Events – Lecture

Institutskolloqium: Ethnographies of the Contemporary – Perspektiven und Positionen einer Anthropologie des Politischen

Am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin findet kommendes Wintersemester 2018/19 immer dienstags 14-16 Uhr (c.t.), Hausvogteiplatz 5-7, Raum 0007, das Institutskolloquium zum Thema: "Ethnographies of the Contemporary – Perspektiven und Positionen einer Anthropologie des Politischen".

  • Date: 16.10.2018 – 05.02.2019
  • Institution: Humboldt-Universität zu Berlin
  • Location: Berlin / Deutschland
    • Die Veranstaltungen finden wechselnd auf Deutsch oder Englisch statt. Events will take place variously in German and English.

      Veranstaltungen mit einem * finden zu anderen Zeiten oder in anderen Räumlichkeiten statt – Bitte konsultieren Sie dazu das unten stehende Programm.
      Events with * will take place at deviant times, days or locations - Check the programme below.

      Organisation: Jens Adam & die Forschungslabore am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin,
      in Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum (IZ) „Border Crossings - Crossing Borders. Berliner Zentrum für transnationale Grenzforschung“.

      Weitere Informationen / More Information:  www.euroethno.hu-berlin.de

      Programm / Programme

      16.10.18
      Desire for the Political: Ethnography and Politics After the Cold War
      Dace Dzenovska (University of Oxford)

      23.10.18
      Badiou out of Place:  Multiplicities, Ontologies, and the Lived Experience of Forced Migration
      Elizabeth Cullen Dunn (Indiana University, Bloomington)

      30.10.18
      Archives of Refuge
      Roundtable with Arjun Appadurai (New York University), Regina Römhild (IfEE, HU Berlin), Mohammad Sarhangi (HKW, Berlin), Marcia C. Schenck (FU Berlin), Nadiye Ünsal (Labor Migration Berlin)

      06.11.18
      Konjunkturen der Moralismus-Kritik: agonale Bestimmungen des Politischen zwischen Zeitdiagnostik und Ethnografie
      Moritz Ege (Kulturanthropologie/EE, Universität Göttingen)

      13.11.18
      Queering Europe: On the Sexual Politics of Europeanisation
      Monika Baer (University of Wrocław), Paul Mepschen (University of Amsterdam) & Patrick Wielowiejski (IfEE, HU Berlin)

      20.11.18
      The Politics of Life at the Margins: Truth, Power and Collective Conduct
      Michele Lancione (University of Sheffield)

      27.11.18
      Doing Gender in a Refugee Camp: Politics and Ethics beyond a Subject
      Čarna Brković (Kulturanthropologie/EE, Universität Göttingen)

      4.12.18
      Aus den Tiefen der Fernseharchive – eine Rekontexualisierung der Filme und Moderationen von Navina Sundaram
      Merle Kröger (Berlin) und Mareike Bernien (Berlin)

      11.12.18
      Of Politics and Personhood. Considerations from Slovenia
      Gretchen Bakke (IRI THESys, HU Berlin)

      18.12.18
      The Materiality of "Transition": Infrastructure as a Political Terrain in South Africa
      Antina von Schnitzler (The New School, New York)

      *10.01.19
      Forced Exile as a Form of Life
      Didier Fassin (Institute for Advanced Study, Princeton)
      (Thursday instead of Tuesday, evening lecture 18h c.t.)

      15.01.19
      On Political Refusal: Sayasat and Democratic Disavowal in Post-Revolutionary Kyrgyzstan
      Madeleine Reeves (University of Manchester)

      *22.01.19
      Data natures: of Ethnographies, Troubles and Bridges (inaugural lecture/Antrittsvorlesung)
      Tahani Nadim (Museum für Naturkunde und IfEE/CARMAH, HU Berlin)
      (evening lecture 18h c.t., room 408, followed by reception)

      29.01.19
      The Only Game in Town? Anthropology and the Housing and Real Estate Markets in Berlin
      Präsentation des MA-Studienprojektes
      Studierende, Tomás S. Criado & Ignacio Farías (IfEE, HU Berlin)

      *1.2.19
      Ambivalenzen in den Verflechtungen von Migration, Gender und Care
      Präsentation des MA-Studienprojektes  „Migration, Gender und Care“ im Rahmen der internationalen Tagung “Care – Migration – Gender. Ambivalent Interdependencies”
      Studierende & Urmila Goel (IfEE, HU Berlin)
      (Sondertermin, Freitag, 11:15-12:45 Uhr, Hauptgebäude der HU)

      05.02.19
      Beyond Swamps: Mess as Politics, Mess as Resistance
      Martin F. Manalansan
      (University of Minnesota, Twin Cities)

      Konzept 

      Wie lässt sich der politische Moment, den wir gegenwärtig durchschreiten, begreifen? „Das Ende der liberalen Demokratie“, „Flüchtlingskrise“, „Festung Europa“ oder „drohendes Staatsversagen“ sind einige der prominenten Schlagworte aktueller Debatten, die auf Eines hinweisen: Die Grundlagen und Grundbegriffe des politischen Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Selbstverständigung sind in Bewegung geraten, teils im Verschwinden begriffen. Diese Entwicklungen fordern nicht nur den etablierten politischen Betrieb heraus, sondern auch die Begriffe und Herangehensweisen, die wir zu ihrer Analyse nutzen.
      Im Zentrum dieser Vorlesungsreihe steht die Frage, welches konzeptionelles und methodisches Instrumentarium die zeitgenössische Anthropologie anzubieten hat, um den gegenwärtigen politischen Moment analytisch zu durchdringen. Welches Potenzial bietet eine Differenzierung zwischen „Politik“ und dem „Politischen“ für disziplinäre Begriffsbildung und ethnografische Forschung? Und kann es gerade durch einen ethnografischen Ansatz gelingen, die Ausblendungen hegemonialer Debatten, alternative politische Geschichten und Zukunftsvisionen oder den Alltag und die Praxen der „Namenlosen“ als konstitutive Elemente des Politischen in den Blick zu nehmen?
      Wir knüpfen hiermit auch an interdisziplinäre Debatten an, in denen das „Politische“ vielstimmig als eine dem Sozialen „Form gebende Gründungsdimension“ (Marchart 2010) diskutiert wird. Demnach lässt sich das Politische als ein elementares Feld verstehen, aus dem sich Politik als institutionalisierter Ort der Machtausübung und Konfliktregulierung herausbildet, dem aber zugleich dauerhaft das Potenzial innewohnt, Zusammenleben ganz anders zu konzipieren, zu ordnen und zu gestalten. Wenn die Regelhaftigkeit des Sozialen brüchig wird oder routinierte administrative Prozesse ins Stocken geraten – etwa im Zuge von unerwarteten Ereignissen, Reibungen, Krisen oder Revolutionen – tritt das Politische deutlicher hervor und wird empirisch greifbar.
      In diesen Debatten treffen unterschiedliche theoretische Perspektiven aufeinander und werden neu zueinander positioniert. So lassen sich etwas eine „assoziative“ und eine „dissoziative Traditionslinie“ (Marchart 2010) unterscheiden. In der ersten Denkrichtung wird das Politische als ein (Zwischen-)Raum der Freiheit, Versammlung und öffentlichen Erörterung, der sich im Zusammenleben immer wieder neu herausbildet, verstanden. In der zweiten Perspektive werden primär primordiale Antagonismen, erratische Machteffekte und soziale Kämpfe als die Grundelemente des Politischen betont.
      Im Rahmen dieses Kolloquiums werden Bezugnahmen auf unterschiedliche Konzepte des Politischen – wie sie etwa Hannah Arendt, Alain Badiou, Chantal Mouffe, Judith Butler, Michel Foucault oder Bruno Latour entwickelt haben – in Dialog gebracht und auf ihre Brauchbarkeit für zeitgenössische anthropologische Fragestellungen diskutiert. Von Interesse sind hierbei insbesondere die ethnografischen Potenzialen, die sich aus einem jeweiligen Fokus auf das Politische ergeben. In den Vorträgen wird dieser Nexus anhand von Forschungsfeldern und konzeptionellen Interventionen zu humanitären Projekten, und Grenzregimen, dem politischen Leben von Infrastrukturen, und queer politics, Migrationsbewegungen und den zeitgenössischen Rekonfigurationen Europas ausgeleuchtet. Hierbei geht es auch um die Vermessung des kontemporären Momentes, in dem Utopien und Zukunftsvisionen abhanden gekommen scheinen. Im Zuge von Konflikten, multipler sozialer Bewegungen oder der kollektiven Beschäftigung mit „Dingen von Belang“ (Bruno Latour) tritt das Politische um so deutlicher hervor und wird zur Quelle unterschiedlicher Formen des Hoffens und Sehnens, der Mobilisierung wie auch der Ernüchterung (Dzenovska & De Genova 2018).

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