Schichtungen des Urbanen – Ruhrgebiet und Rust Belt

Schichtungen des Urbanen – Ruhrgebiet und Rust Belt Tagung im Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt (Dortmund) und am German Department der University of Cincinnati Organisation: Iuditha Balint (Dortmund), Jana Golombek (Dortmund), Tanja Nusser (Cincinnati)

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Zusammenfassung

  • Was Call For PapersSchichtungen des Urbanen – Ruhrgebiet und Rust Belt
  • Wann bis (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo LWL-Industriemuseum in Dortmund und dem German Department der University of Cincinnati
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Beschreibung

In seinen »Vorlesungen über die Ästhetik« (1770–1831) setzt sich Georg Wilhelm Friedrich Hegel unter anderem mit dem Vermögen verschiedener Künste auseinander, Raum und Räumliches in der Zeit darzustellen und zu reflektieren – und nimmt dabei im Ergebnis eine Hierarchisierung vor: Auf der untersten Stufe dieser Hierarchie befinde sich die Architektur als die ›ungeistigste‹ Kunstform; auf sie folge die plastische oder Bildhauerkunst (bei Hegel: Skulptur); die dritte Stufe besetze die Malerei; auf der vorletzten Position befinde sich die Musik; die absolute Spitzenposition kommt in Hegels Hierarchisierung der Dichtung (bei Hegel: Poesie) zu, zumal sie es aufgrund ihrer Dreiteilung in Epik, Lyrik und Dramatik vermöge, Darstellungen des Objektiven in die subjektive Welt der Vorstellung zu überführen, und das unter möglichst gering gehaltenem materiellem Einsatz. Auf »andere unvollkommene Künste«, wie er sie nennt, so etwa »Gartenbaukunst, Tanz usf.«, geht Hegel in seinen Überlegungen nicht mehr ein. Ausgehend von dieser bis weit in das 20. Jahrhundert wirkungsmächtigen, aber natürlich auch kritikwürdigen Hierarchisierung Hegels, die – bezogen auf ein und denselben Untersuchungs- oder Betrachtungsgegenstand – zugleich als ästhetische Schichtung betrachtet werden kann, fragt die Konferenz anhand zweier Industrieregionen, dem Ruhrgebiet und dem Rustbelt, danach, wie in unterschiedlichen Kunstformen und Medienformaten Phänomene des Städtischen, des Urbanen, der Stadt inszeniert und verhandelt werden, Phänomene also, die stets in Bewegung begriffen sind.
Raum und Räumliches fungieren dabei nicht nur als Kategorien, die zur Unterscheidung des Darstellungsvermögens verschiedener Kunstgattungen herangezogen werden (wie bei Hegel, aber auch bei Lessing, Goethe, Schlegel, Novalis, Schelling und selbst noch bei Adorno). Vielmehr lässt sich anhand dieser beiden Industrieregionen stellvertretend, aber auch zugespitzt herausarbeiten, wie bspw. Landschaft, Architektur, soziale Gefüge, Materialität, Immaterialität unaufhörlichen Dynamiken und Transformationsprozessen unterworfen sind, dies auch mit Blick auf (ihre) Ästhetiken. Die Konferenz rückt diese Dynamiken von Stadt- und Regionsgebilden in das Zentrum, um diese als Elemente bzw. (Teil-)Aspekte von Schichtungen zu untersuchen, gerade auch in ihrer nicht-materiellen Natur (etwa in Form von individuellen oder kollektiven Erinnerungen, Erkenntnissen, Gefühlen, Stimmungen, Eindrücken, aber auch im Fall von virtuellen Realitäten). Schichtung wird damit zu einem Konzept, das in zweierlei Richtungen verweist: Zum einen lässt es sich auf die zeitlichen, räumlichen, historischen, soziokulturelle Strukturen, Entwicklungen und Gegebenheiten von Stadt-Raum-Gefügen beziehen, zum anderen – folgt man dem Hegel’schen Modell – auf die Darstellung derselben in den verschiedenen Künsten, Medien, Medienformaten.
Mögliche Themen können dabei sein:
- Wie werden die beiden Regionen konstruiert, ästhetisch produziert und welche Funktion kommt dabei Schichtungsprozessen zu?
- Wie verhält es sich mit der Abwertung des materiell Räumlichen mancher ästhetischer Theorien seit dem material turn? Wie verhalten sich material und spatial turn zueinander? Wie verhalten sich verschiedene künstlerische Darstellungsformen als symbolische Ordnungen zueinander (intertextuell, intermedial, in der Zeit)?
- Mikrogeschichten des Urbanen als z. B. historische, klassen- sozial-, kunst-, geschichtliche, räumliche, textuelle, sprachliche Formen von Schichtungen.
- Schichtungen und Traditionen
- Schichtung als strukturelles Untersuchungsprinzip in den urban studies.
- Wie werden diese Schichtungen ästhetisch konstruiert, in Sprache gefasst, sprachlich umformt? Wie werden sie ggf. in unterschiedlichen historischen Phasen des Wandels von Arbeit und Arbeitswelten, Technik und Technologie, Kommunikationswegen und -modi, in unterschiedlichen sozialen und kulturellen Umgebungen (zeitgenössisch und auch retrospektiv) erzählt, inszeniert, konzeptualisiert, produziert – zumal die Vorstellungen und Konzepte von Zeit, Raum, Sprache, Klasse, Geschichte ihrerseits historischen Veränderungen unterworfen, eng mit dem sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen Wandel verflochten und kulturell geprägt sind?
- Welches Nebeneinander und Ineinander von Schichtungen lassen sich beobachten, welche Realisierungs- und Erscheinungsformen des Urbanen bringen sie hervor, unterdrücken oder verhindern sie?
- Mit welchen textuellen, künstlerischen, sozialen Praktiken wird diesen Schichtungen begegnet und wie hängen diese mit bestimmten Ästhetiken zusammen?
- Stilistiken und Rhetoriken der Schichtung
- Welche Spannungs- und Machtverhältnisse lassen sich an den jeweiligen Schichtungen ablesen? (bspw. Gentrifizierung, Vielfalt/Diversität, Umsiedlung, Verarmung, Erosion)

Die Tagung findet vom 7.–9. November 2019 in Dortmund und vom 20.–22. Februar 2020 in Cincinnati statt, die Teilnahme an beiden Teilen der Tagung wird vorausgesetzt. Konferenzsprachen sind deutsch und englisch; wir bemühen uns um eine möglichst interdisziplinäre Ausrichtung. Die Übernahme der Reise- und Unterbringungskosten wird angestrebt, kann jedoch nicht garantiert werden. Die Publikation ausgewählter Beiträge ist vorgesehen.
Bei Interesse bitten wir Kolleginnen und Kollegen aus allen Disziplinen um die Zusendung eines Abstracts von max. einer Seite bis spätestens zum 21. Februar 2019 an Iuditha Balint (ibalint@stadtdo.de), Jana Golombek (jana.golombek@lwl.org), Tanja Nusser (tanja.nusser@uc.edu).

Eine Kooperation des Fritz-Hüser-Instituts mit dem LWL-Industriemuseum in Dortmund und dem German Department der University of Cincinnati.

Kontakt

Nähere Informationen

Iuditha Balint, Jana Golombek und Tanja Nusser

ibalint[ at ]stadtdo.de und jana.golombek[ at ]lwl.org und tanja.nusser[ at ]uc.edu