Call for Articles Berliner Blätter – Ethnographische und ethnologische Beiträge: „Digitale Arbeitskulturen: Rahmungen, Effekte, Herausforderungen“

Wie verändert Digitalisierung die Art und Weise, wie, wo, wann und mit wem Menschen arbeiten?

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Zusammenfassung

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Beschreibung

Begriffe wie Home oder Shared Offices, Digital Nomads, Crowd‐ oder Clickworker*innen, Platform Economies, Social Media Businesses oder Industrie 4.0 tauchen regelmäßig in medial verhandelten Diskursen auf. Zwischen Buzzword, Agenda‐Begriff und sachlicher Deskription kennzeichnen sie Transformationen, die sich gegenwärtig im Forschungsfeld Arbeit vollziehen und die – als sich erst konstituierende Phänomene und Praktiken des Arbeitens – bislang kaum systematisch erforscht wurden. Hier setzt der geplante Band an: Mit dem CfP wollen wir zu ethnografischen, methodischen, theoretischen und kritisch‐reflexiven Beiträgen anregen, die die Formen digitaler Arbeitskulturen, Veränderungen von Arbeits‐ und Lebenswelten durch Digitalisierung und entsprechende Widerständigkeiten in den Blick nehmen. Dabei soll das Digitale als nichtzwangsläufige Selbstverständlichkeit beleuchtet und in seiner Prozessualität hinterfragt werden.

In diesem Spannungsfeld von Arbeit und Digitalem sind die dgv‐Kommissionen Digitalisierung im Alltag und Arbeitskulturen maßgebliche Referenzen. Ziel der Publikation ist es daher, beide Forschungsstränge bei gleichzeitiger Einbettung in die ethnologischen Fächer, stärker zusammenzubringen. Digitalisierung verändert Arbeitsweisen und Arbeitskontexte, zugleich sind spezifische Arbeitskulturen an der Konstruktion des Digitalen oder dessen Vermeidung beteiligt. Die Herausgeber*innen erkennen daher eine zentrale Notwendigkeit darin, den Begriffskomplex „Arbeit“ neu zu reflektieren und ihn im Kontext einer sich durch globale und digitale Interaktion verändernden Gegenwart zu konkretisieren.

Entsprechend fragt der Band, wo sich das Phänomen der Digitalisierung in Kontexten von Arbeitskulturen zeigt, was es verursacht, welchen Bedingungen es unterliegt und wie wir es suchen, untersuchen und deuten können. Dazu stellen wir folgende Punkte zur Diskussion:

(1) Fragen nach sich verändernden Praktiken Digitalisierung wird als konkretes Phänomen sich seit längerem durch globale Vernetzung transformierender Arbeitskulturen begriffen. So stellt sich die Frage, wo und wie sich lebensweltliche Effekte der Digitalisierung von Arbeit zeigen: Welche Praktiken spielen mit Phänomenen der Digitalisierung zusammen? Welche Wandlungs‐ und Insubordinationsprozesse (affektiv, emotional, organisatorisch, diskursiv, materiell etc.) lassen sich in Arbeitskulturen auffinden und wie beobachten? Inwiefern verschieben sich Referenzsysteme, in denen sich Arbeit zeitlich und räumlich entgrenzt und Trennlinien zwischen Arbeit und Nicht‐Arbeit unscharf werden? Wo formieren sich Widerstände gegen digitale Arbeitskulturen, wie werden Grenzen gezogen? Welche theoretischen Konzeptualisierungen sind einer dezidiert kritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff Arbeit dienlich?

(2) Fragen nach sich erweiternden Kontexten Um über ein informatisches, eng an die Computerisierung geknüpftes Verständnis von Digitalisierung hinaus zu kommen, ist nach neuen technischen und sozialen Infrastrukturen zu fragen, die etabliert, erlernt und aufrecht erhalten werden müssen: Auf welche Wissensbestände wird hierbei zurückgegriffen und wie begründet sich das (Nicht‐)Gelingen und die (Nicht‐mehr‐)Nutzung des Digitalen? Call for Articles: Berliner Blätter – „Digitale Arbeitskulturen: Rahmungen, Effekte, Herausforderungen“ Welche weiterführenden Aspekte, Konzepte und Felder werden relevant, wenn Arbeitskulturen im Kontext der Digitalisierung ethnografisch untersucht werden? Hierzu zählen etwa die Berechenbarkeit und Herstellung von Regelhaftigkeit, Standardisierungsarbeit, klassifizierende Praktiken, Orte der Herstellung und Bereinigung von Daten, die Instandhaltung von Medien‐Infrastrukturen, die Arbeit mit Algorithmen, Plattformen etc. Parallel dazu stellen sich methodische Fragen wie etwa: Wie lassen sich neue Felder zugänglich machen, wenn es beispielsweise um Click‐ oder Crowdworker*innen, platt‐ formbasierte Arbeit im öffentlichen Raum wie Lieferdienst‐Fahrradfahrer*innen oder um Heimarbeit geht?

(3) Fragen auf methodisch‐theoretischer Ebene Der Band zielt darauf ab, Arbeit als einen zentralen Kern kultureller Alltagsgestaltung zu fassen. Dabei stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen die kulturanthropologische Deutung der sich durch Digitalisierung transformierenden Arbeitsformen als paradigmatischer Zugang zur Erforschung des Alltags dienen kann: Welche Phänomene können exemplarisch für eine sich durch globale und digitale Impulse transformierende Arbeitswelt untersucht werden? Wie lassen sich Analogien sowie evident werdende Wechselseitigkeiten und Interferenzen adäquat beschreiben? Welche methodischen Weiterentwicklungen sind notwendig, um mit Digitalisierung korrespondierenden Entgrenzungen – in der Erwerbsarbeit wie im „übrigen Leben“ – ethnografisch auf die Spur zu kommen? Wie werden Gegennarrative sichtbar gemacht und gehalten?

Ziel der Herausgabe ist die stärkere Verzahnung von Arbeitskulturen‐und Digitalisierungsforschung durch den vermittelnden Begriff der digitalen Arbeitskulturen. Damit wird eine Auseinandersetzung mit dem Begriff „Arbeit“, der im Kontext digitaler Transformationen und deren hier aufgezeigten Rahmungen, Effekte und (empirischen) Herausforderungen eine Schärfung verlangt, unumgänglich.

Organisation

Die Ausschreibung richtet sich an Kolleg*innen aus den Fächern Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie/ Empirische Kulturwissenschaft/Volkskunde sowie angrenzender Disziplinen und Praxisfelder. Erwünscht sind ethnografische, explizit aber auch methodische und/oder theoretische Beiträge.

Vorschläge für einen Beitrag zu diesem Band sollen den Umfang von 4.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten. Erwünscht ist, dass die Abstracts neben einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung Angaben über die Fragestellung und gegebenenfalls auch über die empirische Basis enthalten. Zudem können die Abstracts Auskunft über den Kontext geben, in dem der Beitrag entsteht, dies gerne mit Angaben zu bereits vorliegenden Veröffentlichungen, dem Stand der eigenen Forschung bzw. ersten Ergebnissen.

Einsendeschluss für die Abstracts ist der 31. März 2019, Rückmeldungen erfolgen zeitnah. Die endgültigen Aufsätze werden bis zum 31. Oktober 2019 erbeten. Geplant ist die Veröffentlichung bis zum Frühjahr 2020.

Bitte senden Sie Ihren Beitragsvorschlag an:

Martina Röthl, PhD

roethl@volkskunde.uni‐kiel.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde

Olshausenstr. 40

24098 Kiel

Kontakt

Nähere Informationen

Dennis Eckhardt (Berlin), Martina Röthl (Kiel), Sarah May (Freiburg), Roman Tischberger (Augsburg).

roethl[ at ]volkskunde.uni‐kiel.de