Konferenzen – Call for Papers

Angst in der Katastrophenforschung, -vorsorge und -bewältigung

Die zehnte Tagung des Katastrophennetz KatNet e.V. findet vom 6.6.-9.6.2018 zum Thema „Angst in der Katastrophenforschung, -vorsorge und -bewältigung“ in Niederösterreich statt, für die bis 31.1.2018 Abstracts eingereicht werden können.

  • Zeitraum: 06.06.2018 – 09.06.2018
  • Institution: Katastrophennetz e.V.
  • Ort: Gösing / Österreich
  • Einzureichen bis: 31. Januar 2018 Einreichtermin beachten
  • Zusätzliche Unterlagen: Themenvorschläge (maximal 2000 Zeichen inklusive Leerzeichen), nebst einer Zuordnung zu den Bereichen 1–3, einschließlich biografischer Angaben (maximal 700 Zeichen)
  • Unterlagen an: Univ.-Prof. DDr. Bernd Rieken (bernd.rieken[at]univie.ac.at)

Während sich Psychologie und insbesondere Tiefenpsychologie intensiv mit dem Phänomen Angst befassen, wird sie in anderen Disziplinen seltener thematisiert. Das gilt für Natur- genauso wie für Sozial- und Geisteswissenschaften. Selbst in der Katastrophenforschung tauchen Ängste vergleichbar selten auf. Ebenso scheinen Ängste auch im praktischen Umgang mit Katastrophen nur eine ungeordnete Rolle zu spielen, werden sie in der Vorsorge doch durch viel rationaler erscheinende Risiken und entsprechende Kalküle ersetzt oder in der Bewältigung als zwar verständliche, aber dennoch pathologische Reaktionen der Bevölkerung gefasst, ohne dass diesen viel Raum gegeben würde. 

So ist insgesamt in der Katastrophenforschung wie in der -praxis ein expliziter Bezug zu Ängsten weniger oft vorhanden, als man vermuten könnte, wenn man sich vor Augen hält, dass potentielle wie reale Katastrophen bei Betroffenen, Entscheiderinnen/Entscheidern und Helferinnen/Helfern große Ängste auszulösen vermögen.

Daher erscheint es sinnvoll, einmal etwas genauer die Bedeutung der Angst für die Katastrophenforschung und den praktischen Umgang mit Katastrophen zu erörtern. Folgende Themenbereiche bieten sich an:

1.) Empirisch-qualitative Zugänge:

  • Ängste der Betroffenen
  • Ängste der Bevölkerung
  • Ängste der Einsatzkräfte und Führungskräfte des Katastrophenschutzes (hauptamtlich und ehrenamtlich)
  • Ängste der „Spontanhelfer“
  • Ängste der Forschenden
  • Ängste der Entscheiderinnen/Entscheider im Katastrophenschutz und der Politik

2.) Theoretische und historische Zugänge:

  • Institutionalisierte Wissenschaft und Katastrophenforschung – Verdrängung der Angst?
  • Angst und Risiko – ein Spannungsverhältnis?
  • Angst und Risiko – Emotion versus kalkulierte Unsicherheit?
  • Angst als Selbstschutzmechanismus – was bedeutet dies für Einsatzkräfte und Führungskräfte im Katastrophenschutz?
  • Angst versus Panik – Wirklichkeit versus Mythos?
  • Angst in historischen Katastrophen (Was sagen die Quellen über Ängste betroffener Personen aus? Wie wirken sich historische Katastrophen auf Ängste aus und umgekehrt?).
  • Konjunkturen der Angst: Hatten die Menschen früher weniger Angst als heute?
  • Warum befasse ich mich als Forscher oder Forscherin mit diesem Thema?
  • Umgang mit Ängsten/Angstauslösern in „regions of risk“.
  • Worin besteht der Beitrag der Psychotraumatologie zu Ängsten im Zusammenhang mit Katastrophen?
  • Wieviel Angst braucht die Katastrophenforschung und -praxis?

3.) Praktische Zugänge:

  • Wie stellen sich die genannten Themen aus Sicht der Praxis dar?
  • Welche Probleme und Strategien haben Entscheiderinnen/Entscheider im Umgang mit Ängsten?
  • Wie kann ein zukünftiger Umgang mit Ängsten in der Katastrophenforschung, -vorsorge und -bewältigung aussehen?


Die Veranstalter laden explizit Interessierte aus Wissenschaft und Praxis ein, Vorschläge für Vorträge zu den genannten Themenbereichen einzureichen. Im Sinne George Devereux‘ („Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften“) kann es im Hinblick auf alle Themenbereiche sinnvoll sein, sich bei einem Phänomen wie der Angst auch mit den eigenen Emotionen als Forscherin/Forscher und/oder Praktikerin/Praktiker auseinanderzusetzen („Gegenübertragung“ im psychoanalytischen Verständnis) – nicht aus Gründen narzisstischer Selbstbespiegelung, sondern um etwaige verzerrende Einflüsse der Emotionen und der eigenen Lebensgeschichte auf den Forschungsprozess besser reflektieren zu können.


Die Trennung der Themenbereiche ist nicht absolut zu sehen, z.B. können historische Aspekte in qualitativen Forschungen mit thematisiert werden oder Ergebnisse aus empirischen Forschungen im Themenbereich 2 zur Sprache kommen. Auch können praxisrelevante Probleme in allen Themenbereichen je nach Perspektivierung vorkommen. Es ist indes eine eindeutige Zuordnung zu einem der Themenbereiche notwendig.


Die Beiträge sollen relativ zeitnah in der Buchreihe „Psychotherapiewissenschaft in Forschung, Profession und Kultur“ des Waxmann Verlags (Münster) publiziert werden.

Tagungsgebühren werden nicht erhoben, Anreise- und Übernachtungskosten sind von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern selbst zu tragen. Die Anmeldung für die Übernachtung der Referentinnen und Referenten im Alpenhotel Gösing übernimmt der Veranstalter. Alternative Übernachtungsmöglichkeiten mit geringeren Kosten sind selbsttätig zu organisieren (z.B. Hotel Winterbach in circa 20 Kilometer Entfernung).


Themenvorschläge (maximal 2000 Zeichen inklusive Leerzeichen), nebst einer Zuordnung zu den Bereichen 1–3, einschließlich biografischer Angaben (maximal 700 Zeichen) sind bis 31.01.2018 per E-Mail zu senden an

bernd.rieken[at]univie.ac.at

 
Univ.-Prof. DDr. Bernd Rieken
Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien
Fakultät für Psychotherapiewissenschaft
Institut für psychoanalytisch-ethnologische Katastrophenforschung
Freudplatz 1

A-1020 Wien

Weiterführende Links:

https://ptw.sfu.ac.at/die-fakultaet/institutezentren-der-fakultaet-psychotherapiewissenschaft/institut-psychoanalytisch-ethnologische-katastrophenforschung/

http://wordpress.katastrophennetz.de/

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