Wir wohnen Wort an Wort. Banat - Siebenbürgen - Bukowina. Ein Ethnograffitti Südosteuropas

Banat, Siebenbürgen und Bukowina – drei historische Regionen, deren Geschichte in vielerlei Hinsicht von deutschsprachigen Minderheiten geprägt wurden. Auf den Spuren dieser Menschen und ihrer Geschichte(n) reisten im vergangenen Herbst 13 Studierende und drei Dozent/innen der Fächer Volkskunde (Empirische Kulturwissenschaft) und Rumänistik vom westrumänischen Temeswar durch Siebenbürgen bis in die nordrumänischen Städte Iași und Suceava sowie das ukrainische Czernowitz. Sie sprachen mit Banater Schwaben, Siebenbürger Sachsen und für die deutsche und jüdische Kultur engagierten Rumän/innen und Ukrainer/innen.

EVIFA Literatursuche

Zukünftige Termine
« April 2019 »
month-4
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 1 2 3 4 5

Zusammenfassung

Beschreibung

Aussagen und Erinnerungen aus diesen Interviews und Teilnehmende Beobachtungen der Teamethnografie sind zum Material einer Ausstellung geworden – “Wir wohnen Wort an Wort. Banat - Siebenbürgen - Bukowina. Ein Ethnograffitti Südosteuropas”. Unsere Leitfragen waren: Was hieß es früher, zur deutschen Minderheit zu gehören, was heißt es heute? Warum bedeutete das Ende des Kommunismus 1989 für die Mehrheit Exodus und Abschied aus ihrer südosteuropäischen Heimat? Wie wird die Vielstimmigkeit der Region heute gelebt? Können wir für das Europa von heute etwas lernen?

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Podiumsdiskussion, Schulführungen, Musikveranstaltung, Party und einem Theatergastspiel (5.-10. sowie 21. Mai). Die Projekttage nehmen insbesondere den Wandel der Region seit 1989 in den Blick und sind Teil der Jenaer Initiative “Wegbruch - Umbruch - Aufbruch. Jena und die Revolution(en) von 1989.”

Wir würden uns sehr freuen, Ihnen zu diesem Anlass in Jena zu begegnen. Alle Programmdetails finden Sie auf der Website https://wortanwort.wixsite.com/jena.
Programm

Mittwoch, 10. April, 18 Uhr
Ausstellungseröffnung

Gast: Marius Koity, Autor von “Eine unver­meid­li­che Col­lage. Gedichte. Meine alten Tage­bü­cher und andere Papiere”, 2016

Universitätshauptgebäude, Fürstengraben 1, 07743 Jena, 1. Etage


Sonntag, 5. Mai 2019, 19:30 Uhr
Annemarie Otten, „Elternerde“, Lesung und Gespräch

Annemarie Otten (geb. 1989 in Hamburg) ist Kommunikationsdesignerin und hat als Abschlussarbeit die Erinnerungen und die Familiengeschichte ihrer aus dem rumänischen Banat stammenden Großmutter zu einer Graphic Novel verarbeitet.
Mehr zum Buch: http://www.annemarieotten.de/elternerde/

Schillers Gartenhaus, Schillergäßchen 2, 07745 Jena


Dienstag, 7. Mai 2019, 20 Uhr
Carmen-Francesca Banciu, „Ein Land voller Helden”,
Lesung und Gespräch

Carmen-Francesca Banciu (geb. 1955 in Lipova, Rumänien) hat einen Roman verfasst, der in den Wirren und Folgen der rumänischen Revolution 1989 spielt und einen Freundeskreis in einer Phase der Selbstvergewisserung in den Blick nimmt; die Protagonisten hinterfragen nicht nur die rumänischen Revolutionsereignisse 1989, sondern stellen auch ihre Beziehungen untereinander radikal in Frage.
Mehr zum Buch: http://palmartpress.com/fileadmin/user_upload/Programme/PALMARTPRESS_VORSCHAU_Fruehling_19_I_PAP_WEB.pdf

Anschließend studentische Lesung (rumän.-engl.) aus Katherine Verdery, My life as a spy. Investigations in a Secret Police File. Die amerikanische Anthropologin wertet in diesem Buch Geheimdienstakten der rumänischen Securitate aus, die in Zusammenhang mit ihren Feldforschungsaufenthalten in Rumänien seit den 1970er Jahren entstanden sind.

Café Wagner, Wagnergasse 26, 07743 Jena

Mittwoch, 8. Mai 2019, 20 Uhr
Iris Wolff, „Halber Stein“, Lesung und Gespräch

Iris Wolff (geb. 1977 in Sibiu/Hermannstadt, Rumänien) schildert in diesem Roman die Rückreise einer jungen Erwachsenen nach Rumänien und deren Wiederbegegnung mit der Umgebung ihrer Kindheit in Siebenbürgen. Die Erkundung der Vergangenheit erlaubt über Heimat, Erinnerung und Geschichte der Deutschen aus Rumänien zu diskutieren und sie in den größeren Kontext aktueller Diskussionen um Identitätsbildung in Europa einzubetten.

Anschließend Teodora Oprișor, Klavier

Teodora Oprișor (geb. 1993 in Sibiu/Hermannstadt, Rumänien), Pianistin von der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, spielt Stücke der Komponisten Paul Constantinescu, Béla Bartók und Frédéric Chopin.

Café Bauersfeld, Am Planetarium 5, 07743 Jena

Donnerstag, 9. Mai 2019, 19:30 Uhr
Podiumsdiskussion:
Endgültig verlassen und entfremdet?
Musealisierung deutschen und jüdischen Lebens in Rumänien und der südlichen Ukraine nach 1989

Im Rahmen der ethnographischen Reise nach Rumänien und in die Ukraine trafen wir neben Geschichten vom Verlassenwerden auch Praktiken und Orte der Erinnerung: Ob es die Temesvarer Feier zum 3. Oktober mit eingestreuten Tanzeinlagen deutscher Trachtengruppen in Rumänien oder ein (verstaubtes) Trachtenmuseum in Sibiu war, die Kirchenburg von Sighisoara, gut in Schuss und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes des Stadtzentrums, oder die fast verlassene, doch punktuell wieder kulturell genutzte Synagoge von Mediasch; dann, im ukrainischen Czernowitz, das kleine, auf zwei Zimmerchen begrenzte jüdische Museum, eröffnet im Jahr 2008, das einen Eindruck von der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch so prägenden jüdischen Präsenz in der Stadt zu vermitteln versucht.
Was uns auf dem Podium beschäftigen soll ist die Frage des Zusammenspiels von Geschichte und Erinnerung bei der Arbeit an materiellem Kulturerhalt, dessen Träger in der Regel nicht (mehr) vor Ort sind, jedoch ihre Geschichte in einer sich derzeit stark verändernden Umgebung präsent gemacht wird. Welche Rolle spielt die Musealisierung für die lokale Erinnerungskultur und nachwachsende Generationen vor Ort? In welchem größeren historischen Kontext lassen sich die vielfältigen Erinnerungspraktiken gerade vor dem Hintergrund von 1989 und der seither wachsenden Europäisierung einerseits, sowie der Rückkehr patriotischer Narrative andererseits stellen?

Dr. Cornelia Eisler, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa / Claudiu Florian, Rumänisches Kulturinstitut Berlin / Dr. Florian, Kührer-Wielach, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas / Dr. Oxana Matiychuk, Ukrainisch-Deutsche Kulturgesellschaft Czernowitz am Zentrum Gedankendach / Dr. Michaela Nowotnick, Arno Schmidt Stiftung Bargfeld

Katholisches Gemeindehaus “Gabriel Henry”, Wagnergasse 30, 07743 Jena


Freitag, 10. Mai 2019, 20:30 Uhr
von sprachen und schriften, sissi tax
Performance-Lesung

Sissi Tax (geb. 1954 in Köflach/Steiermark, seit 1992 in Berlin) liest laut Poesie und stellt den Klang in Zusammenhang mit dem vielfarbigen Bedeutungsgewebe, das sich aus dem dichterischen Sprechen über die Dinge ergibt. Die tour d’horizon poetique gibt Einblicke in das Werk des bukowinischen Schriftstellers Alfred Josef Storfers, der Czernowitzerin Rose Ausländer, des siebenbürgischen Dichters Oskar Pastior und der Exilösterreicherin Sissi Tax selbst, deren Werke zwischen Dichten und Denken die anarchistischen und subversiven Zugänge zu Sprache anschaulich werden lassen.

Anschließend Party mit „La Bassarabia Banda“ aus Leipzig und DJ Illmagic

Kulturbahnhof Jena, Spitzweidenweg 28, 07743 Jena

Dienstag, 21. Mai 2019, 20:00 Uhr
Tagebuch Rumänien. Temeswar, Ensemble des Deutschen Staatstheaters Temeswar.

Tagebuch Rumänien. Temeswar ist ein multidisziplinäres Projekt, das Film, Fotografie und Theater zusammenführt und mittels aufgeschlossener Bekenntnissen versucht, ein aufrichtiges Bild zwischenmenschlicher Beziehungen, die entscheidend von der städtischen Umwelt geprägt sind, aufzuzeigen aber auch eine Aufforderung zur sozialen und gesellschaftlichen Beteiligung darzustellen. Das Gesamtbild umfasst die Biografien 6 Schauspielerinnen, die sich damit auseinandersetzen, in wie fern Eltern, Freunde und Unbekannte, aber auch die Stadt selbst durch ihre Viertel, ihre Bewohner und ihren Künstlern zu unserer Bildung und Entfaltung beitragen – von Nostalgie geprägte erste Erinnerungen bis zum heutigen Tag. Ihre intimen Einblicke beruhen auf die Lebenserfahrungen der Schauspielerinnen, seien es glückliche oder schmerzvolle Momente, Erfolg oder Misserfolg, Trauma und Depressionen, Entfremdung und Wiederfinden.

Theaterhaus Jena, Schillergäßchen 1, 07745 Jena

Kontakt

Nähere Informationen

Anne Dippel

anne.dippel[ at ]uni-jen.de