Conferences – Call for Papers

Früher und woanders: Zur Karriere eines erfolgreichen heuristischen Schemas in der Prähistorie, Ethnologie, Geschichte und Philosophie

Das internationale Kolloquium vom 17.10.2018 - 19.10.2018 in Poitiers organisert von: aboratoire de Métaphysique Allemande et Philosophie Pratique (MAPP – EA 2626) de l’université de Poitiers; Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main; Centre d’Études et de Recherches sur l’Espace Germanophone de l’université de l’université Sorbonne Nouvelle Paris 3 (CEREG – EA 4223); Centre Georg Simmel de l’EHESS-CNRS (URM 8131)

  • Date: 17.10.2018 – 19.10.2018
  • Institution: Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Location: Poitiers / Frankreich
  • Documents to: anthropos.programme[at]gmail.com

Organisationskomitee :

Jean-Louis Georget (PR, Université Sorbonne Nouvelle Paris 3),
Philippe Grosos (PR, Université de Poitiers),
Richard Kuba (Dr, Frobenius-Institut, Frankfurt am Main)

Wissenschaftlicher Beirat:

Hélène Ivanoff (Dr, Frobenius-Institut, Frankfurt am Main),
Jacques Jaubert (PR, Université de Bordeaux 1),
Nicolas Mélard (Dr, Centre de Recherche et de Restauration des Musées de France, Paris),
Nathan Schlanger (PR, École nationale des chartes, Paris)

Frist:

Anmeldung von Beiträgen bis zum 15. Februar 2018
Bitte Vorschläge mit Titel, Zusammenfassung (maximal 1500 Zeichen), kurzem CV in Deutsch oder Französisch schicken an: anthropos.programme@gmail.com

Thema:

Das vorgeschlagene internationale Kolloquium versteht sich als Fortschreibung eines deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts über die Verflechtungsgeschichte der Ethnologie (ANR/DFG, 2015-2017). Im Rahmen dieses Projekts hatte sich eine deutsch-französische Arbeitsgruppe herausgebildet, die über die Beziehungen zwischen Vorgeschichte, Kunstgeschichte, Ethnologie und Archäologie in beiden Ländern und auch ihre Spiegelung auf dem afrikanischen Kontinent nachgedacht hat. Um diese Forschungsfragen fortzuführen, möchte das internationale Kolloquium sich nun der Frage widmen, welche Modelle und Verfahren der Erkenntnisgewinnung in der Vorgeschichtsforschung entwickelt wurden und wie diese jeweils die Kategorien „Früher“ und „Woanders“ verbinden. Tatsächlich fällt auf, dass Vorgeschichte, die per Definition vor jeglicher schriftlicher Aufzeichnung liegt und somit etwa für das paläolithische Europa auf Zeiträume von 10.000 bis 40.000 Jahren BP verweist, seit Beginn des 20. Jh. und auch noch heute bevorzugt durch die Brille der vergleichende Ethnographie betrachtet wurde. Sei es in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jh. mit den Expeditionen eines Leo Frobenius nach Afrika oder Gustav Kossinnas „ethnischer Deutung“ oder in Frankreich mit der „Erfindung“ der steinzeitlichen Kunst durch Salomon Reinach, Émile Cartailhac oder Abbé Breuil, immer wieder wurden zur Interpretation der Vorzeit ethnologische Analogien herangezogen. Trotz André Leroi-Gourhans eindrücklicher Warnung ist dieser Erkenntnisweg auch zu Beginn des 21. Jh. noch fruchtbar wie etwa die „Schamanismus“-These von Jean Clottes und David Lewis-Williams beweist. Ihr epistemologischer Grundsatz ließe sich jeweils wie folgt zusammenfassen: woanders schauen um zu verstehen was früher war. In einer globalisierten Welt steht dieses woanders für jene fernen Volker, die vermeintlich traditionelle Gesellschaften repräsentieren und Auskunft darüber geben können, wie es früher, vor dem historisch Gewordenen, hätte sein könnte. Insbesondere bei der Interpretation prähistorischer Kunst scheint die vergleichende Ethnographie unumgänglich. In dem geplanten Kolloquium wird es nun darum gehen, die epistemologische Wirkmächtigkeit dieses ausgesprochen erfolgreichen heuristischen Schemas im 20. Jahrhundert und im deutsch-französischen Vergleich zu untersuchen und seine heutige Relevanz zu testen. Dazu eingeladen werden deutsche und französische Prähistoriker und Ethnologen ebenso wie Historiker und Philosophen.

Additional links:

http://www.frobenius-institut.de/

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