Konferenzen – Call for Papers

Verschwörungserzählungen

Aufrus zu Beiträgen für die 10. Tagung der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) vom 5. bis 8. September 2018 in Zäziwil, Hotel Appenberg (in der Nähe von Bern, CH).

  • Zeitraum: 05.09.2018 – 08.09.2018
  • Institution: Deutsche Gesellschaft für Volkskunde
  • Ort: Zäziwil / Schweiz
  • Einzureichen bis: 31. Dezember 2017
  • Unterlagen an: brigitte.frizzoni[at]uzh.ch

Die Mondlandung ein Fake, 9/11 eine Machenschaft der US-Regierung, der Klimawandel eine Lüge  – eine Fülle von Verschwörungstheorien kursiert. Geradezu eine „Konjunktur von Verschwörungstheorien“ seit der Jahrtausendwende wird konstatiert, mit Hinweis aufs Internet, das die Konstruktion und Verbreitung von Verschwörungsideologien enorm beflügle. Ja, das Internet selbst gerät unter Verschwörungsverdacht, mit dessen Hilfe ‚sie’ gezielt die totale Kontrolle über uns alle gewinnen, über unsere Vorlieben und Einstellungen. Hier zeigt sich bereits ein grundlegendes Argumentationsmuster von Verschwörungstheorien, nämlich, dass es ‚da oben’ eine Instanz gebe, die versuche, sich auf unser aller Kosten Machtvorteile zu verschaffen. Die wesentlichen Ingredienzien von Verschwörungsnarrativen lassen sich mit dem Amerikanisten Michael Butter folgendermaßen zusammenfassen: Nichts ist, wie es scheint, alles ist geplant, nichts ist zufällig, alles ist miteinander verbunden.

Die fließenden Übergänge zwischen begründetem Verdacht auf unterdrückte Information und reiner Behauptung ohne faktische Grundlage sorgen dafür, dass Verschwörungstheorien selbst immer auch grossartige Geschichten sind und Stoff für Filme, TV-Serien, Romane, Comics, Websites oder Presseberichte liefern. Verschwörungserzählungen und -motive in unterschiedlichen medialen Formen und Genres sind entsprechend zentraler Bestandteil der Populärkultur.


Verschwörungserzählungen bieten somit Anlass für vielfältige Untersuchungen aus kulturwissenschaftlich-narratologischer Perspektive; im Fokus können dabei stehen:

  • Spezifische Verschwörungstheorien als Narrative: Mit welchen Erzähl-, Argumentations-, Plausibilisierungsstrategien operieren sie?
  • Re-Aktualisierung langlebiger Verschwörungstheorien (z. B. jüdische Weltverschwörung)
  • Verschwörungsgenres (z. B. Conspiracy Thriller), Verschwörungswerke/-werkreihen (Dan Brown, James Bond), Verschwörungsmotive (9/11, Klima-Lüge), Verschwörung in der Pop-/Rockmusik (Elvis lebt, Paul is dead), Verschwörung in unterschiedlichen medialen Formen (z. B. TV-Serie Stranger Things) und im alltäglichen und lebensgeschichtlichen Erzählen,
  • AkteurInnen, RezipientInnen und Rezeptionssituationen von Verschwörungserzählungen
  • Kritische Kommentierung und Parodierung von Verschwörungserzählungen
  • Verschwörung und Mediendiskurs: attestierte Rolle der Medien in Ausgestaltung, Plausibilisierung und Verbreitung von Verschwörungstheorien (z. B. „Konjunktur der Verschwörung“ durchs Internet)
  • Theorie der Verschwörungstheorie: (inter-)disziplinäre Perspektiven (z. B. Verschwörung als ‚Wissensform’, als heterodoxes, marginalisiertes Wissen in der Wissenssoziologie)


Alle Interessierten sind gebeten, ihre Exposés (max. 3000 Zeichen) mit Themenvorschlag und Titel sowie kurzem CV bis zum 31. Dezember 2017 per E-Mail an brigitte.frizzoni[at]uzh.ch zu senden.

Erwünscht sind sowohl Vorträge zu aktuellen, unpublizierten Forschungen als auch Arbeitsberichte aus laufenden Projekten. Die Länge der Vorträge sollte 30 Minuten nicht überschreiten. Die Publikation der Beiträge ist geplant.

Weiterführende Links:

http://www.d-g-v.org/kommissionen/erzaehlforschung

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