Konferenzen – Call for Papers

Aufruf zur Teilnahme an zwei Arbeitsgruppen zum Thema „Nachkommen von NS-Verfolgten“

Der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V. (Bundesverband) ruft zur Teilnahme an zwei moderierten Arbeitsgruppen zu den Themen „Historisch-Politische Bildungsarbeit“ und „Psychosoziale Fragen“ im Kontext der Arbeit von und mit Nachkommen von NS-Verfolgten auf.

  • Zeitraum: 11.04.2018 – 11.10.2018
  • Institution: Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte
  • Ort: Köln / Deutschland
  • Einzureichen bis: 05. Januar 2018
  • Unterlagen an: dymczyk[at]nsberatung.de; fehlberg[at]nsberatung.de

Die Arbeitsgruppen werden zweitätig am 11./12. April und am 07./08. Juni 2018 in Köln tagen. Die Ergebnisse werden bei einer öffentlichen Veranstaltung am 11. Oktober 2018 vorgestellt und nach Abschluss des Projekts auf der Website des Bundesverbands (in Deutsch, Englisch und Russisch) veröffentlicht.

In den beiden parallel tagenden interdisziplinären Arbeitsgruppen soll internationalen Fachleuten aus Forschung und Praxis die Möglichkeit geboten werden, sich über aktuelle Fragen der Nachkommenschaft von NS-Verfolgung auszutauschen. Angesprochen sind Fachleute und Engagierte, die sich bereits mit dem Thema der „Nachkommen von NS-Verfolgten“ befassen. Ziel ist der Austausch über jeweilige Arbeitsschwerpunkte und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Gemeinsam möchten wir neue Impulse für Forschung und Praxis diskutieren und erarbeiten.

Formen und Folgen der familiären Tradierung der NS-Verfolgung werden bereits seit längerem diskutiert. Die Nachkommen der NS-Verfolgten erleben diese Weitergabe selbst, ob dies in spezifischer Form stattfindet, wird kontrovers diskutiert. Sie haben die Aufarbeitung des Nationalsozialismus zusammen mit ihren Eltern entscheidend mitgestaltet. Nachkommen von NS-Verfolgten berichten vor Schulklassen, bei Podiumsdiskussionen, in alten und neuen Medien, in Gedenkstätten oder bei Stadtführungen über die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Zusammenhänge mit aktuellen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Welche Impulse aus dieser Arbeit für die Zukunft entstehen können, soll diskutiert werden.

Gleichzeitig gibt es sozialpsychologische Bedarfe von Nachkommen von NS-Verfolgten. In welcher Form gesellschaftliche Kontinuitäten nach 1945 und gegenwärtige Diskriminierungen eine große Rolle in den Prozessen der Aufarbeitung und Verarbeitung der Vergangenheit spielen, wird unterschiedlich bewertet. Zu Bedenken ist, welche Nachwirkungen und Bedeutung die Verfolgungsschicksale innerhalb der Familie, auf Kinder und Folgegenerationen haben. Dabei sollten Kontinuitäten nach 1945 und ihr Einfluss auf die innerfamiliäre Weitergabe von Folgen der NS-Verfolgung im internationalen Vergleich betrachtet werden. Die Frage nach der Ausrichtung der zukünftigen Erinnerungsarbeit ist in diesem Kontext ebenfalls relevant.

Bei Interesse an der Teilnahme beachten Sie bitte den entsprechenden Call for Papers der jeweiligen Arbeitsgruppe:

  1. Aufruf zur Teilnahme an der „Arbeitsgruppe psychosoziale Fragen“ (Kennziffer: 1)
  2. Aufruf zur Teilnahme an der Arbeitsgruppe „Historisch-politische Bildungsarbeit“ (Kennziffer 2)

Bitte senden Sie Ihr (1) Abstract/ Thesenpapier (maximal 3000 Zeichen) mit einer (2) Kurzbiografie (maximal 1000 Zeichen) und Angabe darüber, an welcher Arbeitsgruppe Sie teilnehmen möchten (AG 1 oder AG 2) bis zum 05.01.2018 als PDF an folgende E-Mailadressen: dymczyk[at]nsberatung.de; fehlberg[at]nsberatung.de.

Die Veranstaltungen werden Englisch-Deutsch verdolmetscht. Die Entscheidung über eine Einladung zu den Arbeitsgruppen wird von den ModeratorInnen innerhalb von zwei Wochen nach der Abgabefrist getroffen. Zu den Auswahlkriterien für die Zusammenstellung der Arbeitsgruppen zählen u. a. Internationalität und Vielfalt der Ansätze.

Kosten für Übernachtung und Anreise können vom Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e. V. erstattet werden. Die Einhaltung des Bundesreisekostengesetzes ist dabei verpflichtend.
Der Verband freut sich über rege Beteiligung.

AG 1 - Call for papers:

Aufruf zur Teilnahme an der „Arbeitsgruppe psychosoziale Fragen“ (Kennziffer: 1)
Erfahrungen, Biografien, aber auch Belastungen von Nachkommen von NS-Verfolgten werden in Fachkreisen vermehrt diskutiert. In dieser Arbeitsgruppe wollen wir eine internationale und fächerübergreifende Vernetzung zu Fragen in der psychosozialen Arbeit stärken, um koordiniert gemeinsame Fragestellungen zu erarbeiten und Unterschiede zu benennen. Bislang gibt es wenig internationalen Austausch über psychosoziale Merkmale und Bedarfe der Folgegenerationen in verschieden Ländern und welche Rolle der kulturelle und nationale Kontext im Umgang mit Nachkommen und bei der Verarbeitung für die Nachkommen der NS-Verfolgten spielt. Wir wollen dieses Defizit überwinden und daher ForscherInnen und Angehörige psychosozialer Berufsgruppen (u.a. SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, PsychotherapeutInnen, ÄrztInnen, PädagogInnen, Angehörige pflegerischer Berufe) zur Teilnahme an dieser Arbeitsgruppe aufrufen. Aus einer Mehrgenerationenperspektive möchten wir zur Aufarbeitung dieses bisher im Ausmaß einzigartigen Genozids und dessen Nachwirkungen beitragen. Dabei geht es auch um Aspekte und Fragestellungen aus der Praxis, die in einer nur theoriegeleiteten Diskussion oft übersehen werden. Ein Austausch darüber, in welcher Weise direkte Nachfahren und darauf folgende Generationen von der Verfolgungszeit der Vorfahren beeinflusst sind, soll daher gefördert werden.

Seit Ende der fünfziger Jahre beschäftigt sich die Fachöffentlichkeit psychosozialer und medizinischer Fächer mit den Folgen nationalsozialistischer Verfolgung. Merkmale von posttraumatischen Belastungsstörungen und deren Wirkung auf Nachkommen von Verfolgten (Kinder, aber auch nachfolgende Generationen) des Nationalsozialismus werden dort vermehrt diskutiert. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen auf die Möglichkeit transgenerationaler Weitergabe von Traumata durch epigenetische Mechanismen hin. Wir möchten verschiedene Ansätze in einem internationalen und interdisziplinärem Arbeitskreis diskutieren.

Menschen, die sich für die Teilnahme an dieser Arbeitsgruppe interessieren, sind aufgerufen zu einer oder mehreren der Fragen ein Abstract zu verfassen. Eingereicht werden soll eine kurze Biografie und Abstract mit bis 3000 Zeichen).

  • Gibt es spezifische Merkmale oder Muster bei Nachkommen von NS-Verfolgten?
  • Welche Rolle spielt die Übertragung von Traumata?
  • Gibt es spezielle epigenetische Muster in Familien mit NS-Verfolgungshintergrund?
  • Gibt es Häufungen psychiatrischer und psychosomatischer Erkrankungen?
  • Gibt es aktuelle psychosoziale Bedarfslagen?
  • Welche Resilienzfaktoren verhindern oder begrenzen negative Traumafolgen?
  • Inwiefern sind Angebote und Erfahrungen aus der Arbeit mit der ersten Generation nutzbar für belastete Nachkommen von NS-Verfolgten?
  • Welche Angebote oder Ansätze aus der psychosozialen Versorgung sind übertragbar und adaptierbar?
  • Welche Gruppen von Betroffenen wurden übersehen?
  • Gibt es spezifische Opfer-Täterkonstellationen in den Nachfolgegenerationen?
  • Was ist mit besonderen Untergruppen, z.B. Personen, die aus einer Verbindung von Nachfahren von Opfern und TäterInnen abstammen und dies schamhaft verbergen?
  • Welche besonderen Kompetenzen, Erfahrungen und Ressourcen haben die Angehörigen der Folgegenerationen? Und wo liegen Herausforderungen ressourcenaktivierender Ansätze?
  • Gibt es aktuelle Diskriminierungen als Wiederkehr des Verdrängten?

Auch hier nicht aufgeführte und das Thema weiterführende Fragen können gerne aufgegriffen werden. Ein Impulspapier, das einen Einblick in den Stand der Forschung gibt, Anregungen zu weiteren Fragestellungen für die Diskussion geben kann, aber auch kontrovers aufgegriffen werden darf, findet sich hier.

AG 2 - Call for papers:

Aufruf zur Teilnahme an der Arbeitsgruppe „Historisch-politische Bildungsarbeit“ (Kennziffer 2)
Im Rahmen der Arbeitsgruppe wird ein wissenschaftlicher Austausch von internationalen ExpertInnen und PraktikerInnen angestrebt. Bündelung und Verknüpfung von bestehendem Wissen sowie die Erarbeitung von Methoden, wie das Wissen der Nachkommen in der politischen Bildung genutzt werden kann, sind wünschenswert. Die Betrachtung von beispielhaften erinnerungskulturellen oder gedenkstättenpädagogischen Projekten ebenso wie die Förderung des intergenerationellen Dialogs spielen dabei eine wichtige Rolle.

Es ist zu betrachen, welche besonderen Impulse Nachkommen von NS-Verfolgten setzen können. Dafür ist zu klären, welche Untersuchungen zum Thema bereits existieren und welche Schlüsse für die Zukunft gezogen werden können.

Direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs traten zahlreiche Überlebende der NS-Verfolgung für eine aktive Erinnerungskultur ein. Spätestens seit den 1970er Jahren gestalteten die Nachkommen der überlebenden NS-Verfolgten (die Folgegenerationen) die politische und soziale Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wesentlich mit. Die Nachkommen der Verfolgten haben ihr spezifisches Wissen auch in Romanen, Filmen und Kunstprojekten zum Ausdruck gebracht. Die Folgegenerationen befassen sich mit den Auswirkungen der Verfolgungsgeschichte der Eltern oder Großeltern und ziehen dabei Schlüsse aus der Vergangenheit für die politische Gestaltung der gegenwärtigen Gesellschaft.

International sind Nachkommen von NS-Verfolgten als Einzelpersonen oder in Organisationen an Bildungsprojekten beteiligt. Dabei greifen sie auf ihr Wissen aus der Aufarbeitung der NS-Geschichte zurück.
Der Traumabegriff sowie Thesen zur transgenerationalen Weitergabe von Geschichte können für die Forschung und die historisch-politische Bildung nutzbar gemacht werden. Dabei geht es auch um das Wechselverhältnis zwischen privater und öffentlicher Erinnerungskultur, zeitgeschichtliche ebenso wie länderspezifische, europäische und internationale Kontexte. Die Ausarbeitung verfolgtensensibler Ansätze für die historisch-politische Bildung zur Orientierung sowohl für den wissenschaftlichen wie auch den gesellschaftspolitischen Diskurs wird angestrebt.

Zur Beteiligung aufgerufen sind beispielsweise AkteurInnen, die im Rahmen der historisch-politischen Bildung zu den Opfergruppen des Nationalsozialismus arbeiten, sowie Personen, die aus historischer, soziologischer oder anthropologischer Perspektive zu den dargestellten Fragen arbeiten. In der historisch-politischen Bildungsarbeit werden die Verfolgungshintergründe oft einzeln und in ihrer Differenz behandelt. Ein Austausch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Zugänge wird vom Bundesverband beabsichtigt.

Menschen, die sich für die Teilnahme an dieser Arbeitsgruppe interessieren, sind aufgerufen zu einer oder mehreren der Fragen ein Abstract zu verfassen. Eingereicht werden soll eine kurze Biografie und Abstract mit bis 3000 Zeichen.

  • Welche Konzepte wurden von Nachkommen von NS-Verfolgten im Umgang mit der Geschichte entwickelt? Gibt es dabei länderspezifische Unterschiede?
  • Welche Forschungen zur politischen Bildung wurden von den Folgegenerationen entwickelt und durchgeführt?
  • Welche Rolle spielen die Folgegenerationen für die politische Bildungsarbeit in Institutionen?
  • Wie sieht ihre aktuelle Beteiligung an gedenkpolitischer Arbeit aus – wo könnten oder sollten Nachkommen ImpulsgeberInnen sein?
  • Wie werden länderspezifische und familienbiografische Zugänge bei der Gestaltung von Bildungsangeboten berücksichtigt?
  • Wie kann die Opferperspektive in die bildungspolitische Praxis integriert werden?
  • Welche Tradierungszusammenhänge unter besonderer Berücksichtigung der Verfolgtengruppen müssen betrachtet werden?
  • Welche Herausforderungen bestehen in der Zusammenarbeit von Nachkommen von NS-Verfolgten und Nicht-Betroffenen?
  • Welche möglichen Entwicklungen gibt es in der historisch-politischen Bildungsarbeit?
  • Welche Impulse können Nachkommen von NS-Verfolgten für die Gestaltung einer zukünftigen europäischen oder globalen Gedenkarbeit geben?
  • Welche historischen Kontexte der Erinnerungs- und Entschädigungskultur nach 1945 müssen Berücksichtung finden?
  • Wie ist der Zusammenhang zwischen offizieller und privater Erinnerung, zwischen Erinnerungsarbeit und Antidiskriminierung?

Auch hier nicht aufgeführte und das Thema weiterführende Fragen können gerne aufgegriffen werden. Ein Impulspapier, das einen Einblick in den Stand der Forschung gibt, Anregungen zu weiteren Fragestellungen für die Diskussion geben kann, aber auch kontrovers aufgegriffen werden darf, findet sich hier.

Das Projekt wird von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und dem Auswärtigen Amt gefördert.

Weiterführende Links:

https://www.nsberatung.de/index.php/de/

https://www.nsberatung.de/images/Bilder_Projekte/CFP_Arbeitsgruppen_Folgegenerationen.pdf

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