Un/sichtbare Ränder? Alltagskultur als ästhetische, politische und soziokulturelle Markierung historischer Grenzziehungen

Das Panel versucht Praktiken des Alltäglichen, der Politik und Ästhetisierung an und von Grenzen zusammenzuführen und Methoden der Sichtbarmachung unsichtbar gewordener Grenzen aufzuzeigen.

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Zusammenfassung

  • Was Call For PapersUn/sichtbare Ränder? Alltagskultur als ästhetische, politische und soziokulturelle Markierung historischer Grenzziehungen
  • Wann bis (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)
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Beschreibung

Grenzen sind in der EU meist nur noch administrativ oder politisch erkennbar, geographisch oder materiell allerdings kaum mehr wahrnehmbar. Zwischen den meisten Nationalstaaten der EU bleiben die politischen Grenzen daher großteils unkontrolliert.

Ebenso sind ehemalige, historische Grenzen weitgehend unscheinbar. Wo einst eine Grenze verlief, ist sie heute nur noch selten an Ort und Stelle erkennbar. Dennoch klingen ehemalige Grenzziehungen in Alltagspraktiken nach, werden politisch-diskursiv neu hergestellt oder ästhetisch aufgeladen und verarbeitet.

Das Panel versucht Praktiken des Alltäglichen, der Politik und Ästhetisierung an und von Grenzen zusammenzuführen und Methoden der Sichtbarmachung unsichtbar gewordener Grenzen aufzuzeigen.

Wie markieren Alltagspraktiken wie Mobilität, Arbeit und Konsum ehemalige Grenzziehungen und Asymmetrien? Pendelverhalten, Arbeitsmobilitäten und grenzübergreifende Wirtschaftsstandorte markieren Grenzen durch unterschiedliche Motivationen der Grenzgänger*innen, wie etwa ein höheres Einkommen auf der einen Seite, günstiger Wohnraum auf der anderen oder bessere steuerliche Konditionen. Unsichtbare historische Grenzen können aber auch trennen und diskursiv und performativ ständig erneuert und wiederhergestellt werden: Durch das bewusste Überqueren der ehemaligen Grenze oder differenzierende Fremd- und Selbstzuschreibungen und damit durch die Transformation politisch-territorialer Grenzen in symbolische.

Auch durch politische und institutionelle/ institutionalisierte Praktiken kann eine unsichtbare nicht mehr existente ehemalige Grenze wiederbelebt werden. Politische Akteure “benutzen” alte, nicht mehr existierende Grenzen, um neue Formen von Gemeinschaft, Identitätsstiftung und dritte Räume entstehen zu lassen. Durch politische Praxis können unsichtbare Ränder erst als solche wahrgenommen werden und als Ressource etwa in den Bereichen Tourismus, kulturgeschichtliche Erinnerung, zivilgesellschaftliches Engagement und regionale Verwaltungskooperation von den Akteuren genutzt werden. Beispiele dafür wären jährliche Erinnerungszeremonien zum Tag der “Transformation” oder “Abbau” der Grenze, permanente Ausstellungen in Museen oder geschaffene Infrastrukturen wie etwa Radwanderwege entlang historischer Grenzen.

Überreste alter Grenzanlagen und Spuren von Übertritten materialisieren darüber hinaus ehemalige Grenzen als solche und zeichnen deren Verläufe nach. Das Panel geht daher auch auf die Frage ein, wie der Blick auf die abgebaute Grenze zur Wiederholung der Grenze selbst wird und inwieweit die Spurensuche eine Form des Reenactments der Grenze sein kann. Ästhetische Praktiken in Bezug auf Grenzen können demnach einerseits die Konstruiertheit politisch-territorialer Grenzen aufzeigen, andererseits die symbolische und kulturelle Bedeutung der Grenzen manifestieren.

Wir freuen uns in diesem Kontext über Beiträge zu Praktiken des Alltäglichen, der Politik und Ästhetisierung an und von Grenzen. Das Panel versteht sich als interdisziplinär ausgerichtet und zielt auf Präsentationen der kulturwissenschaftlichen border studies u.a. aus Soziologie, Anthropologie, Geschichtswissenschaften, Politikwissenschaft. Neben empirischen Untersuchungen können auch konzeptionell-theoretische sowie methodologische Beiträge oder künstlerische Arbeiten zu Alltagspraktiken an historischen Grenzmarkierungen eingereicht und diskutiert werden. Des Weiteren werden erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt an der alten deutsch-deutschen Grenze in Form eines “Werkstattberichts” präsentiert.

Das Panel ist Teil der Konferenz „B/Ordering Cultures: Alltag, Politik, Ästhetik” (6. Jahrestagung der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft e.V.), die vom 08.-10.10.2020 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) stattfindet. Vortragssprachen können Englisch oder Deutsch sein. Wir freuen uns auf Einreichungen von Abstracts (max. 400 Wörter) zu einem oder mehreren der drei Felder (Ästhetik, Alltag, Politik) bis zum 02.12.2019 an pulrich@europa-uni.de und florian.grundmueller@gmx.net. Auch Einreichungen aus studentischen Projekten, künstlerischer Forschung, Film und Sound sowie experimenteller Forschung sind sehr erwünscht.

Kontakt

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Peter Ulrich

pulrich[ at ]europa-uni.de

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Peter Ulrich

pulrich[ at ]europa-uni.de