Conferences – Call for Papers

Bienen und Honig: Geschichte und Gegenwart. Eine interdisziplinäre Tagung

Die Tagung veranstaltet von Karin Schamberger (Bibliothek des Benediktinerstifts Admont), Gerhard Ammerer und Michael Brauer (Leitung des Zentrums für Gastrosophie) soll sich möglichst interdisziplinär mit dem Thema „Bienen und Honig“ beschäftigen. Sie findet vom 24. - 26. September 2018 im Stift Admond statt. Bewerbungsschluss ist der 01. März 2018.

  • Date: 24.09.2018 – 26.09.2018
  • Institution: Universität Salzburg
  • Location: Admond / Österreich
  • Documents to: office[at]gastrosophie.at

Bienen und Honig – allgemeine Überlegungen zum Tagungsthema

Liest man in den letzten Jahren immer wieder Beiträge von besorgten Autoren, die auf Phänomene des Bienensterbens, vor allem bei solitär lebenden Arten, hinweisen, so deutet dies bereits auf die enorme ökologische Bedeutung der Bienen als Bestäuber und Erhalter der Pflanzen- und Blütenvielfalt hin. Ohne Bienen hätte sich die Natur wohl ganz anders entwickelt. An mehreren Orten der Welt hat man in Bernstein eingeschlossene Bienen gefunden, die auf ein Alter von bis zu 100 Millionen Jahren datiert werden.
Bereits in der Steinzeit fand Honig als Nahrungsmittel Verwendung, wie rund 9000 Jahre alte Höhlenzeichnungen in Ostspanien zeigen. Früh schon lässt sich auch die besondere Wertschätzung konstatieren. Honig galt in Ägypten als „Speise der Götter“ und Quelle der Un-sterblichkeit und diente bereits um 3000 v. Chr. als wertvolle Grabbeigabe. In Europa war Honig bekanntlich bis zum weitgehenden Ersatz durch Zuckerrübe und Zuckerrohr im 18. Jahrhundert der einzig verfügbare Süßstoff, der hoch geschätzt war und teuer bezahlt wurde.
Die Produktion von Kunstwachs im 20. Jahrhundert machte schließlich auch das Bienenwachs weitgehend entbehrlich, sodass die frühere Bedeutung von Honig und Wachs stark zurückging.

Kulturgeschichtlich gibt es vielfältige und unterschiedliche Konnotationen mit Bienen und ihren Produkten. Neben den Aufgaben in der Natur und der Nutzung als Lebensmittel durch den Menschen stehen sie als Synonyme und Symbole für unterschiedliche Phänomene. So diente der bereits in der Edda beschriebene Met bei den Germanen als Opfergabe und Gegenstand ritueller Handlungen. Auch schmückte die Biene als Wappentier Napoleons dessen Banner und prächtige Kleidung, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Die Tagungsbeiträge sollen sich möglichst interdisziplinär mit dem Thema „Bienen und Honig“ beschäftigen, wobei sich der zeitliche Bogen von der Antike bis zur Gegenwart spannen sollte, jedoch eine thematische Konzentration auf Mitteleuropa wünschenswert wäre.

Daher ersucht die Veranstaltung VertreterInnen folgender Fachrichtungen um Vorschläge für Tagungsthemen:

  • Archäologie und Altertumswissenschaft. Bereits Aristoteles widmete sich im 4. vorchristlichen Jahrhundert dem Bienenstudium und schrieb darüber. Vergil näherte sich der Bienenhaltung in poetischer Form in seinem Lehrgedicht über den Landbau an („Georgica“, 4. Gesang).

 

  • GermanistInnen sind aufgerufen, unterschiedliche Aspekte in der Literatur (Lobgedichte, Bedeutung für die Magie, metaphorische Verwendung etc.) zu behandeln.
  • Geschichtswissenschaft. Hier gibt es eine breite Palette an soziokulturellen und sozioökonomischen Fragestellungen (Produktion, Handel, Verbrauch, Preise etc.). Eine Themenfülle bietet sich auch für die Realienkunde und die Gastrosophie an: Agrarwirtschaft (Obstbau und Bienenzucht), Verwendung von Honig in Kochrezepten und zur Zubereitung von Getränken, diätetische Aspekte u. a. m.

 

  • Medizin/Medizingeschichte/Pharmakognosie. Seit den ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Heilwirkung des Honigs auf mesopotamischen Tontafeln ist die medizinische Wirkung ein Thema der Forschung. Bereits Hippokrates von Kos sprach im 4. Jahrhundert v. Chr. von der fiebersenkenden Wirkung des Honigs und empfahl den Athleten der Olympischen Spiele den Genuss von leistungssteigerndem Honigwasser. Auf der Tagung sollen neben medizingeschichtlichen auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Sprache kommen.

 

  • Rechtswissenschaft. Die besondere Wertschätzung von Bienen schlägt sich auch im juristischen Bereich nieder. Bienenrechtliche Bestimmungen gibt es seit den ältesten überlieferten Bienengesetzen in der Lex Salica (510) und im römischen Recht (Corpus Iuris Civilis, 533), wobei durchaus einige Ähnlichkeiten mit der heutigen Rechtsauffassung auffallen. Schwere Strafen für den Diebstahl von Bienen oder Honig sind ab dem frühen Mittelalter überliefert.
  • Biologie/Molekularbiologie/Chemie. Die Ergebnisse aus den Forschungen über das Bienenverhalten einerseits (Nobelpreis 1973 für den österreichischen Verhaltensforscher Karl v. Fritsch für seine Arbeiten zur Entschlüsselung der Tanzsprache der Bienen) wie auch zu den Inhaltsstoffen des Honigs (Enzyme, Aminosäuren, Acetylcholin und Cholin, Mineral- und Aromastoffe, Vitamine, anorganische und organische Säuren, …) und seiner bakteriziden Wirkung andererseits sollten zu den Themen der Tagung zählen.

 

  • Imkerei. Bienenhaltung soll es bereits rund 7000 Jahre vor Christus im Gebiet des heutigen Anatolien gegeben haben. In Mitteleuropa kam es zur Professionalisierung und Organisierung ab der Gründung der Zunft der Zeidler im 14. Jahrhundert. Bienenwachs war für die Kerzenherstellung unerlässlich, weshalb in vielen Klosteranlagen des Mittelalters Bienenstöcke standen. 1769 richtete Maria Theresia in Wien die weltweit erste „staatliche“ Imkerschule ein. Und ab1838 kam die erste regelmäßig erscheinende Imkerzeitung, das „Monatsblatt für die gesamte Bienenzucht“, heraus. Von Bedeutung wäre auch der Zeitraum ab dem 19. Jahrhundert, in dem es zu mehreren technischen Veränderungen und damit zu einer „Revolutionierung“ der Honiggewinnung kam, bis zu den Gegebenheiten der Bienenhaltung heute.

Weitere Referatsvorschläge sind willkommen, z. B. aus den Bereichen der

  • Volkskunde, Kunstgeschichte und Theologie. Angedacht werden könnten Themen wie der „Mythos Honig“ als göttliches Produkt, Schlaraffenland, wo Milch und Honig fließen, oder der Bienenstaat als Idealbild der Gesellschaft in der christlichen und weltlichen Symbolik.


Die OrganisatorInnen würden sich freuen, möglichst vielfältige Themenvorschläge aus verschiedenen Fachbereichen zu bekommen. Die Vortragsdauer wird 30 Minuten betragen, in der Schlusssitzung am 26. September 2018 soll neben einem Resümee der Tagung informell über aktuelle Forschungs-projekte berichtet und über geplante Aktivitäten gesprochen werden.
Es wird gebeten, Ihre Referatsvorschläge mit einem einseitigen Exposé und einer wissenschaftlichen Kurzvita bis zum 1. März 2017 – gerne digital – an die angegebene Adresse zu schicken.

Beate Rödhammer

Zentrum für Gastrosophie/FB Geschichte
Sigmund-Haffner-Gasse 18 5020 Salzburg, Austria

office[at]gastrosophie.at

Additional links:

http://gastrosophie.sbg.ac.at/

https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=61229

https://www.stiftadmont.at/

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