Conferences – Call for Papers

Uneasy Encounters. Academia Haunted by the Living

Die 5. Internationale Graduiertenkonferenz an der Goethe-Universität Frankfurt am Main widmet sich dem Nachdenken über Uneasy Encounters in akademischen Bereichen. Sie findet vom 25.–27. Oktober 2018 statt. Der Call richtet sich an Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen. Works-in-progress und künstlerische Projekte sind willkommen. Abstracts könne bis zum 01. Mai 2018 eigereicht werden.

  • Date: 25.10.2018 – 27.10.2018
  • Institution: Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Location: Frankfurt am Main / Deutschland
  • Documents to: info[at]graduateconferencefrankfurt.de

Telefonkonferenzen überall. Apparate und Medien schicken Stimmen hin und her, Sprache überkreuzt sich, Wörter bleiben stecken, die Leitungen verwirren sich ineinander, selten gibt es Konsens, Kontext schon gar nicht, bis der lauteste Ton alles beendet. Danach – Rauschen.

Topografisch bewegt sich das Nachdenken über Uneasy Encounters in Bereichen, in denen das Sprechen seinen Ort und seine Disziplin verlassen hat. Sein Status ist unklar: Was ist lebendig, was schon (un)tot? Brauchen wir Übersetzungshilfe oder Wiederbelebung? Das Lebendige, das Leben und Lebensbegriffe lassen sich schwer transportieren. Methoden und Modelle des wissenschaftlichen Arbeitens bieten Regeln an, dennoch begleiten Unsicherheiten und Unklarheiten das Leben im Forschungsbetrieb. Im Versuch, akademische Transplantationen vorzunehmen, entstehen jedoch auch Wesen, die als Werkzeuge hilfreich werden – und das nicht nur als Metapher. Vampire, Zombies und Untote aller Art kennen sich in Zwischenbereichen sehr gut aus. Lassen wir uns also an die Hand nehmen.

Immer wenn wir sprechen, müssen wir uns fragen: Für wen ist was auf welche Art und Weise schon da? Und ist das aktuell, bedeutsam, lebendig? Was wird durch wissenschaftliche und künstlerische Praxis erst hervorgebracht, was tragen Disziplinen und ihre Topografien zu den Sprech-, Schreib- und Forschungsmodi bei? Solche Fragen gelten besonders für Orte der Lehre wie die Universität. Die Zusammenhänge, in denen diese dort verhandelt werden, sind meist so weit geordnet, dass Kommunikation ganz gut funktioniert. Wozu also fragen? Gleichzeitig versagt dieser Anspruch und der eigene Perspektivwechsel gelingt kaum. Wenn Inter- oder Transdisziplinarität versucht wird, merkt man schnell, dass Wissenschaftssprache nicht beliebig arrangiert werden kann, um ein gemeinsames Sprechen zu ermöglichen. Offenbar bedarf es einer gewissen disziplinären Rückversicherung, um das eigene Sprechen am Leben zu halten.

Im Sinne kritischer Theorien sollen auf der Konferenz Zugriffe auf das Leben an ihren eigenen Ansprüchen gemessen und diskutiert werden, ohne dabei zugleich dem Gegenstand seine Rolle in diesen Prozessen abzusprechen. Das Zerfallen des Sprechens entlang der Zuschnitte wissenschaftlicher Institutionen und die disparaten Vokabulare verstehen wir als problematische Spezialisierung und damit als Ergebnis gesellschaftspolitischer Prozesse. Davon ausgehend fragen wir, wie die Konfigurationen des Schismas zwischen Lebendigem und Nicht-Lebendigem sowie die Zuständigkeiten im Sprechen entstanden sind, gedacht werden können und politisiert werden sollten.

So könnte es zunächst darum gehen, über die Art und Weise nachzudenken, wie wir sprechen. Wer oder was kommuniziert hier eigentlich mit wem – oder nicht? Und wie genau sieht das aus? Die Konferenz will herausfinden, wer wen oder was diszipliniert und auf welche Weise. Was machen wir mit dem unkontrollierbaren Überschuss? Es stellt sich folglich die Frage des Regierens. Zugriffe auf das Leben sind nicht auf den Wissenschaftsbetrieb beschränkt, sondern charakterisieren eine ganze Politik der Unverfügbarkeit und Unübersetzbarkeit. Welche Machtgefälle und Herrschaftsdynamiken in und außerhalb der Universität wirken hier? Ist die Unterscheidung zwischen Theoretisieren und Praktizieren mittlerweile eine (un)tote? Wie wurde dadurch die Arbeit im Wissenschaftsbetrieb beeinflusst?

Was am Ende dabei herauskommt, darüber können wir nur spekulieren. Die Konferenz möchte ein Experiment initiieren, Zwischenräume und Reste untersuchen, ja, dedisziplinieren. Ungemütliches könnte in diesen Uneasy Encounters zur Sprache kommen, aber auch Raum für emanzipatorische Projekte schaffen. Sprechen, disziplinieren, regieren, theoretisieren und praktizieren, vampirisieren: Wenn wir nicht aufpassen, springen die Funken über und der Apparat brennt. Doch statt Grabpflege zu betreiben, wecken wir die Geister. Aber keine Angst. Who you gonna call?

Der Call richtet sich an Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen. Works-in-progress und künstlerische Projekte sind willkommen. Abstracts können auf Deutsch und Englisch eingereicht werden. Die Abstracts sollen einen Umfang von 300–500 Wörtern haben und sind bis zum 1. Mai 2018 zusammen mit einer kurzen Notiz zur Person einzureichen. Die Vortragenden werden Anfang Juni 2018 benachrichtigt. Für die Vorträge sind maximal 30 Minuten vorgesehen. Die Organisator*innen bitten die Vortragenden bis zum 10. Oktober 2018 ein Outline von ein bis zwei Seiten einzureichen. Bei Bedarf wird versucht, einen Zuschuss zu Reise- und Unterkunftskosten vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zu beantragen. Bitte in der Mail angeben.

Abstracts und Nachfragen: info[at]graduateconferencefrankfurt.de

Additional links:

http://graduateconferencefrankfurt.de/

Permanent link
Back to overview