Conferences – Call for Papers

42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde zum Thema "Welt. Wissen. Gestalten"

Der 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) wird vom 7. bis 10. Oktober 2019 in Hamburg stattfinden. Die Tagung unter dem Thema "Welt. Wissen. Gestalten" wird ausgerichtet vom Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie der Universität Hamburg.

  • Date: 07.10.2019 – 10.10.2019
  • Institution: dgv - Deutsche Gesellschaft für Volkskunde
  • Location: Hamburg / Deutschland
  • Hand in till: 15. August 2018 Einreichtermin beachten
  • Sign up till: 15. August 2018 Anmeldungstermin beachten

Globale Dynamiken und grundlegende Transformationsprozesse verändern gegenwärtige europäische Gesellschaften. Es sind vielfältige Einflusskräfte am Werk, die teils eigenen Logiken folgend, teils interdependent und verflochten zur Dynamisierung beitragen: Migration, Armut und soziale Ungleichheit, Bedeutungsverlust von Nationalstaaten (jedoch auch das Entstehen neuer Nationalismen), Technologieentwicklung, die kapitalistische Wirtschaftsweise mit ihren permanenten Innovationszwängen, Klimawandel, Biodiversitätsrückgang. Für die Erforschung dieser Dynamiken bringt die Europäische Ethnologie / Empirische Kulturwissenschaft / Kulturanthropologie / Volkskunde mit ihren historischen und gegenwartsbezogenen Zugangsweisen und aufgrund ihrer spezifischen Forschungsperspektiven besondere Expertise mit.

Mit dem Begriff „Welt“ werden verschiedene Skalierungen zwischen lokal und global thematisierbar und anhand der Relationen von „kleinen Lebenswelten“ zu größeren Entitäten, zu Europa, zu anderen Kontinenten und zur ganzen Welt – als global verflochtenem Lebensraum des Menschen – operationalisierbar. Wichtige Bezugs- und Reflexionspunkte sind dabei die verschiedenen Weisen, wie „Welt“ in wissen-schaftlich-disziplinären ebenso wie in medialen und populärkulturellen Zusammenhängen als geografisch-territorial differenzierte Einheit, symbolisch erzeugte Sinnwelt und als alltäglicher Lebensraum hergestellt und durch Simulation, Fiktion, Kreativität und Spiel modelliert wird. Dabei weist der Weltbegriff hinsichtlich der Wissenschafts- und Gesellschaftsgeschichte der Konstruktion von Eigenem und Fremden und nicht zuletzt im Kontext von ethnologisch-ethnografischen Wissens- und Sammlungstraditionen auch problematische Dimensionen auf.

In einer verflochtenen Welt sind es verschiedene Weisen, wie Welt gewusst wird, die in diesen Dynamiken aufeinandertreffen. Wissen wird dabei nicht primär kognitivistisch verstanden, sondern schließt gerade auch affektive, habituelle und ästhetische Formen ein. Die Verschiedenheit dieser Wissensformen trägt dazu bei, dass in spezifischer Weise Wissen über die Welt erworben wird und dieses die Wahrnehmung und Gestaltung der Welt leitet. Weltsichten kondensieren in symbolische, materielle und praktische Formen des Wissens, welches wiederum in mannigfaltiger Gestalt vermittelt, angeeignet und weiterentwickelt werden kann. Wissen materialisiert sich in Objekten, Diskursen, Praxen, sozialen Ordnungen, moralischen Sichtweisen oder auch Institutionen, Konventionen, Normen, Regularien, Geschäftsbedingungen und Gesetzen. Diese Materialisierungen werden immer dort besonders deutlich und damit für die empirische Forschung zugänglich, wo sie schöpferisch oder konflikthaft aufeinandertreffen, zwischen Generationen und Gruppen ausgetauscht, modifiziert und weiterentwickelt oder in Archiven, Museen und Bibliotheken bewahrt werden.

Das Gestalten der Welt auf der Basis von Wissen und Können ist eine wesentliche menschliche Fähigkeit, auf die sich das Fach als Forschungsgegenstand – etwa in kritischer Auseinandersetzung mit Kreativitätskonzepten – und auch als Anspruch der eigenen Wissensproduktion (zum Beispiel in einer „Anthropologie der nahen Zukünfte“) bezieht. Die Entwurfs- und Gestaltungsfähigkeit des Menschen hängt wesentlich von den Symbol- und Zeichensystemen und den Medien ab, die ihm hierfür zur Verfügung stehen. Der Rahmen dessen, was erdacht werden kann, ist mit jeder Medientechnologie neu gesetzt worden und wird mit der Digitalisierung aktuell umfassend reformiert. Imaginationen und Imaginative sind wesentliche Triebfedern für Neuerungen. In gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsweisen sind sie allerdings auch systematische Notwendigkeit, mit (schöpferischen) Zerstörungen des Althergebrachten verbunden, und werden zunehmend unter neuen Paradigmen, wie denen der Nachhaltigkeit und der Resilienz, diskutiert.

Für den 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv) unter dem Titel „Welt. Wissen. Gestalten“ sind Beiträge erwünscht, die zu einem besseren Verständnis der Dynamiken und Probleme europäischer Gesellschaften in ihren globalen Verflechtungen beitragen – auch in historischen Perspektivierungen des Themenkomplexes. Überdies können sich Beiträge kritisch mit den unterschiedlichen disziplinären Wissensordnungen auseinandersetzen – zumal, da vielfach naturwissenschaftlich-technische, rechtlich und ökonomisch ausgerichtete Lösungsansätze in diesen Problemfeldern dominieren.

Welt wissen

Wie Welt gewusst wird, ist eingebettet in soziale und kulturelle Ordnungen. Kulturelles kann dabei selbst als spezifische, historisch gewachsene Form des Wissens verstanden und analysiert werden, etwa im Hinblick darauf, in welchen Situationen welche Gefühle angemessen sind oder welcher Umgang mit der Natur praktiziert wird. Bedeutungen, Wertigkeiten und Hierarchisierungen von Wissensbeständen treten in Konflikt zueinander, werden in Diskursen ausgehandelt und materialisieren sich in Wissensordnungen. Verschiedene Wissensformen – kognitiv-theoretische, affektive oder körpergebunden-praktische – werden dabei in Verhältnis zueinander gesetzt. Ethiken und moralische Ordnungen sind wesentliche Leitlinien, nach denen Weltverhältnisse bewertet, verhandelt, neu arrangiert oder auch rechtfertigend begründet werden. Auch die Wahrnehmungen der Welt sind wesentlich mit dem Wissen über diese verschränkt. Sie sind kognitiv, sensitiv und affektiv geleitet und werden über die Horizonte der Alltagserfahrung hinaus durch Imaginäres und Imaginatives ergänzt.

Welt gestalten

Gestaltungsprozesse und -ansätze sind eine weitere zentrale Perspektive im Fach, die mit Blick auf aktuelle Diskussionen um das Anthropozän, also dem Zeitalter einer wesentlich vom Menschen gestalteten (und hinsichtlich der Lebensgrundlagen zunehmend als gefährdet geltenden) Welt, ins Zentrum rückt. Neben den Fragen nach Gestaltbarkeit von Entwicklungen in Wissenschaft und Technik sind es insbesondere auch Politik und Ökonomie mit ihren Planungs- und Entwurfsprozessen, mit ihren spezifischen Perspektiven auf Kreativität und Entwerfen, die zu relevanten Forschungsfeldern werden. Dabei hat das Fach in seiner Geschichte selbst in vielfältiger Weise Aktionsfelder gesellschaftlicher Gestaltung beforscht und seit langem dezidierte Erfahrungen in Bezug auf gestaltungsorientierte Ansätze gesammelt; diese wiederum werden heute zum Teil in Designanthropologie und Gestaltungsagenturen zur kollaborativen Erarbeitung von inter- und transdisziplinären Fragestellungen ‚neu gedacht‘. Die Ästhetisierung aller Lebensbereiche ist als weitere Tendenz gegenwärtiger Gesellschaften im Sinne einer Formierung der Sinne zu sehen.

Formen und Formate

Wie in der Vergangenheit soll auch der Hamburger Kongress in Form von Plenar- und Sektionsvorträgen sowie durch Panels gestaltet werden. Plenarbeiträge werden aus den eingereichten Abstracts ausgewählt bzw. direkt angefragt. Sektionen werden aus den ausgewählten Einzelbeiträgen inhaltlich kohärent zusammengestellt. Panels erhalten mit zwei Stunden den Umfang einer Sektion. Die Leiterin/der Leiter eines Panels konzipiert das Thema und schlägt dieses der dgv in Form eines Abstracts vor; es werden Referentinnen und Referenten jeweils unter Beifügung eines knappen Abstracts ihrer Beiträge benannt (maximal 4–5 Einzelbeiträge). Die konkrete Gestaltung des Panels (Struktur, Reihenfolge, Format der Beiträge) obliegt den jeweiligen Organisatorinnen und Organisatoren.

Vorgeschlagen werden können Panels und Vorträge, die auch als dialogische Präsentationen, etwa im Sinne von Ignite! oder Pecha Kucha, gestaltet werden können, was im Proposal entsprechend darzustellen ist. Es sind weiterhin Vorschläge für visuelle und auditive Formate wie Filme, Soundscapes etc. erwünscht. Diese sollen nach Möglichkeit in Form von schriftlichen Begleittexten und entsprechenden Verlinkungen ebenfalls Eingang in eine spätere Kongressdokumentation finden.

Das studentische Panel bietet ein Forum für Lehr-Forschungsprojekte bzw. „Forschendes Lernen“, wie es an vielen Hochschulstandorten im Curriculum verankert ist, oder für Projektseminare unter studentischer Leitung. Hier kann vom Kongressthema abgewichen werden. MA- oder BA-Thesen bzw. studentische Forschungen, die das Thema des Kongresses aufgreifen, können im Rahmen von Poster-Präsentationen vorgestellt werden – hier ist insbesondere eine Präsentation der eigenen Forschungsergebnisse und empirischen Befunde erwünscht. Studierende sind ebenfalls eingeladen, in Abstimmung mit den studentischen VertreterInnen der dgv, eigene Formate der Berichterstattung des Kongresses zu entwickeln, etwa über audio-visuelle Medien oder Social Media.

Ausdrücklich möchte die dgv auch an außeruniversitären Institutionen beschäftigte und frei arbeitende KulturwissenschaftlerInnen einladen, diesem Call for Papers zu folgen.

Für Pre-Conference Workshops zu forschungspraktischen Themen, wie etwa Forschungsdatenmanagement, Forschungsethik oder auch die Arbeit mit Softwareprogrammen für die qualitative Datenanalyse, werden ebenfalls Vorschläge erbeten.

Organisatorische Hinweise

Bitte beachten Sie bei der Einreichung Ihrer Abstracts folgende Vorgaben:

  • Die Abstracts müssen außer einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung Angaben über die Fragestellung und die empirische Basis enthalten bzw. Auskunft über den Kontext geben, in dem die Arbeit entsteht, gegebenenfalls mit Angaben zu bereits vorliegenden Veröffentlichungen, dem Stand der eigenen Forschung bzw. ersten Ergebnissen.
  • Es muss sich selbstverständlich um neue und unveröffentlichte Forschungspräsentationen handeln. Die Bereitschaft zur Publikation des Beitrages im Nachgang des Kongresses wird vorausgesetzt.
  • Beiträge können auf Deutsch oder Englisch präsentiert und publiziert werden.
  • Bitte geben Sie aktuelle Kontaktdaten an; bei Panelvorschlägen sowohl der verantwortlichen Organisatoren als auch aller Beteiligten! Bei Änderungen informieren Sie bitte das Team entsprechend.
  • Die Abstracts für Einzelvorträge dürfen 2.500, die für Panel 5.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten.
  • Einreichungen können ausschließlich über das dafür vorgesehene Formular auf der dgv-Website erfolgen: www.d-g-v.org/sites/default/files/bewerbungsformular_dgv-kongress_2019_1.pdf (Sollten Sie das Formular nicht direkt im Browser ausfüllen können, bitte zunächst speichern und dann erneut öffnen!)
  • Das vollständig ausgefüllte Formular richten Sie bitte als E-Mail Anhang an: geschaeftsstelle[at]d-g-v.de
  • Einsendeschluss ist der 15. August 2018.

Um das Auswahlverfahren zu erleichtern und transparent zu gestalten, werden alle Einreichenden dringend ersucht, diesen Vorgaben zu folgen. Vorstand und Hauptausschuss werden auf ihrer gemeinsamen Sitzung mit VertreterInnen des lokalen Ausrichters im Herbst 2018 die Beiträge auswählen und das Programm festlegen.

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