Tiere und Hexen. Animal Turn in der Hexenforschung?

In der frühneuzeitlichen Kunst werden Hexen häufig mit Tieren dargestellt, deren Bedeutung ambivalent bleibt. Bekannt ist die Verwandlung, bei der sich Hexen mit Hilfe des Teufels in Wölfe, Hunde, Katzen, Kröten, Vögel oder Wale verwandeln sollen (bzw. dies aufgrund teuflischer Vorspiegelung glauben zu tun).

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Zusammenfassung

Beschreibung

Meist wird jedoch übersehen, dass das Themenfeld Tiere und Hexen sehr viel umfangreicher ist: reale Tiere als Begleiter von Hexen; in Tiere verwandelte Geister oder Dämonen (z.B. in Dra-chen); Familiars und animalische Hausdämonen, Tiergeister, Nagualismus (das Zweite Ich in Form eines Tiergeistes in den indigenen Kulturen Amerikas), Tiere und Tierverkleidungen im Schamanismus, Schadenzauber in Form von Ungezieferplagen usw. Nicht zuletzt werden Tiere zu Opfern von Schadenzauber oder in Kriminalverfahren wegen Sodomie (Bestialität) gemein-sam mit den menschlichen „Tätern“ hingerichtet.

Die ihnen zugeschriebenen rätselhaften Fähigkeiten gewährten Tieren überdies eine große Rolle im volksmagischen Brauchtum oder in naturmagischen Ritualen. Die Beispiele für Götter und Zauberer in Tiergestalt reichen zurück bis zu den Anfängen der Religionen und der Literatur. So kennt die christliche Theologie den Tanz um das Goldene Kalb, den Beelzebub als den Herrn der Fliegen, Tiere als Aufenthaltsort der Dämonen nach einem Exorzismus (Matthäus 8, 32), das Lamm Gottes und die Darstellung des Heiligen Geistes als Taube.

Zur Thematik gehören theologische und kunsthistorische Aspekte, etwa Tiere als Symbole, Metamorphosen in Literatur, bildender Kunst und in den virtuellen Welten des World Wide Web. Auch Fragen nach gender-spezifischen Zuordnungen bzw. nach generellen Gender-Aspekten im Themenfeld Tiere und Hexen sind anzusprechen. Müssen wir in Anbetracht dieser vielfältigen Beziehungen zwischen Tieren, Magie, Zauberei, Hexerei und generell dem Transzendenten zu einem Animal Turn in der Hexenforschung kommen?

Die interdisziplinäre und internationale Tagung möchte sich unter Beteiligung führender Forscherinnen und Forscher mit der Frage nach den Dimensionen magischer und teuflischer Tiere sowie ihrer Wahrnehmung beschäftigen. Der Kreis der Tagungsteilnehmenden besteht aus den Referentinnen und Referenten sowie einem interessierten Publikum. Aktive Diskussionen im Anschluss an die Vorträge sind ausdrücklich erwünscht. Tagungssprache ist Englisch und Deutsch.

Programm

Mittwoch, 25. September 2019
Begrüßung
Petra Steymans-Kurz, Stuttgart

Einführung
Wolfgang Behringer, Saarbrücken

Sektion 1: Anthropologische Grundlegungen
14:30 Uhr
Alter Ego-Vorstellungen, Tierverwandlungen und Hexerei in
Lateinamerika
Iris Gareis, Frankfurt a.M.

16:00 Uhr
Second Body, Helping Spirit, or Something Else?
Hungarian Witch Animals 1520–2012
Eva Pocs, Budapest (H)

17:00 Uhr
Katzenmumien als Abwehrzauber – archäologische Befunde und schriftliche Quellen
Petra Schad, Markgröningen

19:30 Uhr
Hexen und Drachen
Johannes Dillinger, Oxford (GB) / Mainz

Donnerstag, 26. September 2019
Sektion 2: Mediavistische Mären
9:00 Uhr
Schön, klug, magisch
‘Exotische’ Tiere im Kontext von Magie, Zauber und
heilkundlichem Wissen
Stephanie Mühlenfeld, Frankfurt a.M.

10:00 Uhr
Von der Schlangenfee zur dämonischen Geliebten
Tierverwandlungsdiskurse in der mittelalterlichen Erzählliteratur
Christa Agnes Tuczay, Wien (A)

11:30 Uhr
Mensch-Tier-Verwandlungen in der deutschen Literatur des Mittelalters
Frank Fürbeth, Frankfurt a.M.

Sektion 3: Dämonologie und Religion
14:00 Uhr
Pigs, Serpents, and Demons:
Uses of Possessed Biblical Animals in Early Modern Europe
Ismael del Olmo, Buenes Aires (ARG)

15:00 Uhr
Between the Religious and the Devilish
Animals and Their Significance in Witchcraft and Beyond
Fabrizio Conti, Rom (I)

16:30 Uhr
Wieviel Tier ist im Vampir?
Ein kritischer Blick auf die Bedeutung von Tieren im
volkstümlichen Vampirglauben
Peter Mario Kreuter, Regensburg

17:30 Uhr
Rattenfänger, schwarzer Hund und schwache Frau
Tier, Mensch und Teufel... in Johann Weyers „De Praestigiis
daemonum“
Erika Münster-Schröer, Ratingen

20:00 Uhr
AKIH Internes
Berichte – Diskussionen – Planungen

Freitag, 27. September 2019
Sektion 4: Tierverwandlungen
9:00 Uhr
The Pre-Christian Origins and the Legacy of werewolves in Northern Europe
Aleks Pluskowsky, Reading (GB)

10:00 Uhr
Can Geography replace History?
Medieval Werewolves mapped out
Willem de Blécourt, London (GB)

11:30 Uhr
The Sorcery Trial against Pes de Guoythie and Condesse de Beheythie (Lower Navarre, year 1370)
Metamorphosis into Animals, Child-killing and „Boquelane“
Ander Berrojalbiz, Durango (E)

14:00 Uhr
„I sall goe intill ane haire“
Shapeshifters and Magical Hares in Scottish Witchcraft and Folk Belief
Lizanne Henderson, Glasgow (GB)

Sektion 5: Hexerei und Tiere im Strafprozess
15:30 Uhr
The Use and Abuse of Animals in Witchcraft
Flesh and Sexual Bodies
Maryse Simon, Straßburg (F)

16:30 Uhr
Plenæ veneficiorum
Toads and Witchcraft in Premodern Europe
Rochelle Rojas, Kalamazoo (USA)

17:30 Uhr
Dressed Toads & dead Bats
Gendered Magic in Early Modern Spain
Maria Tausiet, Madrid (E)

20:00 Uhr
Mörder, Verführ(t)er, Gefäß des Teufels
Das Tier in europäischen Strafverfahren
Rita Voltmer, Trier

Samstag, 28. September 2019
9:00 Uhr
The English Animal Familiar
Towards an Ideological Framework
James Sharpe, York (GB)

10:30 Uhr
Milk Hares and Troll Cats
Stealing Milk with the Help of Supernatural Creatures
Tommy Kuusela, Uppsala (SE)

11:30 Uhr
A Cat Called Puus – The Devil in the Guise of a Household Pet
The late Witch Trials in Denmark and the Role of Diabolic
Maria Østerby Elleby, Odense (DK)

12:30 Uhr
Abschlussdiskussion

Kontakt

Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
– Geschäftsstelle –
Assistenz: Kerstin Hopfensitz M.A.
Im Schellenkönig 61, 70184 Stuttgart
Tel: +49 711 1640 752

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