Literature – Call for Articles

Tsantsa 24/2019

Tsantsa, die Zeitschrift der Schweizerischen Ethnologischen Gesellschaft widmet ihr Dossier dem Thema Dekoloniale Prozesse an Schweizer Hochschulen und Kulturinstitutionen. Sie ruft zu Diskussionsbeiträgen zur Rolle von Schweizer Institutionen in dekolonialen Diskursen und Prozessen auf.

  • Documents to: fiona.siegenthaler[at]unibas.ch, m.allainbonilla[at]unibas.ch

Call for Papers für das TSANTSA Dossier Nr. 24/2019
hrsg. Fiona Siegenthaler und Marie-Laure Allain Bonilla

DEKOLONIALE PROZESSE AN SCHWEIZER HOCHSCHULEN UND KULTURINSTITUTIONEN:

EMPIRISCHE UND THEORETISCHE ANSÄTZE


Da die Schweiz nie eine Kolonialmacht war, herrscht im öffentlichen Diskurs ─ und vielfach auch latent im akademischen Bereich ─ eine Tendenz zur Annahme, dass der Kolonialismus sie nicht direkt betreffe und daher auch keine Notwendigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit ihrer kolonialen Geschichte bestehe (vgl. z.B. Purtschert 2012). Ebenso wird die Dekolonisierung als historischer und politischer Moment wahrgenommen, der nur die Imperien und ihre Kolonien betraf und mit der territorialen Unabhängigkeit der letzteren endete. TheoretikerInnen wie Chandra Talpade Mohanty (2003), Linda Tuhiwai Smith (2003), Ramón Grosfoguel (2007) oder Walter Mignolo (Mignolo / Escobar 2010) argumentieren jedoch, dass Dekolonisierung über diese historischen Ereignisse hinausgeht und eine grundlegende Kritik an dominanten Epistemologien eurozentrischer und kolonialer Prägung umfasst.

Die Schweiz mit ihren mächtigen Institutionen der Wissensproduktion beginnt erst jetzt, das Ausmass dieser Forderung nach Dekolonisierung zu realisieren. Einige Forschungsprojekte, Konferenzen und öffentliche Podiumsdiskussionen haben das Thema kürzlich aufgegriffen und versucht, Relevanz und Umsetzbarkeit sowie die Schwierigkeiten eines dekolonialen Ansatzes für Archive, Sammlungen und Hochschulen zu erfassen. Dieser wichtige Schritt veranlasst uns, die globalen Netzwerke, Märkte und Machtstrukturen zu überdenken, durch die ethnographische und andere Sammlungen überhaupt erst entstanden sind. Er steht aber auch für die Beteiligung der Schweizer Bildungs- und Kulturinstitutionen an aktuellen Forschungstrends, Diskursen und Kulturökonomien weltweit.

Die Dekolonisierung bleibt eine Herausforderung sowohl in der Schweizer Wissenschaft als auch in verwandten Kultur- und Bildungseinrichtungen. Was genau bedeutet Dekolonisierung und wie kommt sie in der Wissensproduktion von Museen, Archiven und Universitäten zum Tragen? Diese Frage zielt sowohl auf theoretische als auch auf empirische Zusammenhänge. Einerseits weist sie auf die Notwendigkeit einer vertieften und kritischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Konzepten und Theorien der Dekolonisierung und ihrer Relevanz für den schweizerischen Kontext hin. Was genau muss dekolonisiert werden? Was würde es für die Institutionen und ihr Publikum bedeuten? Wie können internationale Theorien der Dekolonisierung diesen Prozess unterstützen, und wie können schweizerische Besonderheiten berücksichtigt werden? Andererseits geht es um die Frage, wie ein solcher dekolonialer Prozess in der Praxis stattfinden kann und welche Konsequenzen dies für die Struktur, Organisation, Beschäftigungspolitik, für Vermittlungsprogramme, Finanzierung, Kulturpolitik und sogar für die Daseinsberechtigung der Bildungs- und Kultureinrichtungen hat. Wie können KuratorInnen, KünstlerInnen, ArchivarInnen und WissenschaftlerInnen auf die Forderung nach pluralen Epistemologien in der Praxis antworten? Können Institutionen wie Museen oder Universitäten zu Plattformen werden, die unsere epistemologischen Grundlagen hinterfragen oder gar verändern, und wenn ja, wie?

Dieser CFP für das Tsantsa-Dossier Dekoloniale Prozesse an Schweizer Hochschulen und Kulturinstitutionen: empirische und theoretische Ansätze ruft WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus Bereichen wie Ethnologie, Kulturwissenschaften, Kunstgeschichte, Museologie, künstlerischer Forschung, Geschichte sowie anderen Disziplinen zu Beiträgen auf, die die Rolle von Schweizer Institutionen hinsichtlich dieser dekolonialen Diskurse und Prozesse diskutieren. Perspektiven, die auf Erfahrungen in schweizerischen wie auch internationalen Forschungs- und/oder Praxiskontexten beruhen, sind besonders willkommen.

Bitte senden Sie die Abstracts (max. 2000 Zeichen) an: fiona.siegenthaler[at]unibas.ch, m.allainbonilla[at]unibas.ch.

Einsendeschluss ist der 15.12.2017. Die Autorinnen der akzeptierten Abstracts werden danach gebeten, bis am 01.06.2018 die vollständigen Artikel abzugeben. Nach dem Peer-Review-Verfahren werden die endgültigen Fassungen bis zum 15.11.2018 zur Veröffentlichung im Frühjahr 2019 erwartet.

Additional links:

http://www.tsantsa.ch/de

Richtlinien für Beitragende:
http://www.tsantsa.ch/de/eingabe/richtlinien-fuer-beitragende

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