Conferences – Call for Papers

42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)

Globale Dynamiken und grundlegende Transformationsprozesse verändern gegenwärtige europäische Gesellschaften. Es sind vielfältige Einflusskräfte am Werk, die teils eigenen Logiken folgend, teils interdependent und verflochten zur Dynamisierung beitragen. Deadline für Beiträge: 15.08.2018.

  • Date: 07.10.2018 – 10.10.2018
  • Institution: dgv - Deutsche Gesellschaft für Volkskunde
  • Location: Hamburg / Deutschland
  • Hand in till: 15. August 2018
  • Sign up till: 15. August 2018
  • Sign up with: geschaeftsstelle[at]d-g-v.de
  • Additional documents: Formular von der dgv-Website
  • Documents to: geschaeftsstelle[at]d-g-v.de

Welt. Wissen. Gestalten.

 

42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)

Hamburg

| 7.–10.10.2018

Globale Dynamiken und grundlegende Transformationsprozesse verändern
gegenwärtige europäische Gesellschaften. Es sind vielfältige
Einflusskräfte am Werk, die teils eigenen Logiken folgend, teils
interdependent und verflochten zur Dynamisierung beitragen: Migration,
Armut und soziale Ungleichheit, Bedeutungsverlust von Nationalstaaten
(jedoch auch das Entstehen neuer Nationalismen), Technologieentwicklung,
die kapitalistische Wirtschaftsweise mit ihren permanenten
Innovationszwängen, Klimawandel, Biodiversitätsrückgang. Für die
Erforschung dieser Dynamiken bringt die Europäische Ethnologie /
Empirische Kulturwissenschaft / Kulturanthropologie / Volkskunde mit
ihren historischen und gegenwartsbezogenen Zugangsweisen und aufgrund
ihrer spezifischen Forschungsperspektiven besondere Expertise mit.

Mit dem Begriff „Welt“ werden verschiedene Skalierungen zwischen lokal
und global thematisierbar und anhand der Relationen von „kleinen
Lebenswelten“ zu größeren Entitäten, zu Europa, zu anderen Kontinenten
und zur ganzen Welt – als global verflochtenem Lebensraum des Menschen –
operationalisierbar. Wichtige Bezugs- und Reflexionspunkte sind dabei
die verschiedenen Weisen, wie „Welt“ in wissenschaftlich-disziplinären
ebenso wie in medialen und populärkulturellen Zusammenhängen als
geografisch-territorial differenzierte Einheit, symbolisch erzeugte
Sinnwelt und als alltäglicher Lebensraum hergestellt und durch
Simulation, Fiktion, Kreativität und Spiel modelliert wird. Dabei weist
der Weltbegriff hinsichtlich der Wissenschafts- und
Gesellschaftsgeschichte der Konstruktion von Eigenem und Fremden und
nicht zuletzt im Kontext von ethnologisch-ethnografischen Wissens- und
Sammlungstraditionen auch problematische Dimensionen auf.

In einer verflochtenen Welt sind es verschiedene Weisen, wie Welt
gewusst wird, die in diesen Dynamiken aufeinandertreffen. Wissen wird
dabei nicht primär kognitivistisch verstanden, sondern schließt gerade
auch affektive, habituelle und ästhetische Formen ein. Die
Verschiedenheit dieser Wissensformen trägt dazu bei, dass in
spezifischer Weise Wissen über die Welt erworben wird und dieses die
Wahrnehmung und Gestaltung der Welt leitet. Weltsichten kondensieren in
symbolische, materielle und praktische Formen des Wissens, welches
wiederum in mannigfaltiger Gestalt vermittelt, angeeignet und
weiterentwickelt werden kann. Wissen materialisiert sich in Objekten,
Diskursen, Praxen, sozialen Ordnungen, moralischen Sichtweisen oder auch
Institutionen, Konventionen, Normen, Regularien, Geschäftsbedingungen
und Gesetzen. Diese Materialisierungen werden immer dort besonders
deutlich und damit für die empirische Forschung zugänglich, wo sie
schöpferisch oder konflikthaft aufeinandertreffen, zwischen Generationen
und Gruppen ausgetauscht, modifiziert und weiterentwickelt oder in
Archiven, Museen und Bibliotheken bewahrt werden.

Das Gestalten der Welt auf der Basis von Wissen und Können ist eine
wesentliche menschliche Fähigkeit, auf die sich das Fach als
Forschungsgegenstand – etwa in kritischer Auseinandersetzung mit
Kreativitätskonzepten – und auch als Anspruch der eigenen
Wissensproduktion (zum Beispiel in einer „Anthropologie der nahen
Zukünfte“) bezieht. Die Entwurfs- und Gestaltungsfähigkeit des Menschen
hängt wesentlich von den Symbol- und Zeichensystemen und den Medien ab,
die ihm hierfür zur Verfügung stehen. Der Rahmen dessen, was erdacht
werden kann, ist mit jeder Medientechnologie neu gesetzt worden und wird
mit der Digitalisierung aktuell umfassend re-formiert. Imaginationen und
Imaginative sind wesentliche Triebfedern für Neuerungen. In
gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftsweisen sind sie allerdings
auch systematische Notwendigkeit, mit (schöpferischen) Zerstörungen des
Althergebrachten verbunden, und werden zunehmend unter neuen Paradigmen,
wie denen der Nachhaltigkeit und der Resilienz, diskutiert.

Für den 42. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (dgv)
unter dem Titel „Welt. Wissen. Gestalten“ sind Beiträge erwünscht, die
zu einem besseren Verständnis der Dynamiken und Probleme europäischer
Gesellschaften in ihren globalen Verflechtungen beitragen – auch in
historischen Perspektivierungen des Themenkomplexes. Überdies können
sich Beiträge kritisch mit den unterschiedlichen disziplinären
Wissensordnungen auseinandersetzen – zumal, da vielfach
naturwissenschaftlich-technische, rechtlich und ökonomisch ausgerichtete
Lösungsansätze in diesen Problemfeldern dominieren.

Welt wissen

Wie Welt gewusst wird, ist eingebettet in soziale und kulturelle
Ordnungen. Kulturelles kann dabei selbst als spezifische, historisch
gewachsene Form des Wissens verstanden und analysiert werden, etwa im
Hinblick darauf, in welchen Situationen welche Gefühle angemessen sind
oder welcher Umgang mit der Natur praktiziert wird. Bedeutungen,
Wertigkeiten und Hierarchisierungen von Wissensbeständen treten in
Konflikt zueinander, werden in Diskursen ausgehandelt und
materialisieren sich in Wissensordnungen. Verschiedene Wissensformen –
kognitiv-theoretische, affektive oder körpergebunden-praktische – werden
dabei in Verhältnis zueinander gesetzt. Ethiken und moralische Ordnungen
sind wesentliche Leitlinien, nach denen Weltverhältnisse bewertet,
verhandelt, neu arrangiert oder auch rechtfertigend begründet werden.
Auch die Wahrnehmungen der Welt sind wesentlich mit dem Wissen über
diese verschränkt. Sie sind kognitiv, sensitiv und affektiv geleitet und
werden über die Horizonte der Alltagserfahrung hinaus durch Imaginäres
und Imaginatives ergänzt.

Welt gestalten

Gestaltungsprozesse und -ansätze sind eine weitere zentrale Perspektive
im Fach, die mit Blick auf aktuelle Diskussionen um das Anthropozän,
also dem Zeitalter einer wesentlich vom Menschen gestalteten (und
hinsichtlich der Lebensgrundlagen zunehmend als gefährdet geltenden)
Welt, ins Zentrum rückt. Neben den Fragen nach Gestaltbarkeit von
Entwicklungen in Wissenschaft und Technik sind es insbesondere auch
Politik und Ökonomie mit ihren Planungs- und Entwurfsprozessen, mit
ihren spezifischen Perspektiven auf Kreativität und Entwerfen, die zu
relevanten Forschungsfel-dern werden. Dabei hat das Fach in seiner
Geschichte selbst in vielfältiger Weise Aktionsfelder gesellschaftlicher
Gestaltung beforscht und seit langem dezidierte Erfahrungen in Bezug auf
gestaltungsorientierte Ansätze gesammelt; diese wiederum werden heute
zum Teil in Designanthropologie und Gestaltungsagenturen zur
kollaborativen Erarbeitung von inter- und transdisziplinären
Fragestellungen ‚neu gedacht‘. Die Ästhetisierung aller Lebensbereiche
ist als weitere Tendenz gegenwärtiger Gesellschaften im Sinne einer
Formierung der Sinne zu sehen.

Formen und Formate

Gestaltungsprozesse und -ansätze sind eine weitere zentrale Perspektive
im Fach, die mit Blick auf aktuelle Diskussionen um das Anthropozän,
also dem Zeitalter einer wesentlich vom Menschen gestalteten (und
hinsichtlich der Lebensgrundlagen zunehmend als gefährdet geltenden)
Welt, ins Zentrum rückt. Neben den Fragen nach Gestaltbarkeit von
Entwicklungen in Wissenschaft und Technik sind es insbesondere auch
Politik und Ökonomie mit ihren Planungs- und Entwurfsprozessen, mit
ihren spezifischen Perspektiven auf Kreativität und Entwerfen, die zu
relevanten Forschungsfel-dern werden. Dabei hat das Fach in seiner
Geschichte selbst in vielfältiger Weise Aktionsfelder gesellschaftlicher
Gestaltung beforscht und seit langem dezidierte Erfahrungen in Bezug auf
gestaltungsorientierte Ansätze gesammelt; diese wiederum werden heute
zum Teil in Designanthropologie und Gestaltungsagenturen zur
kollaborativen Erarbeitung von inter- und transdisziplinären
Fragestellungen ‚neu gedacht‘. Die Ästhetisierung aller Lebensbereiche
ist als weitere Tendenz gegenwärtiger Gesellschaften im Sinne einer
Formierung der Sinne zu sehen.

Organisatorische Hinweise

  • Bitte beachten Sie bei der Einreichung Ihrer Abstracts folgende Vorgaben: Die Abstracts müssen außer einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung Angaben über die Fragestellung und die empirische Basis enthalten bzw. Auskunft über den Kontext geben, in dem die Arbeit entsteht, gegebenenfalls mit Angaben zu bereits vorliegenden Veröffentlichungen, dem Stand der eigenen Forschung bzw. ersten Ergebnissen.
  • Es muss sich selbstverständlich um neue und unveröffentlichte Forschungspräsentationen handeln. Die Bereitschaft zur Publikation des Beitrages im Nachgang des Kongresses wird vorausgesetzt.
  • Beiträge können auf Deutsch oder Englisch präsentiert und publiziert werden.
  • Bitte geben Sie aktuelle Kontaktdaten an; bei Panelvorschlägen sowohl der verantwortlichen OrganisatorInnen als auch aller Beteiligten! Bei Änderungen informieren Sie uns entsprechend.
  • Die Abstracts für Einzelvorträge dürfen 2.500, die für Panel 5.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) nicht überschreiten.
  • Einreichungen können ausschließlich über das dafür vorgesehene Formular auf der dgv- Website erfolgen: www.d-g-v.org/sites/default/files/bewerbungsformular_dgv-kongress_2019_1.pdf (Sollten Sie das Formular nicht direkt im Browser ausfüllen können,bitte zunächst spei-chern und dann erneut öffnen!)
  • Das vollständig ausgefüllte Formular richten Sie bitte als E-Mail Anhang an:geschaeftsstelle@d-g-v.de
  • Einsendeschluss ist der 15. August 2018.

Um das Auswahlverfahren zu erleichtern und transparent zu gestalten,werden alle Einreichenden dringend ersucht, diesen Vorgaben zu folgen.Vorstand und Hauptausschuss werden auf ihrer gemeinsamen Sitzung mitVertreterInnen des lokalen Ausrichters im Herbst 2018 die Beiträgeauswählen und das Programm festlegen.

Additional links:

http://www.d-g-v.org/sites/default/files/bewerbungsformular_dgv-kongress_2019_1.pdf

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