Konferenzen – Tagung/Konferenz

"Audiovisionen des Alltags - Quellenwert und mediale Weiternutzung“

Von 29. und 30. November 2018 findet die Tagung "Audiovisionen des Alltags - Quellenwert und mediale Weiternutzung" in Mainz statt. Interessierte sind herzlich eingeladen sich bis zum 15. November anzumelden, die Teilnahme ist kostenlos.

  • Zeitraum: 29.11.2018 – 30.11.2018
  • Institution: Universität Mainz
  • Ort: Mainz / Deutschland
  • Anmeldung bis: 15. November 2018 Anmeldungstermin beachten
  • Anmeldung bei: conte[at]uni-mainz.de

Die technischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben zu einer Verdichtung auditiver und audio-visueller Aufzeichnungen über jenen Untersuchungsgegenstand geführt, der im Mittelpunkt kulturanthropologischer, ethnologischer resp. volkskundlicher Forschungen steht: der Alltag. War der Kreis derjenigen, die sich früher überhaupt eine technische Ausrüstung für solche Vorhaben leisten konnten, äußerst begrenzt, kann heutzutage praktisch jeder bzw. jede mit dem Smartphone Alltagsszenen dokumentieren und medial aufbereiten. Die ständige Verfügbarkeit der entsprechenden Technologien in der Gegenwart hat darüber hinaus dazu geführt, dass es kaum noch unbelauschte oder unbeobachtete Momente gibt. Jederzeit und allerorten wird medial aufgezeichnet, und zwar längst nicht mehr nur an den besonderen Tagen im Jahr, sondern sozusagen rund um die Uhr, und das nicht nur im gegenseitigen Einvernehmen zwischen AkteurInnen und Aufnehmenden, sondern vielerorts auch „heimlich“. Kanäle wie YouTube tragen dazu bei, dass viele dieser Aufnahmen eine rasche Verbreitung finden, auch wenn ein Großteil von ihnen letztlich nicht den öffentlichen Raum erreicht.

Sind private Aufnahmen aber zugänglich, stellen solche Alltagsaudiovisionen für kulturwissenschaftlich arbeitende Disziplinen einen reichen, wenn auch problematischen Quellenbestand dar. Da über den Entstehungskontext dieses Materials in der Regel nichts bekannt ist, erscheint eine quellenkritische Auseinandersetzung in besonderer Weise notwendig, um sich für die dem Material inhärenten Perspektiven und Bedeutungseinschreibungen kritisch zu sensibilisieren. Das gilt auch für solche Fälle, in denen es als „(Found) Footage“ in (professionelle) audio-visuelle Repräsentationen wie Dokumentarfilme bzw. -features einfließt, was gegenwärtig immer häufiger zu beobachten ist. Zwar weist die Verwendung von Fremdmaterial in bestimmten Genres eine lange Geschichte auf (etwa in historischen Dokumentationen, aber auch in Experimental- und Kunstfilmen), dennoch kann aktuell von einem auffälligen Anstieg und einer deutlichen Diffusion dieser Medienpraxis ausgegangen werden, die selbst produziertes Material mit Bildern aus anderen Kontexten kombiniert und durch diese Zusammenführung neue Bedeutungen generiert.

Auf der Tagung soll es darum gehen, Audiovisionen des Alltags in den Blick zu nehmen, und zwar sowohl als Primärmaterial als auch in sekundären Verwendungsformen – und dies in gegenwärtiger wie historischer Perspektive. Wie lässt sich dieses Material für wissenschaftliche Fragestellungen erschließen? Wie kann sein Quellenwert eingeschätzt werden? Welche ethischen Probleme sind mit seiner Verwendung verbunden? Welche Gefahren bestehen bei der Verwendung solcher Materialien in Filmen und anderen audio-visuellen Repräsentationen, (historische) Fehldeutungen aufzuwerfen und/oder zu reproduzieren? Welche unterschiedlichen medialen (filmischen wie auditiven) Strategien sind evident und wie können sie etwa hinsichtlich ihrer quellenkritischen, -reflexiven sowie dekonstruktiven Zugänge unterschieden werden? Die Tagung möchte aus dem Umkreis der hier skizzierten Themen möglichst unterschiedliche Beispiele versammeln, um die mit der Klagenfurter Tagung 2015 angeregten Diskussionen über „Praktiken von Amateuren im Prozess der gesellschaftlichen Ästhetisierung“ weiterzuführen.

Donnerstag, 29. November 2018

14.00 Uhr, Begrüßung und Eröffnung der Tagung

14.30 Uhr, Dr. David Berchem, Bochum
Klangwelten (post)migrantischer Räume.
Zur Bedeutung von Alltagsaudiovisionen in einem Lehrforschungsprojekt zwischen Wissenschaft und radiojournalistischer Praxis

15.15 Uhr, Dr. Dagmar Hänel, Bonn
„Die Kamera ist die ideale Methode, das alte Handwerk zu erhalten.“ Der historische Bestand an Handwerksdokumentationen im LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in neuen Perspektiven

16.00 Uhr, Kaffeepause

16.30 Uhr, Andrea Graf M.A., Bonn
„Am Anfang wollten wir die Funktionsweise der Säge darstellen – am Ende wurde es ein Film über Forstwirtschaft“ – Facetten eines Dokumentarfilmprojektes

17.15 Uhr, Dr. Lisa Maubach, Hagen
Audiovisuelles Manual – ein Konzept zum Einsatz von Film in der Handwerksdokumentation im LWL-Freilichtmuseum Hagen

18.00 Uhr, Abendpause

20.00 Uhr, Abendveranstaltung
Zur Einstimmung: Dr. Thomas Schneider, Prof. Dr. Michael Simon, Mainz:
Revolte in der Provinz? Mainz 1968 in lebensgeschichtlichen Erinnerungen und in Amateurfilmen
Lesung von Michael Bauer, Herxheim, aus seinem Roman „Dutschki vom Lande“ mit musikalischer Begleitung von Benno Burkhart

Freitag, 30. November 2018

09.00 Uhr, Janina Kriszio, Hamburg
Präsentation des Website-Projektes www.stadtkulturen.net

09.30 Uhr, Dr. Torsten Näser, Göttingen
Die Visuelle Anthropologie und ihr Verhältnis zu filmischen Alltagsdokumenten – Notizen zu einer prekären Beziehung

10.15 Uhr, Sonja Grulke M.A., Berlin
Information Retrieval als Kulturpraktik: Neue Potenziale im Umgang mit audiovisuellen Reproduktionen

11.00 Uhr, Kaffeepause

11.30 Uhr, Gerhard Schönhofer M.A., Eichstätt
„Komm, jetzt machen WIR einen Film!“ Eine ethnografische Studie zu integrativen und partizipativen Potenzialen von Film-Workshops für geflohene Jugendliche

12.15 Uhr, Prof. Dr. Christoph Bareither, Berlin
„Let's Play!“ YouTube-Videos als Medien der Alltäglichkeit

13.00 Uhr, Mittagspause

14.00 Uhr, Raphael Thörmer M.A., Kommern
„Haus frei Wiese. Ein Film vom modernen Bauen“ – Das Quelle-Fertighaus im Spiegel eines Ego-Dokuments

14.45 Uhr, Abschlussdiskussion

gegen 15.15 Uhr, Tagungsende

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