Conferences – Meeting/Conference

„Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance“

Die Tagung „Ernährung kehrt in die Stadt zurück – Innovative Ansätze urbaner Food Governance“ in Kooperation des Netzwerks Ernährungskultur (Esskult.net) & Schweisfurth Stiftung / DNEE an der Hochschule Fulda findet vom 10.-11. November 2017 an der Hochschule Fulda statt.

  • Date: 10.11.2017 – 11.11.2017
  • Institution: Hochschule Fulda
  • Location: Fulda / Deutschland
  • Sign up with: rueckert-john[at]esskult.net.
  • Event contribution: regulär 50 Euro, für Mitglieder von Esskult.net und DNEE 30 Euro, für Studierende 20 Euro

Veränderte Rahmenbedingungen im 21. Jahrhundert und neue Ansprüche der Konsument/innen in den westlichen Industrieländern führen dazu, dass sich die städtische Lebensmittelversorgung grundlegend wandelt und die Ernährungspolitik in die Stadt „zurückkehrt“. Internationale Initiativen appellieren an Kommunen und andere Stakeholder, die integrative Funktion des Themas Ernährung als Treiber für Stadtentwicklungsziele – wie Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Gesundheit, Raumplanung und Bildung – zu nutzen, Projekte im Bereich der lokalen Lebensmittelproduktion zu fördern und urban-regionale Ernährungsstrategien zu entwickeln. Charakteristisch für die neuen Ansätze der Urban Food Governance ist die Integration verschiedener Politikbereiche und -ziele, die direkt oder indirekt mit dem Thema Ernährung verbunden sind. Der nachhaltigen Gestaltung des urbanen Ernährungssystems kommt eine Schlüsselrolle in der kommunalen Nachhaltigkeits-Governance zu.

Zivilgesellschaftliche Initiativen gehen häufig mit innovativen Lösungsansätzen voran. Im Mittelpunkt stehen in Deutschland vor allem Ansätze urbaner, solidarischer Landwirtschaft, interkulturelle Gärten und Gemeinschaftsgärten oder das städtische Imkern. Aber auch auf kommunalpolitischer Ebene finden sich bereits innovative Ansätze, wie zum Beispiel das Konzept der „Essbaren Städte“ oder der Ernährungsräte.

Solche Ansätze können als soziale Innovationen nachhaltigen Konsums verstanden werden, da nachhaltige Praktiken des Wirtschaftens, Produzierens und Konsumierens und ein neues Verständnis von Besitz, Gemeinschaftlichkeit und Eigeninitiative geschaffen werden, verbunden mit vielfältigen Nachhaltigkeits- und Transformationseffekten. Das transformatorische Potenzial der Urban Food Governance-Ansätze wird wesentlich bedingt durch die Integration von ökologischen und sozialen Belangen.

Diverse Studien belegen die vielfältigen positiven sozial-ökologischen Auswirkungen von Grünflächen, die einen bedeutenden öffentlichen Raum darstellen, Gelegenheiten für Begegnungen bieten und dazu beitragen, Naturschutz und Lebensqualität in Städten zu integrieren. Interkulturelle Gärten lokalisieren den transnationalen Raum auf eine enge begrenzte Öffentlichkeit, besetzen diesen gleichzeitig multiethnisch und multikulturell und können so soziale Kohäsion und Stabilität von Gemeinschaften stärken.

Ziel der Tagung ist es, sich diesen neuen Ansätzen und Konzepten einer urbanen Food Governance zuzuwenden sowie ihre Potenziale und Grenzen auszuloten und zu diskutieren

Zu diskutierende Fragen:

  • Auf welche Probleme, gesellschaftliche Herausforderungen und Bedarfe reagieren die Projekte und Initiativen einer urbanen Food Governance?
  • In welchem Verhältnis definieren sie sich zur etablierten kommunalen Politik und anderen Stake-holdern (z. B. Ernährungswirtschaft)?
  • Welche Ziele verfolgen sie und welche Lösungsansätze stellen sie vor?
  • Welche Rolle spielen hierbei Konzepte, wie soziale Innovationen, Postkapitalismus / Postwachs-tum oder gesellschaftliche Transformation?
  • Mit welchen Herausforderungen sind die Projekte und Initiativen konfrontiert?
  • Welche Akzeptanz und welchen Zuspruch finden sie in der Bevölkerung?
  • Mit welchen alternativen Wertvorstellungen sind sie verbunden?
  • Inwieweit spielt hierbei die Integration Geflüchteter eine Rolle?

Eingeladen sind Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachdisziplinen (Soziologie, Politikwissenschaften, Kulturwissenschaften, Ethnografie, Geschichtswissenschaften u.a.).

Anmeldung und Tagungsgebühr:

Bitte melden sie sich bis zum 30. September 2017 per email an. rueckert-john[at]esskult.net.

Die Tagungsgebühr beträgt regulär 50 Euro, für Mitglieder von Esskult.net und DNEE 30 Euro, für Stu-dierende 20 Euro. Der Unkostenbeitrag umfasst die Pausenverpflegung und das Mittagessen am 11.11.2017.

Literatur:

Baro, F., Frantzeskaki, N., Gomez-Baggethum, E., Haase, D. (2015): Assessing the (mis)match between local supply and demand of urban ecosystem services in five European cities, Ecological Indicators 55 (2015). 146-158.
Colding, J.; Barthel, S. (2013): The potential of “Urban Green Commons” in the resilience building of cities. Ecological Economics 86:156–166.
Kabisch, N., Qureshi, S., Haase D. (2015): Urban nature: Human-environment interactions in urban green spaces – contemporary issues and future prospects. Env Impact Ass Review 50, 25–34.
Kabisch, N.; Haase, D. (2014): Green justice or just green? Provision of urban green spaces in Berlin, Germany. Landscape and Urban Planning 122, 129-139.
Müller, C. (2007): Interkulturelle Gärten – Urbane Orte der Subsistenzproduktion und der Vielfalt. In: Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften - Die "grüne" Stadt – urbane Qualitäten durch Frei-raumentwicklung", 1/2007, S. 55-67, Berlin.
Rückert-John, J.; Jaeger-Erben, M. und Schäfer, M. (2014): Soziale Innovationen im Aufwind. Ein Leit-faden zur Förderung sozialer Innovationen nachhaltigen Konsum. Hg. Umweltbundesamt.
Schermer, M. (2013): Transnational daheim. Der Beitrag interkultureller Gärten zur sozialen Nachhal-tigkeit von Städten. In: Amenda, L.; Langthaler, E. (Hg.) (2014): Kulinarische "Heimat" und "Fremde": Migration und Ernährung im 19. und 20. Jahrhundert (Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes). Studien Verlag. Innsbruck, Wien, Botzen. S. 174-188.
Stierand, P. (2008): Stadt und Lebensmittel. Die Bedeutung des städtischen Ernährungssystems für die Stadtentwicklung. Dortmund.
Stierand, P. (2014): Speiseräume. Die Ernährungswende beginnt in der Stadt. München.
WBGU (2016): Der Umzug der Menschheit: Die transformative Kraft der Städte.
White, M. P., I. Alcock, B. W. Wheeler, and M. H. Depledge (2014): Would you be happier living in a greener urban area? A fixed-effects analysis of panel data. Psychological science 24(6):920–8
Seite 4 von 6

Tagungsprogramm

Erster Tag: 10. November 2017
Wissenschaftliche Perspektiven auf das Tagungsthema


13.00 – 15.00 Uhr
Prof. Dr. Jana Rückert-John, Hochschule Fulda, Netzwerk Ernährungskultur
Ernährung kehrt in die Stadt zurück. Soziologische Perspektiven
Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Schweisfurth Stiftung
Ernährungssicherung durch Ernährungssouveränität
Dr. Harald Lemke, Internationales Forum Gastrosophie (IFG)
GASTROPOLIS – Politiken der metropolregionalen Ernährungswende

Pause

15.00 – 15.30 Uhr
Ernährungsräte und Urban Food Governance

15.30 – 17.15 Uhr
Dr. Philipp Stierand, Speiseräume
Die neue Ernährungsbewegung und die Potentiale kommunaler Ernährungspolitik
Dr. Timo Eckhardt, Nahrhaft e.V.
Kommunale Ernährungspolitik in Kleinstädten – erste Erfahrungen aus KERNiG
Rebekka Frick, FiBL Schweiz
Die Bedeutung der „Essbaren Städte“. Rahmenanalyse eines deutschen „Urban Gardening“-Phäno-mens
Mitgliederversammlung Esskult.net

18.00 Uhr
Abendessen (auf Selbstzahlerbasis)

20.00 Uhr
Seite 5 von 6

Zweiter Tag: 11. November 2017
Migration und Ernährung: „Essen ist Heimat“

9.30 – 12.00 Uhr
Prof. Dr. Gunther Hirschfelder, Universität Regensburg
Mujadarra und Red Bull. Migrantische Ernährungsstrategien unter Akkulturationsstress
Dr. Manuela Barth, Ludwig-Maximilians-Universität München
Gärtnern zwischen Regulieren und Aushandeln am Beispiel eines Münchner Krautgartens
Dr. Petra Lütke, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Urbane Food Governance und die alltäglichen Routinen des mobilen Food Vendings

Mittagessen

12.00 – 13.00 Uhr
Städtische Initiativen: Urban Gardening, interkulturelle Gärten und Food Sharing

13.00 – 14.00 Uhr
Ella von der Haide, Universität Kassel, Fachgebiet Freiraumplanung
Ein kritischer Blick auf Urban Gardening: Eine Praxis auf dem Weg zu einer städtischen Ernährungs-planung zwischen Partizipation, Commoning, Umweltgerechtigkeit, neoliberaler Stadtgestaltung, Gentrifizierung und Green Washing

Pause

14.00 – 14.30 Uhr
Akteure im urbanen Raum: Community supported Agriculture und Unternehmen

14.30 – 16.00 Uhr
Dr. Alexander Schwinghammer, Bauhaus Universität Weimar
Wir geben dem Bauch der Stadt ein neues Gesicht. Praktiken unternehmerischer Lebensmittelproduk-tion im urbanen Raum
Seite 6 von 6
Dr. Birgit Peuker, ISInova e.V., Berlin
Solidarische Landwirtschaft - Lernort statt Mainstream
Dr. Lars Winterberg, Universität Regensburg & Universität des Saarlandes
Alltag. Gesellschaft! Utopie? Zur Ethnografie solidarischen Landwirtschaftens: Perspektiven & Poten-ziale

Ende der Tagung
16.00 Uhr

Additional links:

esskult.net/wp-content/uploads/2015/01/Herbstagung_urbane_Food_Governance_Programm_final-1.pdf

Permanent link
Back to overview