauch verhindern? Wie kann einer demokratiefeindlichen oder diskriminierenden Nutzung entgegengewirkt werden?
Digitalisierung und der wachsende Einsatz von KI führen auch in anderen Bereichen zu ähnlichen Fragen und Auseinandersetzungen: Die Debatten um Datensouveränität und Persönlichkeitsrechte im digitalen Raum oder die aktuelle Diskussion um die Reform des Informationsfreiheitsgesetzes betreffen in ähnlicher Weise ganz zentral das Spannungsfeld zwischen Transparenz und sensiblen Informationen. Die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit steht damit mitten in der Gesellschaft. Sie berührt nicht nur grundsätzliche Fragen nach den aktuellen Aufgaben von Gedächtnisinstitutionen, Museen, Archiven und Bibliotheken, sondern hat in einer demokratischen Gesellschaft breite politische Relevanz.
Mit der Reihe „Wer bewahrt, wer entscheidet?“ bringen wir Gesprächspartner*innen zusammen, die sich mit unterschiedlichen historischen (Unrechts-)Kontexten und gegenwärtigen gesellschaftlichen Veränderungen beschäftigen. Ausgehend von Erfahrungen im Umgang mit kolonialen Kontexten diskutieren wir in vier Veranstaltungen die politische Einflussnahme auf Archive, den Einsatz von KI, Neutralität in Bibliotheken und den Umgang mit Fotografien im digitalen Raum und zeigen, dass diese Fragen weit über das Feld der Kolonialgeschichte hinausreichen und uns alle als demokratische Gesellschaft betreffen.
Die vier Veranstaltungen finden an unterschiedlichen Orten in Deutschland statt. Eine Online-Teilnahme ist ebenfalls möglich. Weitere Informationen folgen.
Oktober 2026 (43. KW), Berlin
Archive: Macht, Politik, Erinnerung
November 2026, Leipzig
Museen: Digitalisierung, KI, Datenrechte
Januar 2027, Hamburg
Bibliotheken: Neutralität, Demokratie, Meinungsfreiheit
Februar 2027, Frankfurt
Fotografie: Bilder, Digitalität, Öffentlichkeit