Conferences – Call for Papers

Planen – Hoffen – Befürchten: Zukunft als Gegenstand und Herausforderung der Alltagskulturforschung

Call for Papers/ Call for Workshops für die Hochschultagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (DGV) vom 20.9.–22.9.2018, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Veranstalter: Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde der Universität Bonn & LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

  • Date: 20.09.2017 – 22.09.2018
  • Institution: Universität Bonn (Friedrich-Wilhelms-Universität)
  • Location: Bonn / Deutschland
  • Documents to: Corinna Schirmer (corinna.schirmer[at]lvr.de);
  • Contact: Jun.-Prof. Dr. Ove Sutter (ove.sutter[at]uni-bonn.de)

Mit dem Thema "Zukunft als Gegenstand und Herausforderung der Alltagskulturforschung" verknüpfen wir die DGV-Hochschultagung mit dem Jubiläumsjahr 2018 der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Unter dem Motto "Herausforderungen der Weltgesellschaft" werden die geisteswissenschaftlichen Fächer hier zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen unter den Bedingungen der Globalisierung diskutieren. Die Veranstalter_innen wollen dies als Möglichkeit nutzen, um den Beitrag der Alltagskulturforschung sichtbar zu machen und über den Stand der historisch und ethnografisch vorgehenden kulturanthropologischen und europäisch-ethnologischen Zukunftsforschung zu diskutieren. Darüber hinaus wollen sie sich aber auch in Workshops über wichtige hochschulpolitische 'Zukunftsfragen' verständigen.

Call for Papers

Gegenwärtige gesellschaftliche Dynamiken rufen unweigerlich Fragen nach der Zukunft auf.  Wahlsiege demokratiefeindlicher und autoritativer Parteien nähren Ängste vor einer zukünftigen Wiederholung vergangener politischer Entwicklungen. Migrationsbewegungen werden auf der einen Seite als Möglichkeit zur soziokulturellen, politischen und ökonomischen Transformation und auf der anderen Seite als Bedrohung vermeintlicher Sicherheiten verhandelt. Prognosen zum Klimawandel werden zurückgewiesen oder rufen dystopische Szenarien auf, mobilisieren aber auch neue Visionen und Praktiken ökologischer Nachhaltigkeit. Derlei Aushandlungen gesellschaftlicher Entwicklung werden nicht nur auf der Ebene des medialen und politischen Diskurses entlang von Policies, Wissensformen oder populärkulturellen Repräsentationen geführt. Auch alltägliche Lebenswelten werden als Ressource oder Problem zukünftiger Entwicklung adressiert, wobei Zukunft hier kollektiv oder individuell durch Ernährungsweise, Konsumgewohnheiten, bürgerschaftliches Engagement, Familienplanung, private Altersvorsorge und Wandel von Wertvorstellungen zu bearbeiten sei.

Die Sozial- und Kulturwissenschaften nehmen Zukunft als "prognostisches Wissen" (Andreas Hartman & Oliwia Murawska) und Zukunftspraktiken im Sinne jener Handlungsweisen, mittels derer die Zukunft imaginiert und performativ hergestellt wird, zunehmend in den Blick. Dabei untersuchen sie diese in ihrer Einbettung in 'Zeit- und Zukunftsregime' (Andreas Reckwitz), so z.B. in Planungsprozessen, die auf Risikoprävention ausgerichtet sind oder in Explorationen, die Zukunft als offenen Möglichkeitsraum gestalten. Zukunft rückt dabei als Phänomen der Gegenwart im Sinne von ‚imaginary present‘ (Alfred Gell) in den Blick.

Aus Sicht einer historisch und ethnografisch forschenden Alltagskulturwissenschaft ist zu fragen, wie Zukunft sich in der praktischen Gestaltung vergangener und gegenwärtiger alltäglicher Lebenswelten, in alltagsweltlichen und populärkulturellen Narrationen und Imaginationen, sowie in der Gestaltung von und Interaktion mit materiellen Artefakten formierte und formiert: 

Zukunftspraktiken:

  • Wie bearbeiten Menschen in ihrem Alltag, z.B. in der Familie, im Verein, in informellen Gruppierungen, als politische Initiative, im Unternehmen oder in Bildungseinrichtungen die Gegenwart im Hinblick auf eine erstrebenswerte oder zu verhindernde zukünftige Entwicklung?
  • Aus welchen alltäglichen Aushandlungsprozessen gehen Zukunftsvorstellungen hervor?
  • Mit welchen Mitteln wird an der Zukunft gearbeitet? Wie werden Zukunftsvorstellungen realisiert?
  • Welche Funktion haben Emotionen in der alltäglichen Gestaltung der Zukunft?
  • Wie wird  Wissen über zeitliche Praktiken erzeugt und strukturiert?

Imaginationen, Narrationen, Verbildlichungen der Zukunft:

  • Wie wird Zukunft in unterschiedlichen Bereichen alltäglicher Lebenswelten imaginiert?
  • Welche Imaginationen der Zukunft prägen in welcher Weise alltägliche Lebensweisen?
  • Wie werden auf der Ebene alltäglicher Lebenswelten Auseinandersetzungen um Deutungshoheit der Zukunft geführt?
  • Welche Wertvorstellungen werden mit Imaginationen der Zukunft in welcher Weise verbunden?
  • In welcher Weise und zu welchem Zweck sind Zukunftsvorstellungen und -konzepte emotional aufgeladen?

Materialisierungen von Zukunft:

  • Welche Zukunftsvorstellungen materialisieren sich in welcher Weise in Dingen?
  • Wie wird Zukunft in Mensch-Ding-Beziehungen gemacht?
  • Wie schlagen sich politisch-ökonomische Planungs- und Entwicklungsszenarien in der materiellen Formierung ländlicher und städtischer Räume nieder?

Es wird um Vortragsvorschläge zu den genannten Aspekten oder auch zu weiteren Themen aus dem Forschungsfeld "Zukunft als Gegenstand der Alltagskulturforschung" gebeten. Die Vorträge sollen aktuelle unveröffentlichte Forschungsergebnisse vorstellen. Eine Publikation der Vorträge ist beabsichtigt.

Bitte senden Sie ein Abstract für einen Vortrag (ca. 2.500 Zeichen) und ein CV (ca. 500 Zeichen) bis zum 28.01.2018 an Corinna Schirmer (corinna.schirmer[at]lvr.de).

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Jun.-Prof. Dr. Ove Sutter (ove.sutter[at]uni-bonn.de).

 

Call for Workshops

Die reflexive Frage nach der Zukunft des Faches ist nicht nur durch die Namensdebatten wiederkehrend verhandelt worden. Sie stellt sich auch angesichts der laufenden Transformation der Universität wie auch der außeruniversitären Aufgabenfelder. Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie müssen sich Anforderungen wie z.B. Exzellenzinitiativen, der Modularisierung der Studiengänge oder sich verändernden Standards des Forschungsdatenmanagements fortwährend stellen und diesen gegenüber positionieren. Aber auch die außeruniversitären Bereiche des Faches – so  z.B. Landesstellen und Museen – müssen sich mit Veränderungen wie jenen des Datenmanagements unter dem Einfluss der Digitalisierung, Diskussionen um die Sicherung materiellen und immateriellen kulturellen Erbes oder auch dem Wandel von Berufsfeldern auseinandersetzen. In den Workshops sollen fach- und hochschulpolitische Themen diskutiert und Vertreter*innen unterschiedlicher Fachinstitutionen (Museen, Archive, Medien, Universitäten, etc.) miteinander in Austausch gebracht werden.

Mögliche Workshop-Themen:

  • Forschungsethische Anforderungen
  • Thema Drittmittel: Fragen der Förderung durch die DFG
  • Alternative Publikationsmöglichkeiten
  • Herausforderungen und Strategien des Umgangs mit der Modularisierung der Studiengänge (für Lehrforschungsprojekte, Studierendenzahlen etc.)
  • Fragen der Kooperationen zwischen Instituten, Landesstellen und Museen

Für die Workshops wird um die Einreichung von Vorschlägen in folgender Form gebeten:

  1. Titel
  2. Kurze Darstellung eines Themenfeldes (1.000 Zeichen)
  3. Benennung eines/einer Moderierenden
  4. Benennung eines/einer oder mehrerer Sprecher*innen, die Positionen vertreten, Projekte vorstellen, o.ä.
  5. Darstellung, in welcher Form Austausch, Diskussion und Beteiligung der Workshopbesucher*innen angeregt/eingeholt werden sollen und welche (technische) Ausstattung benötigt wird

Bitte senden Sie ein Abstract für einen Workshop  (ca. 2.500 Zeichen) und ein CV (ca. 500 Zeichen) bis zum 15.03.2018 an Corinna Schirmer (corinna.schirmer[at]lvr.de)

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Jun.-Prof. Dr. Ove Sutter (ove.sutter[at]uni-bonn.de).

Additional links:

https://www.kulturanthropologie.uni-bonn.de/nachrichten/call-for-papers-call-for-workshops-hochschultagung-der-deutschen-gesellschaft-fuer-volkskunde-dgv

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