Neugier, Nostalgie, Notwendigkeit? Kulturanthropologisch-volkskundliche Perspektiven auf das östliche Europa als Destination

Tagung des Instituts für Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Kooperation mit der Fachkommission für Volkskunde des Johann Gottfried Herder-Forschungsrats und dem Mährischen Landesmuseum Brno/Brünn

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Zusammenfassung

  • Was Call For PapersNeugier, Nostalgie, Notwendigkeit? Kulturanthropologisch-volkskundliche Perspektiven auf das östliche Europa als Destination
  • Wann bis (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Mährisches Landesmuseum Brno
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Beschreibung

Als vor 30 Jahren die politische Ordnung Europas grundlegenden Veränderungen unterzogen wurde, ist einiges in Bewegung geraten: Grenzen, Struktur- und Ordnungsvorstellungen, vor allem aber Menschen. Sowohl in der Forschung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung derjenigen, die diese Umbrüche aus meist westlicher Perspektive beobachte(te)n, dominiert der (häufig mit Ängsten oder Problemen verbundene) Blick auf die vielschichtigen westwärts gerichteten Bewegungen. Mit der Neuordnung sind jedoch auch in die andere Richtung Räume erreichbar geworden, etwa für die zurückkehrende Diaspora oder den Tourismussektor – das östliche Europa wurde Gegenwart und Vergangenheit verschränkende Destination.
Die Fachkommission Volkskunde des Herder-Forschungsrates hat in den vergangenen Jahren unterschiedlichste Themenfelder des Faches auf ihren Bezug zum östlichen Europa hin in den Mittelpunkt ihrer jährlichen Tagungen gerückt. So standen etwa Fragen der Alltagskultur, der Nachbarschaftsbeziehungen, der politischen Kultur und nicht zuletzt auch Auseinandersetzungen mit der Fachgeschichte im Fokus. Durch die auf der 2018 in Oldenburg ausgerichteten Tagung der Fachkommission über Museen in Phasen des politischen Umbruchs geführten Diskussionen über die Konjunktur von Ausstellungen und Gedenkstätten kam unter anderem die Frage nach den touristischen Logiken und Infrastrukturen solcher erinnerungskultureller Angebote im östlichen Europa auf. Im Anschluss an diese Überlegungen sowie angeregt auch durch die neueren Entwicklungen im Fach (z.B. die Umbenennung der Kommission für Tourismusforschung in der dgv in „Mobilitäten_Regime“) nimmt die Tagung im Jahr 2019 das östliche Europa als Destination in den Blick. Im Fokus sollen historische und gegenwartsorientierte Analysen von Phänomenen stehen, die an den Schnittstellen der Mobilitäts- und Tourismusforschung angesiedelt sind und die dabei die vielfältigen, sich oftmals überschneidenden Bewegungspraktiken der jeweiligen Akteure verfolgen.

Inwiefern lassen sich etwa touristische Praktiken im und ins östliche Europa aufgrund der spezifischen historischen Konstellationen mit dem Konzept der Kontaktzone analytisch fassen? Welche (Infra-)Strukturen (Sprachen, Unternehmen, Verkehrsmittel, Medien) waren und sind mit dem Phänomen verbunden und wie verändern diese die jeweils bestehenden Strukturen? Welche Rolle spielt das östliche Europa in Bezug auf den zunehmenden Geschichtstourismus als Destination? Neben diesen aktuellen Fragen und trotz der Fokussierung auf die Zäsur von 1989 sollen bewusst jedoch Themen des gesamten 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart zum Gegenstand der Tagung gemacht werden, um Entwicklungen über Zäsuren hinweg historischer Perspektivierung zu unterziehen.

Das Spektrum der zu behandelnden Themen umfasst somit vom Tourismus innerhalb der sozialistischen Staaten über (bildungs-)politisch motivierte Reisen (z.B. zu den „Auslandsdeutschen“ und in die „Sprachinseln“) bis hin zu Heritage- und Dark Tourism, Roots Tourism wie z.B. Heimatreisen oder so genannten return visits im Rahmen aktueller Migrationskonstellationen eine breite Palette an Zugängen. Anregen wollen wir aber auch zu einer Beschäftigung mit der Bedeutung bestimmter Orte als Reiseziele, so etwa von Kurbädern, Festivals oder religiös konnotierten Plätzen, ferner mit den Dimensionen einer medieninduzierten Produktion von Tourismusräumen (Filmsettings, Regionalkrimis) oder mit den erinnerungskulturell teils gegenläufigen oder sich überschneidenden Bedeutungen bestimmter Orte bzw. deren Produktion, z.B. in Form von Reenactments, Shtetl Tours oder Wallfahrten. Betrachtet werden sollen schließlich auch Formen der Mobilität, die durch ökonomische oder rechtliche Verschiebungen ausgelöst werden, wie etwa zum Zweck von medizinischen, kosmetischen, pflegerischen oder sexuellen Dienstleistungen.

Wir freuen uns über Beiträge aus unterschiedlichen Nachbardisziplinen unter besonderer Berücksichtigung ethnologischer, kulturanthropologischer, historischer und tourismuswissenschaftlicher Ansätze. Das östliche Europa soll im Mittelpunkt der Tagung stehen; im Sinne einer vergleichenden Perspektive sind jedoch auch Beiträge aus anderen Regionen erwünscht. Die Tagungssprache ist Deutsch, Referate auf Tschechisch/Slowakisch sind nach Absprache jedoch gerne möglich. Die Referate sollten 20 Minuten Dauer nicht überschreiten. Die Reise- und Übernachtungskosten werden für Referentinnen und Referenten voraussichtlich übernommen. Gefördert wird die Tagung vom Johann Gottfried Herder-Forschungsrat. Es besteht die Möglichkeit, die Ergebnisse der Tagung (ausgewählte Beiträge) in einer im Sommer 2020 erscheinenden Ausgabe der dem Peer-Review Verfahren unterzogenen Zeitschrift Český lid (als Einzelbeiträge) oder in einer monothematischen Ausgabe der gleichrangigen Zeitschrift Národopisná revue zu publizieren. Beitragsvorschläge senden Sie bitte bis zum 1.5.2019 mit einem kurzen Abstract (max. 2000 Zeichen), CV und Angaben zu derzeitigen Arbeitsschwerpunkten an:
Mgr. Jana Nosková, Ph.D., Etnologický ústav AV ČR, v. v. i., Brno (Institut für Ethnologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Brünn), jana.noskova@iach.cz und Jun.-Prof. Dr. Sarah Scholl-Schneider, JGU Mainz, Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft, scholl-schneider@uni-mainz.de

Kontakt

Nähere Informationen

Jana Nosková und Sarah Scholl-Schneider

jana.noskova[ at ]iach.cz und scholl-schneider[ at ]uni-mainz.de