Mobilized Futures ̶ the role of the imagination and aspiration in transformations of the present

Unter dem Motto «Mobilized Futures» stehen thematische Bereiche im Zentrum der nächsten Ausgabe, welche die gesellschaftliche Produktion des Imaginären/der Imaginarien betreffen, Imaginarien als Motoren von Kulturdynamik und Gesellschaftswandel sowie Akteur_innen und Aktand_innen der Mobilitätsregime.

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Zusammenfassung

  • Was Call For PapersMobilized Futures ̶ the role of the imagination and aspiration in transformations of the present
  • Wann (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Graz, Southampton
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Beschreibung

Mobilized Futures  ̶  the role of the imagination and aspiration in transformations of the present

Mit dem vorliegenden call for papers bitten wir um Beiträge für die nächste Ausgabe 2019 des vielsprachigen Open Access-Journals „Mobile Culture studies“ (Graz, Southampton).

›mcsj› heisst den Einbezug verschiedenster Quellen willkommen, sowohl Texte (Briefe, Tagebücher, Romane) als auch Bilder (Zeichnungen, Gemälde, Fotografien) oder Tondokumente (Soundscapes, Gesang, Musik). Gemäß den Regeln von ›mcsj› können Beiträge in vielen Sprachen eingereicht werden (siehe http://www.mobileculturestudies.com/%3EMCSJ%3E/submitting.pdf); nicht auf Englisch verfasste Beiträge sollten ein zweiseitiges englisches Abstract führen. Die Beiträge durchlaufen üblicherweise peer review. Texte können bis zu 8'000 Wörter (Deutsch) umfassen.

Einreichungen mit einem Titel, einem maximal 1000-Wort-Abstract und einem Kurz-CV sind an die Gast-Herausgeberinnen erbeten:


johanna.rolshoven@uni-graz.at, Prof. Johanna Rolshoven, Universität Graz, und

regina.roemhild@hu-berlin.de, Prof. Regina Römhild, Humboldt Universität zu Berlin.

Einsendeschluss ist der 20. Februar 2019.

Globalisierung, Individualisierung, Kommodifizierung und postkoloniale Ansprüche auf Anerkennung und Teilhabe sind zentrale Entwicklungsmomente auf dem Weg in eine späte Moderne. Längst ist dabei nicht mehr nur der wirtschaftlich erfolgreiche Westen Produzent mediatisierter Erzählungen, die den/die Einzelne/n ermächtigen, «sich von immer weniger bindend wirkenden sozialen Milieus, kollektiven Identitäten und Normalbiographien» abzusetzen und «eigene» Lebensentwürfe zu basteln.[1] Global sind diverse Möglichkeiten eines «eigenen Lebens» (Ulrich Beck) mit Anschlussmöglichkeiten an neue Kollektive im Umlauf, in denen die Verbindlichkeiten stationärer, traditionell moderner gesellschaftlicher Institutionen an Kraft verloren haben. Die Sehnsucht nach dem guten Leben in Wohlstand, Sicherheit und Verlässlichkeit ebenso wie nach dessen Gegenteil: der Veränderung, dem Unbekannten und Neuen, welche die Lebenssinnsuche bedienen, spielen hier eine zentrale Rolle. Waren die Sehnsuchtsszenarien ‚des Westens’ im touristischen Mobilitätsfeld auf der/die/das Andere jenseits der Industriemoderne gerichtet und hatten Migrationen traditionell den prosperierenden ‚Norden’/’Westen’ im Visier, so haben sich diese Parameter einer klassisch kolonialen Weltaufteilung längst zugunsten multizentrischer, turbulenter Mobilitätsszenarien und neuer Grenzziehungen verschoben, in denen ‚Europa’ und ‚der Westen’ an Zentralität eingebüßt haben.

Arjun Appadurai schreibt der Imagination eine mobilisierende und gesellschaftsveränderte Kraft zu. Er definiert sie als soziale Praxis, die zu einer Schlüsselkomponente einer neuen Weltordnung wurde: “The image, the imagined, the imaginary – these are all terms that direct us to something critical and new in global cultural processes: the imagination […] has become an organized field of social practices, a form of work (in the sense of both labor and culturally organized practice), and a form of negotiation between sites of agency (individuals) and globally defined fields of possibility. This unleasing of the imagination links the play of pastiche (in some settings) to the terror and coercion of states and their competitors. The imagination is now central to all forms of agency, is itself a social fact, and is the key component of the new global order.”[2]

Digitale Medien, Filme, Nachrichten, auch kommerziell motivierte Werbung, Zeitungen, Bücher etc. vermitteln Bilder möglicher Lebensentwürfe und weisen Wege zu ihrer Realisierung.[3] Dieser Prozess betrifft in besonderer Weise Migration und Tourismus als zunächst unvereinbar scheinenden Dimensionen des Weltgeschehens und nährt die Imaginationen der Akteur_innen an den Ausgangs- und Zielorten. Den an dieses Mobilitätsgeschehen geknüpften sozialen Räumen liegen reale Geografien zugrunde, sie decken sich mit topographischen Räumen, deren Konturen durch die in ihnen stattfindende Bewegung und Vernetzung geformt werden und die daher oft jenseits oder quer zu scheinbar fixen geopolitischen Einheiten und ihren Grenzen verlaufen. Darüber hinaus sind diese „prozessualen Geographien“ (Appadurai) aber auch verschränkt mit virtuellen Räumen, die sich aus den Perspektiven und Wunschwelten ihrer gedacht oder real mobilen Akteur_innen konstituieren. Solche Mobilitätsräume manifestieren sich in sozialen Nah- und Erfahrungsräumen, wenn Narrative und Trends, Erzählungen über andere Länder, Städte und Lebensweisen „von Mund zu Ohr“ gelangen, ebenso wie in gesellschaftlichen Entwicklungen und Mobilitätserscheinungen: in Tourismus und Migration, visuellen Medien, Konsumwelten und politischen Interessenssphären. Solche Narrative und Entwicklungen bringen (vermarktbare) Sehnsüchte hervor, die zu den Grundbefindlichkeiten der Bewohner_innen der multiplen Zentren und Peripherien der globalisierten Welt gehören. Überall bestimmen sie die Mobilitätsentscheide der unterschiedlichsten Mobilitätsformen mit. Ihre Anerkennung als legitime Motivationen hingegen betrifft die mobilisierten Akteur_innen der Weltgesellschaft in sehr ungleicher Weise: Grenzen und Beschränkungen treten ihnen in unterschiedlicher, durch lange zurückreichende, koloniale Machtverhältnisse geprägte und heute aktualisierte Bedingungen entgegen.

Die Tagungsthematik widmet sich den konkreten Vorstellungen und Imaginationen, ihren Handlungskontexten, Akteur_innen und Aktanden sowie ihren gesellschaftsverändernden Konsequenzen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie multiperspektivische Imagination zur Herstellung von Zukunft in der Gegenwart, somit zur permanenten Umgestaltung und Veränderung des Präsenten, beiträgt. Mündliche Beiträge aus internationalen Fachzusammenhängen sind willkommen, welche empirische und theoretische Auseinandersetzungen über Genese, Formen und Funktionen von Imaginarien für die Mobilität und die Mobilisierung von Individuuen und Gesellschaft diskutieren. Folgende thematische Rahmungen sollen dabei im Zentrum stehen:

Gesellschaftliche Produktion des Imaginären/der Imaginarien

  • Ökonomische und gouvernementale Interessenfelder
  • (De)Zentrierende Vorstellungen von Europa („The west and the rest!?“ (Stuart Hall))
  • Die widersprüchlichen Szenarien des Entkommens
  • Überschneidungen touristischer und migrantischer Perspektiven

    Imaginarien als Motoren von Kulturdynamik und Gesellschaftswandel
  • Mobilität als soziale und genderrelative Emanzipation: historische und gegenwärtige Perspektiven
  • Soziale Bewegung und Aufbruch
  • religiöse Bewegungen und Agencies
  • Migrationseffekte im ländlichen Raum
  • Neue urbane Konstellationen
  • Politische, institutionelle und kulturelle Effekte: Hegemonie, Populismus, Identität
     
    Akteur_innen und Aktand_innen der Mobilitätsregime
  • Gouvernementale Strukturen und Dispositive
  • ‚Schlepper’ und Reiseführer_innen: zwischen Kriminalisierung und Selbstorganisation
  • Moving Visualities/Visual Cultures [Medien, Agentien, Transporteure: Filme, Literatur, ...]
  • Digitalisierung als Befähigungs-Struktur

    Den Open Access Journal “Mobile Culture Studies. The Journal” ›mcsj› gibt es seit 2015. Er fußt in den Geistes- und Sozialwissenschaften und ging aus einer 2010 initiierten, gleichnamigen internationalen und transdisziplinären Plattform hervor. gegangen. ›mcsj› übergreift das transdiziplinäre Feld der Mobilities Studies und publiziert forschungsbasierte Beiträge zu kulturellen und sozialen Mobilitätsphänomenen und ihren Gegennarrativen, on historical evidence of people’s mobile practices, Repräsentationen von Bewegung und Beweglichkeit in der mündlichen, schriftlichen oder visuellen Kultur, and on changing concepts of mobility.

[1] Peter Niedermüller: Stadt, Kulturen und Macht. Zu einigen Aspekten "spätmoderner" Stadtethnologie. In: ÖZfVk LII/101, 1998, 279-301; 283

[2] Arjun Appadurai: Modernity at Large. Cultural Dimensions of Globalization. Minneapolis, London 1996, 31.

[3] Vgl. u.a. http://www.internationalcommunicationsummit.com/en/ics-newszine/ics-interview/europe-and-migrations-arjun-appadurai-and-power-imagination

 

Kontakt

Nähere Informationen

Prof. Johanna Rolshoven und Prof. Regina Römhild

johanna.rolshoven[ at ]uni-graz.at und regina.roemhild[ at ]hu-berlin.de