Open Data, Open Science

Forschungsdatenmanagement in den ethnologischen Fächern

AKTUELL
Workshop: Auswahl. Fachspezifische Strategien und Kriterien für die Archivierung von Forschungsdaten aus ethnografischen Forschungen

am 9. November 2018 in Berlin, Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Auditorium


Wir bitten um Anmeldung mit einer formlosen Email bis zum 21.10.2018 an diese Adresse:

ub.fid-ska(at)hu-berlin.de

 

Allgemeine Forderungen nach der Zugänglichmachung von Forschungsdaten haben vielfach den Eindruck erweckt, alle Daten aus einer Forschung sollten dauerhaft archiviert werden. Inzwischen wird jedoch deutlich, dass schon die Aufbereitung von Daten zur Langzeitarchivierung und Nachnutzung ebenso ressourcenintensiv ist, wie der dauerhafte Erhalt von Interpretierbarkeit, Auffindbarkeit und Zugänglichkeit selbst. „Die Herausforderungen, die sich daraus ableiten, liegen auf der Hand: Wir können nicht alle Forschungsdaten aufbewahren“, heißt es in einem Handbuch des Kompetenznetzwerks Langzeitarchivierung nestor. „Was aber sind dann die Auswahlkriterien und wer legt sie fest? Wer kann heute abschätzen, was auch für zukünftige (Forscher)Generationen von Interesse ist?“ Forschungsförderinstitutionen wie die DFG erwarten, dass fachspezifische Daten-Policies künftig auch Auskunft darüber geben, welche Daten langfristig erhalten bleiben sollen und für welche Daten auf eine Archivierung verzichtet werden kann.

Die notwendigen Prozesse und Praktiken der Bewertung und Unterscheidung bedürfen in den Ethnologien besonderer Sorgfalt: Zum einen sind Daten aus ethnografischen Forschungen nicht replizierbar, vielmehr entsteht einzigartiges Material, das – gerade mit Blick auf langfristigen Erhalt – von hohem Wert sein kann, und zum anderen ist dieses Material oft ebenso komplex wie heterogen, verweist aufeinander, kommentiert, erweitert und ergänzt sich gegenseitig. Zu diskutieren wäre etwa auch, bei welchem Bearbeitungsstand ethnografische Forschungsdaten sinnvoll archiviert werden können und ob bestimmte Datenarten – wie etwa Feldtagebücher – überhaupt zur Nachnutzung geeignet sind. Welche Strategien von Auswahl und Bewertung können wir also entwickeln, wenn immer deutlicher wird, dass nicht alle Daten langfristig aufbewahrt werden können?

Wir wollen uns deshalb in einem Workshop mit möglichen Prinzipien und Strategien der Auswahl von zur Langzeitarchivierung geeigneten Daten aus ethnografischen Forschungen  beschäftigen. Besonders wichtig ist uns dabei der Austausch mit Expert/innen der Auswahl und Bewertung aus Archiven, Sammlungen, Museen und Bibliotheken, der wichtige Einsichten und Aufschlüsse zu dazu liefern soll.

 

 

Programm

10.00 – 12.15 Uhr

Begrüßung: Andreas Degkwitz, Beate Binder, Matthias Harbeck


Politiken des Auswählens in Gedächtnisinstitutionen
Tahani Nadim l Institut für Europäische Ethnologie, Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage, HU Berlin


Daten managen. Berichte aus „Datenprojekten“
Igor Eberhard, Wolfgang Kraus l Projekt „Ethnografische Datenarchivierung“ Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Universität Wien

 

Nadine Kulbe l Projekt „Erschließung und Digitalisierung des Nachlasses Adolf Spamer“,  Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde

 

Pause

 

13.00 – 16.00 Uhr

 

Perspektiven aus Archiv und Archivwissenschaft

Karin Schwarz l Fachhochschule Potsdam

 

Aleksandra Pawliczek l Universitätsarchiv, HU Berlin

Auswahl in Museum und Sammlungsprojekten

Julia Dilger l Museum Neukölln, Berlin

 

Andrea Scholz l Projekt "Lebende Dinge in Amazonien und im Museum - Geteiltes Wissen im Humboldt-Forum", Ethnologisches Museum Berlin, Humboldt Lab Dahlem

Bewertung in Datenarchiven

Thomas Schmidt l Archiv für Gesprochenes Deutsch, Institut für Deutsche Sprache, Mannheim

Ende

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Im Rahmen des Fachinformationsdienstes (FID) „Sozial- und Kulturanthropologie“ hat die DFG auch ein Teilprojekt zum Forschungsdatenmanagement in den ethnologischen Fächern bewilligt. Zunächst sollen der aktuelle Stand des Umgangs mit Forschungsdaten, Einstellungen zu und Erfahrungen mit dem Thema Forschungsdatenmanagement erhoben werden, um schließlich im Austausch mit Kolleg_innen einen Workflow der forschungsbegleitenden Datensicherung zu entwickeln und zu erproben.

 

Mit „Open Science“ ist das Anliegen verbunden, nicht nur auswertende Publikationen, sondern auch Forschungsmaterialien über das Internet zugänglich zu machen. Vor diesem Hintergrund wird unter dem Begriff „Research Data Management“ seit einiger Zeit die Definition eines Rahmens diskutiert, der die Veröffentlichung und den möglichst freien Austausch von Forschungsdaten ermöglicht. Ziel ist die Etablierung einer nachhaltigen Forschungsdateninfrastruktur, die es Wissenschaftler_innen erlaubt, ihre Daten in vertrauenswürdigen Repositorien dauerhaft zu speichern – nicht zuletzt, weil genau das zunehmend auch von Forschungsförderern gefordert wird. (vgl. z.B. DFG-Leitlinien zum Umgang mit Forschungsdaten, Guidelines on Data Management in Horizon 2020)

 

Mit der Bewilligung des FID bietet sich nun die Möglichkeit, fachspezifische Anforderungen an eine künftige Forschungsdateninfrastruktur für die deutschsprachigen ethnologischen Fächer möglichst breit zu diskutieren. Neben der Kooperation mit einzelnen Forschungsprojekten werden Workshops an der Universitätsbibliothek der HU Berlin und Beiträge zu Fachtagungen dazu Gelegenheit geben.

 

Eine Umfrage im Herbst 2016 wird zudem erstmals systematisch die Vielfalt derzeit genutzter digitaler Datenformen und -formate sowie den Bestand an bereits vorhandenen technischen, semantischen und institutionellen Lösungen für Data-Sharing und Langzeitarchivierung in den ethnologischen Fächern eruieren. Sie wird auch den Bedarf und die fachspezifischen Ansprüche an Forschungsdatenmanagement sowie die Bedingungen für die Überführung ethnografischer Materialien in digitale Langzeitarchive erheben. Auf diesem Weg soll bei der Konzeption und dem künftigen Aufbau von Infrastrukturen ein möglichst breites Spektrum an Bedürfnissen, Erwartungen und Expertisen berücksichtigt werden. Nicht zuletzt geht es perspektivisch auch um die Entwicklung fachspezifischer Richtlinien zum Umgang mit Forschungsdaten, wie etwa Standards der Auswahl und Aufbereitung und Verzeichnung sowie Regeln für einen adäquaten qualifizierten Zugang zu Daten. Die Umfrage zielt deshalb besonders darauf, Anforderungen an solche Dateninfrastrukturen auszuloten, die den Besonderheiten ethnografischer Praxis Rechnung tragen und Aspekte wie Kontextgebundenheit und kritische Selbstreflexion, aber auch Datenschutz und Anonymisierung angemessen berücksichtigen.

 

AnsprechpartnerIn

 

Dr. des. Sabine Imeri, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Forschungsdatenmanagement
sabine.imeri.1(at)ub.hu-berlin.de

 

Wjatscheslaw Sterzer (MA), wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Forschungsdatenmanagement
wjatscheslaw.sterzer.1(at)ub.hu-berlin.de

 

 

Workshop zu rechtlichen Fragen zum Umgang mit Forschungsdaten in den Ethnologien, 24.11.2017

 

Programm zum Workshop

Vom Interview zum Datenrepositorium: Datenschutzgesichtspunkte - Ulrike Klöppel

Urheberrechte an Forschungsdaten - Linda Kuschel

Rechtemanagement für Forschungsdaten - Praxisbeispiele - Wjatscheslaw Sterzer

 

 

Umfrage zum Umgang mit Forschungsdaten in den Ethnologien

 

Bericht zur Umfrage "Open Data. Forschungsdatenmanagement in den ethnologischen Fächern" Teil 1: Statistiken

 

 

Publikationen

 

Sabine Imeri (2017): „Open Data? Zum Umgang mit Forschungsdaten in den ethnologischen Fächern“, in: Kratzke, Jonas und Heuveline, Vincent (Hrsg.): E-Science-Tage 2017: Forschungsdaten managen, Heidelberg: heiBOOKS, 2017.
http://doi.org/10.11588/heibooks.285.377

 

Sabine Imeri, Wjatscheslaw Sterzer, Matthias Harbeck (2018): Forschungsdatenmanagement in den ethnologischen Fächern. Bericht aus dem Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie. Erscheint in: Zeitschrift für Volkskunde (Heft 1/ 2018)

 

Matthias Harbeck, Sabine Imeri, Wjatscheslaw Sterzer (2018): Feldnotizen und Videomitschnitte. Zum Forschungsdatenmanagement qualitativer Daten am Beispiel der ethnologischen Fächer. Erscheint in: o-bib, Schwerpunktheft Forschungsdaten (Heft 2/2018)

 

 

Präsentationen

 

Poster Qualitative Forschungsdaten zur 18. DINI Jahrestagung

Poster International Open Access Week 2017 "Qualitative Forschungsdaten aus den ethnologischen Fächern" 

Poster Bibliothekartag 2018 "Zugriff auf ethnologische Forschungsdaten: Anforderungen und Lösungen"

 

Weiterführende Links

 

Einen guten Einstieg in das Thema bieten die Webseiten der AG Forschungsdatenmanagement der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI) und nestor - Deutsches Kompetenznetzwerk zur digitalen Langzeitarchivierung:

 

http://www.forschungsdaten.org/index.php/AG_Forschungsdaten

 

und die Informationsplattform forschungsdaten.info aus Baden-Württemberg:

 

https://www.forschungsdaten.info/