Conferences – Call for Papers

Tourismus nach Plan: Begegnungen, Deutungen und Erfahrungen im östlichen Europa während des Kalten

Das Nordost-Institut – Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. (IKGN) an der Universtät Hamburg, ruft zu Beträgen für ihre Konferenz vom 08.11.2018 - 10.11.2018 in Lüneburg auf. Bewerbungsschluss ist der 19.03.2018.

  • Date: 08.11.2018 – 29.10.2018
  • Institution: NordOstInstitut
  • Location: Lüneburg / Deutschland
  • Documents to: PD Dr. David Feest (d.feest[at]ikgn.de)

Die geplante Tagung beschäftigt sich mit dem Tourismus in das östliche Europa nach 1945. Aufgrund der politischen Situation im Kalten Krieg kam eine besondere Art des kontrollierten Reisens zustande, die seit den 1950er Jahren eine stetig anwachsende Bedeutung für die Kontakte zwischen Ost- und Westeuropa hatte. Die Länder Ost- und Ostmitteleuropas bieten viele Beispiele dafür, wie Tourismus instrumentalisiert wurde, das sozialistische System zu präsentieren und zu propagieren – nach innen wie nach außen.

Das Ziel der Tagung besteht darin, anhand vielfältiger Beispiele die unterschiedlichen Modi zu diskutieren, in denen Länder, Regionen oder Orte durch touristische Begegnungen erfahren und gedeutet wurden. Im Vordergrund stehen dabei die Unterschiede zwischen verschiedenen Zielen und Funktionen des Tourismus auf Seiten der Reisenden (Erholungsreisen, Bildungsreisen, familiäre Bindungen, Heimattourismus, dark tourism etc.) sowie auf Seiten der Gastgeberländer. Welche Rolle spielen tradierte Interpretationsmuster, aber auch aktuelle politische Ereignisse, Werbung oder familiäre Verbindungen? Was waren die Funktionsweisen, aber auch die Grenzen und Unzulänglichkeiten der touristischen Einrichtungen? Gleichzeitig soll gefragt werden, welcher Praktiken sich die Gastgeberländer bedienten, um bestimmte Lesarten der touristisch genutzten Orte zu befördern? Und wie veränderten diese die Sichtweise der Bevölkerung auf ihre eigene Umwelt?

Tourismus im östlichen Europa erforderte eine besondere Kontrolle über die organisatorischen Arrangements, die den Tourismus überhaupt ermöglichten. Sie sollen ebenfalls auf der Tagung diskutiert werden: Von Reisebüros über die örtlichen Anbieter bis hin zu Tourismusbehörden mussten Infrastrukturen geschaffen und kontrolliert werden, welche die für den Fremdenverkehr gesetzten Ziele zu verwirklichen versprachen. Dasselbe galt für die Produktion publizistischer Anleitungen wie Reiseführer und Broschüren. Die Definitionshoheit über die touristischen Orte musste den Staats- und Parteiführungen umso wichtiger sein, da die aus dem Westen einreisenden Gäste ihnen mitunter ganz andere Bedeutungen zuschrieben. Dies galt besonders für aus den jeweiligen Regionen stammende Deutsche oder für die Mitglieder der baltischen, polnischen, jüdischen oder anderen Exilgemeinschaften, die in Ostmitteleuropa ihren eigenen Traditionen nachspürten. Der Einfluss dieser Gruppen machte Tourismus auch zu einer Gefahr für die sozialistischen Systeme.

Mit der Tagung strebt das Nordost-Insitut an, Erfahrungen, Adaptionen und Ordnungen als Themen von Tourismus zu analysieren und zueinander in Beziehung zu setzen. Unmittelbare Erlebnisse ermöglichten im Rahmen vorhandener Deutungsmuster spezifisch touristische Erfahrungen. Wodurch wurde ihre Erfahrung geprägt? Was war für sie konstitutiv? Und wie wurden sie weitertransportiert, sei es in Form von Erzählungen, Fotoalben oder anderen Sammlungen?

Der „touristischen Blick“ (J. Urry) beeinflusst aber auch die Wahrnehmung des Landes durch seine Einwohner. Lokale Verwaltungen, Fremdenverkehrsämter oder Reiseunternehmen passten sich dem in der Regel an. Dabei wurden bestehende Orte, Landschaften oder Gebäude und in neue Bedeutungskontexte adaptiert. Die nationalisierende Repräsentation des deutschen Erbes in ostmitteleuropäischen Innenstädten für den Fremdenverkehr ist ein Beispiel dafür. Gleichzeitig wirkten der direkte Austausch und persönliche Begegnungen auf diese Erfahrungen ein.

Vorschläge (auf Deutsch oder Englisch) mit einem maximal halbseitigen Abstract und einem kurzen CV sollen bis zum 19. März 2018 bei PD Dr. David Feest (d.feest[at]ikgn.de) eingereicht werden.

Die Bewerber/-innen werden bis zum 9. April 2018 informiert. Die Reise- und Übernachtungskosten werden für Vortragende übernommen.

Additional links:

https://www.pol-int.org/de/institutionen/nordost-institut-institut-fuer-kultur-und-geschichte-der

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