Konferenzen – Call for Papers

„Verbotene Musik”

Die Tagung der Kommission zur Erforschung Musikalischer Volkskulturen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde findet vom 04. bis 06. Oktober 2018 im Center for World Music in Hildesheim statt. Vorschläge für Referate zum Thema „Verbotene Musik” können bis zum 01. April 2018 eingereich werden.

  • Zeitraum: 04.10.2018 – 06.10.2018
  • Institution: Deutsche Gesellschaft für Volkskunde
  • Ort: Hildesheim / Deutschland
  • Einzureichen bis: 01. April 2018
  • Unterlagen an: astrid.reimers[at]uni-koeln.de

In jeder Gesellschaft, unabhängig davon, ob sie sich pluralistisch, freiheitlich und liberal gibt, oder ob sie auf gesellschaftliche Entwicklungen – notfalls oder auch ohne Not – restriktiv Einfluss nimmt, existieren Musiken, die aus wie auch immer gearteten Gründen gewisse Normen und somit ein bestimmtes Maß an Toleranz überschreiten. Diejenigen, die das Geächtete dennoch singen, spielen oder tanzen, werden von den jeweiligen Mehrheiten bzw. Machthabern marginalisiert oder gar verfolgt, während sie bei ihren Anhängern besondere Anerkennung genießen. So existieren in jedem totalitären Staat oder Staat mit totalitären Zügen, ob in der Vergangenheit (z.B. die DDR, die Sowjetunion, Nazideutschland, chinesische Kulturevolution) oder Gegenwart (Musik im Iran und der Türkei oder – wie im Fall von Pussy Riot – in Russland) verbotene oder marginalisierte Musikszenen. Ähnlich problematisch verhält es sich mit Musiken (vokal, instrumental oder tänzerisch) in stark religiös geprägten Ländern. Beispiele hierfür sind die seit jeher ambivalenten Beziehungen zwischen Islam und Musik vor allem in religiös fundamentalistisch geprägten Ländern (z.B. die Taliban in Afghanistan, Boko Haram in Nigeria etc.); aber auch im Christentum hat es sich über lange Zeit nicht grundsätzlich anders verhalten (Stichwort: gregorianischer Choral und die Tropen und Melismen).  

Musikverbote beschränken sich jedoch keineswegs auf Diktaturen oder Staaten mit totalitären Zügen. Denn auch in freiheitlichen westlichen Demokratien werden Grenzen dort überschritten, wo Melodie und / oder Texte bestimmte Wertegefüge verlassen (z.B. Aufrufe zur Gewalt, zu Faschismus, Diskriminierungen, Pornographie, zur Verherrlichung von Drogen, oder das Diskreditieren von Religionen). Beispiele hierfür existieren ebenso in Hülle und Fülle, sei es etwa in Europa und den USA die mittlerweile geächtete homophobe jamaikanische Murdermusic, in Deutschland etwa die erste Strophe des Deutschlandliedes oder Neonnazilieder. Aber auch scheinbar harmlose Volkslieder wie „Zehn kleine Negerlein“ oder „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ verursachen Kontroversen. So sah sich gerade erst jüngst die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen dazu veranlasst, das Liederbuch der Bundeswehr Kameraden singt zu verbieten, um dadurch – wie die Huffpost schrieb – „rechtes Gedankengut in der Bundeswehr zurückdrängen“. Anderseits werden oftmals Lieder und Songs, die noch vor einigen Jahrzehnten in einem bestimmten Staat sakrosankt waren, heute gleichen Orts als Klassiker oder gar als Kultmusik bejubelt. Interessant ist, dass die Grenzen – zwischen Verbotenem und Erlaubten – fortwährend neu ausgelotet und definiert werden. Überdies existieren in den Diskursen um „verbotene Musik“ immer auch unerwartete Handlungsspielräume für die Akteure (z.B. afrikanische Musik im Dritten Reich, Selbstbehauptungs- und Umdeutungsstrategien von bestimmten, weitestgehend als problematisch erachteten Liedern).

So bietet das Thema Verbotene Musik zahlreiche Anknüpfungspunkte, sich ihm aus unterschiedlichen Perspektiven (sogar subjektiven) anzunähern.

Sollten Sie Interesse haben, zu dieser Thematik ein Referat beizusteuern, dann bittet die Kommission um die Zusendung des Referat-Themas und eines (kurzen) Abstracts bis zum 1. April 2018, entweder per Email (astrid.reimers[at]uni-koeln.de) oder postalisch gerichtet an das Institut für Europäische Musikethnologie (Gronewaldstr. 2, 50931 Köln).

Weiterführende Links:

http://www.d-g-v.org/kommissionen/musikalische-volkskulturen

https://www.uni-hildesheim.de/center-for-world-music/forschung/uebersicht/

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